Tomintoul With A Peaty Tang – Rauch aus dem Land der sanften Malts
Die Speyside gilt als Heimat fruchtiger, weicher und meist rauchfreier Single Malts, und Tomintoul trägt selbst den Beinamen „The Gentle Dram“. Umso ungewöhnlicher ist diese Abfüllung: Tomintoul With A Peaty Tang wird aus getorfter Malzgerste gebrannt und bei 40 % vol. ohne Altersangabe abgefüllt. Die Bezeichnung ist uneinheitlich – auf dem Etikett steht „with a Peaty Tang“, Händler führen die Flasche als „Peaty Tang“, „Single Peated Malt“ oder schlicht „Tomintoul Peated“. Gemeint ist immer dieselbe 0,7-Liter-Flasche, nicht zu verwechseln mit der deutlich teureren 15-jährigen Variante derselben Linie.
Geschichte: Ein Dorf in den Highlands, eine Brennerei an der Speyside
Das Dorf Tomintoul liegt am Rand der Cairngorms und zählt zu den höchstgelegenen Siedlungen Schottlands. Die Brennerei steht dagegen nicht im Ort, sondern weiter nördlich bei Ballindalloch in der Grafschaft Moray; je nach Quelle wird die Lage auch mit Kirkmichael oder dem Tal des Livet umschrieben. Der Name erzeugt deshalb gelegentlich den Eindruck eines Highland-Malts. Whiskykundige Verzeichnisse wie die Datenbank von ScotchWhisky.com führen die Destillerie jedoch eindeutig unter der Speyside, und auf manchen Etiketten steht zusätzlich „Speyside Glenlivet“.
Gegründet wurde sie Mitte der 1960er-Jahre (je nach Quelle 1964 oder 1965) von den Glasgower Whiskyhändlern Hay & Macleod und W. & S. Strong. Nach mehreren Eigentümerwechseln gehört sie seit dem Jahr 2000 Angus Dundee Distillers. Unter dieser Regie entstand die Peaty-Tang-Linie, die dem Sortiment Ende 2007 einen Gegenpol zu den milden Standardabfüllungen hinzufügte.
Der Tomintoul With A Peaty Tang im Speziellen
Der Malt gehört zum Kern des Sortiments, trägt aber keine Altersangabe; eine Einordnung dazu bietet unser Wissensartikel zu NAS-Whisky. Über die Fässer macht der Hersteller kaum Angaben. Verkoster vermuten gebrauchte Ex-Bourbon-Fässer, belegt ist das nicht. Datenbanken und Händler führen ihn als kühlgefiltert und gefärbt, was bei einem 40-Prozent-Malt dieser Preisklasse nicht ungewöhnlich ist, aber ehrlich erwähnt werden sollte.
Im Vergleich zum Tomintoul 12 Jahre mit seinem Sherry-Finish steht hier nicht die Süße im Vordergrund, sondern die Torfnote. Beide Flaschen verbindet nur das weiche Spirit-Fundament, alles andere trennt sie: Rauch statt Rosinen, Heu statt Karamell, Pfeffer statt Sherrywürze.
Herstellung: Wie viel Torf verträgt die Speyside?
Der interessante Punkt ist das Malz. Nach Herstellerangaben wird für Peaty Tang torfgetrocknete Gerste verwendet, was für die Region eher die Ausnahme ist. Die Wikipedia-Beschreibung der Destillerie spricht von einem Vatting aus getorftem und ungetorftem Malz; ob das für die aktuelle Flasche zutrifft, lässt sich anhand offizieller Quellen nicht abschließend prüfen. Ein offizieller Phenol-Wert wird nicht genannt. Die schwer getorfte Schwesterlinie „Old Ballantruan“ wird bei ScotchWhisky.com mit rund 55 ppm angegeben; der Peaty Tang schmeckt jedenfalls deutlich weniger intensiv. Wer die Zahlen einordnen möchte, findet im Beitrag zu Phenol-ppm die nötige Grundlage – auch den Hinweis, dass ppm im Malz nicht eins zu eins dem Rauch im Glas entspricht.
Dahinter steckt dieselbe Anlage wie bei den ungetorften Abfüllungen: ein Maischebottich, sechs Gärbottiche aus Edelstahl und vier Brennblasen mit Kugelaufsatz (zwei Wash Stills, zwei Spirit Stills). Der mitgebrachte Torfcharakter bleibt demnach ein Ergebnis der Gerste, nicht der Brennblasen. Entsprechend schmeckt der Peaty Tang nicht wie ein Islay-Malt, sondern wie ein getorfter Speysider: Der Rauch sitzt auf einem leichten, getreidigen Körper, nicht auf Teer und Jod.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Goldgelb bis helles Bernstein, laut Datenbanken mit Farbstoffzusatz.
- Nase: Heiderauch, feuchtes Gras und Heu, dazu dunkler Torf, ein Hauch Kiefernharz und dezente Blumigkeit; die Süße bleibt im Hintergrund.
- Gaumen: Leicht bis mittelschwer, mit Torfrauch, schwarzem Pfeffer, Asche, gerösteten Nüssen und Malz; einzelne Verkoster nehmen zusätzlich Zitrone oder Gemüsenoten wahr.
- Abgang: Rauchig und pfeffrig, je nach Verkoster kurz bis mittellang, mit einem letzten Anflug von Malzsüße.
Genuss-Empfehlung
Der Peaty Tang zeigt sich pur bei Zimmertemperatur am besten, in einem tulpenförmigen Glas, das den Rauch bündelt (siehe unseren Ratgeber zum passenden Glas). Ein paar Tropfen stilles Wasser holen die florale Seite hervor; mit Eis wird er flacher, taugt aber als Highball mit Sodawasser und Zitronenzeste überraschend gut. Am Tisch passt er zu geräuchertem Lachs, kräftigem Hartkäse oder Entenbrust mit Wacholder, deren Würze den Rauch aufnimmt, statt ihn zu überdecken.
Einordnung & Alternativen
- Benromach 10 Jahre – ebenfalls ein Speysider mit Rauchanteil, aber runder, komplexer und stärker von Sherry- und Bourbonfässern geprägt.
- Laphroaig 10 Jahre – der Islay-Maßstab mit medizinischem, maritimem Torf; deutlich kräftiger und weniger zugänglich als der Tomintoul.
- Speyside vs. Islay – Hintergrundartikel, der erklärt, warum ein rauchiger Speysider wie dieser stilistisch zwischen den Welten liegt.
Fazit
Der Tomintoul With A Peaty Tang ist kein großer Wurf, aber ein ehrlicher, gut trinkbarer Einstieg in getorften Whisky für alle, denen Islay noch zu viel ist. Er überzeugt durch seine Eigenständigkeit innerhalb der Speyside, bleibt aber im Abgang und in der Tiefe hinter teureren Rauchmalts zurück; Kühlfilterung und Farbstoff sprechen ebenfalls gegen eine höhere Wertung. Daher 3.8: ein solider Rauchmalt mit klarem Profil, empfehlenswert für Neugierige, weniger für Torf-Veteranen.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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