Scotch Whisky

Old Pulteney 15 Jahre Whisky

4,5/5 Redaktionsbewertung
46 % vol.MittelklasseEx-Bourbon-Fässer, Finish in Oloroso-Sherry-Fässern (spanische Eiche)Wick, Caithness, Highlands, Schottland
Scotch WhiskySingle MaltWhisky
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Old Pulteney 15 Jahre – Der würzige Küstenmalt aus Wick

Der Old Pulteney 15 Jahre stammt aus Wick, einer Hafenstadt im Nordosten der schottischen Highlands, und gehört zu den Abfüllungen, an denen sich der Hausstil der Destillerie gut ablesen lässt: ein ungetorfter Malt mit Honigsüße, Gewürzen und einer leicht salzigen Note. Gereift wird er in Ex-Bourbon-Fässern, ergänzt durch ein Finish in Oloroso-Sherryfässern aus spanischer Eiche. Mit 46 % vol. und ohne Kühlfiltrierung ist er kräftiger abgefüllt als der Einstieg im Sortiment, der 12-Jährige mit 40 %.

Geschichte: Heringe, Hafen und eine Destillerie

Gegründet wurde die Destillerie 1826 von James Henderson in Pulteneytown, einem Stadtteil von Wick, der für die Heringsfischerei geplant worden war und nach Sir William Pulteney benannt ist; als Planer der Siedlung wird Thomas Telford genannt. Henderson wollte den Fischern der Stadt eine verlässliche Whiskyquelle bieten – auf dem Höhepunkt des Heringsbooms lagen mehr als tausend Boote im Hafen. Zu den nördlichsten Brennereien des schottischen Festlands zählt Pulteney bis heute.

Bewegt war das 20. Jahrhundert: 1930 wurde die Produktion nach einem Markteinbruch und einem lokalen Alkoholverbot eingestellt, 1951 nahm der Betrieb unter dem Lokalunternehmer Robert „Bertie“ Cumming wieder auf. Spätere Eigentümer waren unter anderem Hiram Walker und Allied; 1995 kaufte Inver House Distillers die Brennerei, die damals dringend renovierungsbedürftig gewesen sein soll. Seit 2006 gehört Inver House zu International Beverage Holdings, dem internationalen Arm der thailändischen Thai Beverage. Mehr zur Brennerei steht im Porträt Old Pulteney Distillery – Highlands.

Der Old Pulteney 15 Jahre im Speziellen

Der 15-Jährige kam 2018 im Zuge einer Neuordnung des Kernsortiments auf den Markt, zunächst nur in Großbritannien, ab Januar 2019 auch international. Er löste den 17-Jährigen ab, den viele Fans schätzten. Gereift wird er in Bourbonfässern, die Beschreibungen der Tester sprechen von First- und Second-Fill-Fässern, gefolgt von einem Finish in Oloroso-Sherry-Butts. Laut gängigen Produktbeschreibungen wird er nicht kühlgefiltert.

Der Malt sammelte Auszeichnungen ein; so gab es 2019 Goldmedaillen beim International Spirits Challenge und bei den Whisky Masters. Im Kernsortiment steht er zwischen dem 12-Jährigen und dem 18-Jährigen und bringt gegenüber dem reinen Bourbon-Stil des 12-Jährigen eine Sherry-Komponente ins Spiel. Unabhängige Tester vergeben etwa 86 bis 89 von 100 Punkten. Preislich liegt er in der gehobenen Mittelklasse.

Herstellung: Gedrungene Brennblasen und ein ungetorfter Spirit

Das Destillat entsteht aus ungetorftem Malz (unter 1 ppm Phenole im Neuspirit), das in einem Maischebottich vom Typ Semi-Lauter angesetzt wird. Die gesamte Anlage besteht aus nur zwei Brennblasen; die Jahreskapazität liegt nach Whiskypedia bei rund 1,8 Millionen Litern reinen Alkohols, was für schottische Verhältnisse überschaubar ist. Entsprechend prägt die Form der Blasen das Ergebnis stark. Die Wash Still fasst rund 21.000 Liter und hat einen ungewöhnlich abgeschnittenen Hals, der der Überlieferung nach gekappt wurde, weil eine Ersatzblase nicht ins Brennhaus passte; diese Form ist seit den 1920er-Jahren erhalten. Beide Brennblasen haben eine große Ausbuchtung unterhalb des Halses (Boil Ball), die Spirit Still mit rund 17.000 Litern besitzt zudem einen Purifier und einen markant U-förmigen Lyne Arm. Die Destillerie führt den öligen, gehaltvollen Charakter ihres Spirits auf diese Formen zurück.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Goldton; eine verbindliche Herstellerangabe zur Farbe liegt uns nicht vor.
  • Nase: Anfangs frisch mit Vanille, gelbem Apfel, Gerste und Heidehonig; später Trockenfrüchte, Schokolade und Nüsse aus dem Sherry-Einfluss, dazu eine feine Meeresbrise.
  • Gaumen: Weihnachtskuchen, Gewürze wie Pfeffer, Ingwer und Zimt, dunkle Schokolade und Toffee, dazu grüner Apfel und eine Spur Meersalz.
  • Abgang: Mittellang und würzig, mit gesalzener Schokolade, etwas Lakritz und einem Hauch Tee.

Genuss-Empfehlung

Am besten pur aus einem Glencairn-Glas bei Zimmertemperatur. Wenige Tropfen Wasser öffnen die Fruchtnoten, ohne die Würze zu verlieren. Zu Eis raten wir nicht, da Kälte die Salzigkeit und die Schokoladennoten dämpft. Wer das Glas anwärmt, etwa mit der Hand, bringt die Gewürznoten stärker hervor. Kulinarisch passen Meeresfrüchte wie gebratene Jakobsmuscheln, Räucherfisch, gereifter Cheddar oder dunkle Schokolade. Die leichte Salzigkeit des Whiskys und die Süße aus dem Sherry-Fass ergänzen sich mit diesen Begleitern gut. Als Digestif nach einem Fischgericht ist er besonders stimmig.

Fazit

Der Old Pulteney 15 Jahre ist unter den Kernabfüllungen die ausgewogenste Wahl: dichter und würziger als der Old Pulteney 12 Jahre, mit mehr Sherry-Süße und doch ohne Rauch. Wer den 12-Jährigen mag, bekommt hier mehr Tiefe und eine höhere Abfüllstärke; wer es noch reifer mag, kann zum Old Pulteney 18 Jahre greifen. Ein Torfmonster ist er nicht, aber das will er auch nicht sein. Für Freunde maritimer, sherrygeprägter Malts ist er eine sehr gute Wahl.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße3/5
Rauch/Torf1/5
Fruchtigkeit3/5
Würze/Eiche3/5

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