Balblair 15 Jahre – vom Jahrgang zur Altersangabe
Die Brennerei Balblair in Edderton, oberhalb des Dornoch Firth, war lange für ihre Jahrgangsabfüllungen bekannt, bei denen das Destillationsjahr statt einer Altersangabe auf dem Etikett stand. Das änderte sich im April 2019: Seitdem gibt es ein Kernsortiment mit Altersangaben. Der Balblair 15 Jahre gehört dazu. Er reift zunächst in Ex-Bourbon-Fässern und bekommt anschließend ein Finish in First-Fill-Fässern aus spanischer Eiche. Abgefüllt wird er mit 46 % vol. Das Ergebnis ist ein deutlich würzigerer, dunklerer Malt als der Zwölfjährige.
Geschichte: Eine der ältesten Highland-Brennereien
Balblair wurde 1790 von John Ross gegründet, die Familie Ross führte den Betrieb bis 1894. Dann übernahm Alexander Cowan die Pacht und ließ die Anlage von Charles C. Doig näher an der Bahnstation Edderton neu errichten; die Wasserquelle, der Allt Dearg, blieb dieselbe. 1948 kaufte Robert Cumming die Brennerei, erweiterte die Produktion und verkaufte 1970 an Hiram Walker. Seit 1996 gehört sie zu Inver House Distillers, die wiederum 2006 Teil von International Beverage Holdings, der internationalen Tochter von ThaiBev, wurde. Ein erster Eintrag im Brennereiarchiv datiert vom 25. Januar 1800. Nach dem Film „The Angels' Share“ (2012) richtete die Brennerei in ihrem ehemaligen Malzgebäude ein Besucherzentrum mit Shop und regelmäßigen Führungen ein. Auf die Jahrgangsära folgt seit 2019 die Altersreihe, zu der neben dem 15-Jährigen auch die Zwölf-, Achtzehn- und weitere Abfüllungen zählen.
Der Balblair 15 im Speziellen
Den Einstieg in die Linie bildet der Balblair 12 Jahre, der nach der Beschreibung dort ausschließlich in amerikanischer Eiche reift. Der 15-Jährige geht einen Schritt weiter: Fachseiten wie whisky.com und Whisky Israel beschreiben ihn als Ex-Bourbon-Whisky mit einem Finish in First-Fill-Fässern aus spanischer Eiche. Dass es sich dabei um Sherryfässer handelt, sagen die Quellen nicht ausdrücklich, die Aromen deuten aber darauf hin. Nach diesen Seiten ist er nicht kühlgefiltert und in Naturfarbe abgefüllt; eine Bestätigung der Brennerei selbst konnten wir nicht einsehen. Was das bedeutet, steht unter Kühlfiltrierung und Naturfarbe.
Herstellung: Klein und traditionell
Balblair arbeitet mit nur zwei Brennblasen: einer Wash Still mit 20.000 Litern und einer Spirit Still mit 8.500 Litern. Die Kapazität liegt bei rund 1,8 Millionen Litern reinem Alkohol pro Jahr, tatsächlich produziert wird weniger, und das meiste geht in Blends. Gelagert wird laut whisky.com in traditionellen Dunnage-Lagerhäusern mit Lehmboden. Das Wasser liefert wie seit der Gründung der Allt Dearg, der über das Gelände der Brennerei fließt. Zur Wirkung der Fässer auf das Aroma siehe Fassreifung bei Whisky erklärt.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Tiefes Gold bis Bernstein.
- Nase: Gebackener Apfel, Honig, Zimt und Kardamom, dazu Sultaninen, Karamell und ein Hauch Orange.
- Gaumen: Süß-würzig mit Trockenfrüchten, Toffee, Schokolade und Holz. Ein Tester findet ihn schwerer und schokoladiger als den Zwölfjährigen, ein anderer nennt ihn überraschend alkoholwarm.
- Abgang: Lang und eher trocken, mit Eiche, Datteln und Orangenöl.
Genuss-Empfehlung
Am besten schmeckt der Balblair 15 pur im Nosing-Glas bei Zimmertemperatur, mit einem Tropfen Wasser, falls die 46 % zu warm wirken. Auf Eis geht viel von der Gewürz- und Trockenfruchtnuance verloren. Zu Essen passen Apfelkuchen mit Zimt, ein Stück dunkle Schokolade oder gereifter Cheddar. Auch ein Honigkuchen greift die Kardamom- und Honigtöne gut auf. Als ruhiger Digestif nach einem Wildgericht macht er ebenfalls Sinn, weil er genug Substanz mitbringt.
Einordnung & Alternativen
- Old Pulteney 15 Jahre Whisky – ebenfalls Highlands und 15 Jahre, aber maritimer und salziger, mit weniger Süße.
- Clynelish 14 Jahre Whisky – ein Nachbar in den Northern Highlands, wachsiger und öliger.
- Glenmorangie Cadboll Estate 15 Jahre Whisky – ebenfalls ein 15-Jähriger aus dem Norden der Highlands, aber laut unserem Porträt rein im Bourbonfass gereift und damit heller, mit Honigwabe, Mandel und Mandarine statt Gewürz und Schokolade.
Fazit
Der Balblair 15 Jahre ist ein schöner, warmer Highland-Malt, der zeigt, wie viel das Spanische-Eiche-Finish aus einem hellen Destillat herausholen kann. Wir vergeben 4.3 von 5 Punkten. Abzüge gibt es für die dünne offizielle Quellenlage zu den Fässern und dafür, dass einzelne Tester ihn als etwas alkoholbetont empfinden. Für alle, die den Zwölfjährigen mögen und mehr Süße, Schokolade und Tiefe suchen, ist er ein folgerichtiger Schritt. Wer eine helle, frische Zitrusnote bevorzugt, bleibt besser beim 12-Jährigen. Wer sich zuerst orientieren möchte, welche Rolle die Northern Highlands im Vergleich zu Speyside und Inseln spielen, findet das im Überblick über die Regionen.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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