In Bardstown, Kentucky, liegt die Barton 1792 Distillery, eine der ältesten noch aktiven Brennereien der Stadt. Sie trug im Lauf der Zeit mehrere Namen, darunter Mattingly & Moore, Tom Moore und Barton, und wechselte mehrfach den Eigentümer: von Tom Moore über Barton Brands und Constellation zu Sazerac, dem sie seit 2009 gehört. Bekannt ist der Betrieb heute vor allem für den 1792 Bourbon, einen roggenbetonten Bourbon, der Anfang der 2000er-Jahre als Premiummarke entstand. Daneben füllt das Haus günstige Regionalmarken wie Very Old Barton und Kentucky Tavern ab.
Überblick
- Name: Barton 1792 Distillery (historisch Mattingly & Moore, Tom Moore Distillery, Barton Distillery)
- Ort: Bardstown, Nelson County, Kentucky, USA
- Gegründet: 1879 (nach den meisten Quellen); eine Quelle nennt bereits 1874 für Vorläufer am Morton's Spring
- Region: Kentucky
- Besitzer: Sazerac Company (seit 2009), die auch die Buffalo Trace Distillery betreibt
- Typ: Kentucky Straight Bourbon; Stil: roggenbetont („High Rye“ nach Herstellerangaben), Mashbill nicht offiziell veröffentlicht
Historische Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1879 | Ben Mattingly und Tom Moore gründen die Mattingly & Moore Distillery in Bardstown (je nach Quelle 1874 für Vorläufer am Standort) |
| 1944 | Der Chicagoer Spirituosenhändler Oscar Getz kauft die Tom Moore Distillery und benennt sie in Barton Distillery um |
| 1993 | Canandaigua Wine Company, später Constellation Brands, übernimmt Barton Brands |
| 2002 | Constellation bringt die Marke 1792 Ridgemont Reserve auf den Markt (zunächst unter dem Namen Ridgewood Reserve 1792) |
| 2009 | Die Sazerac Company kauft Brennerei und Marken von Constellation |
| 2013 | Der 1792 Small Batch verliert im Dezember seine bisherige Altersangabe von acht Jahren |
| 2018 | Ein Rickhaus stürzt am 22. Juni teilweise und am 4. Juli vollständig ein; es wird niemand verletzt |
| 2022 | Die öffentlichen Brennereiführungen enden Ende Juni |
Besonderheiten bei der Herstellung
Wasser und Standort
Der Standort liegt nahe dem Morton's Spring, der nach Fachquellen schon im 19. Jahrhundert Wasser für Brennereien in Bardstown lieferte. Welche Wasserquelle heute genutzt wird, nennt der Betrieb nicht ausdrücklich. Das Gelände umfasst nach Besucherberichten rund 196 Acres mit etwa 29 Reifelagern; Quellen sprechen auch von 51 Gebäuden, die meisten davon Rickhäuser. Zuletzt kamen drei neue Lagerhäuser hinzu, die ersten seit den 1960er-Jahren.
Roggenbetont, aber ohne Zahlen
Barton veröffentlicht keinen Mashbill. Der 1792 wird vom Hersteller als High-Rye-Bourbon bezeichnet, Prozentwerte kursieren nur als Schätzungen in Fachkreisen und sollten nicht als gesichert gelten. Roggen bringt Pfeffer, Kräuter und Zimt und gleicht die Süße des Mais aus, was zum Charakter der Marke passt. Gesetzlich muss ein Bourbon mindestens 51 % Mais enthalten, die weiteren Getreide sind frei wählbar.
Viele Marken, ein Betrieb
Neben der Reihe 1792 (Small Batch, Full Proof, Bottled in Bond, Sweet Wheat, Single Barrel, Port Finish und ein zwölfjähriger Bourbon) entstehen am Standort Very Old Barton, Kentucky Tavern, Colonel Lee und Kentucky Gentleman. Sazerac betreibt beide Brennereien, Barton und Buffalo Trace, nach Medienberichten unabhängig voneinander.
Produkte & Charakter
| Produkt | Alkoholvolumen | Charakteristik |
|---|---|---|
| 1792 Small Batch | 46,85 % | Die Kernabfüllung: Karamell, Kirsche und Lakritz mit deutlicher Roggenwürze |
| 1792 Bottled in Bond | 50 % (gesetzlich 100 Proof) | Mindestens vier Jahre, ein Brennjahr, eine Brennerei; kräftiger und würziger |
| 1792 Full Proof | Fassstärke, je Charge | Unverdünnt abgefüllte, roggenbetonte Variante |
| 1792 Sweet Wheat | laut Etikett | Weizen statt Roggen als Würzkorn, weicher |
| 1792 Aged Twelve Years | laut Etikett | Zwölfjährige Abfüllung der 1792-Reihe |
Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: 1792 Small Batch Bourbon.
Stil & Wiedererkennungswert
Der 1792 steht für einen würzigen, kirschigen Bourbon, der sich von den weichen Weizen-Bourbons und den maislastigen Standardabfüllungen abhebt. Die Marke wirkt wie ein Gegenstück zu den Buffalo-Trace-Marken desselben Eigentümers, denn dort dominiert die Süße. Der Name erinnert an das Jahr 1792, in dem Kentucky Bundesstaat wurde, und gibt dem Produkt einen historischen Anstrich, der nichts über das Alter der Brennerei aussagt.
Bemerkenswert ist die Bandbreite des Hauses: Hinter dem Premium-Namen steht ein Betrieb, der in großen Mengen preiswerte Bourbons für den Massenmarkt füllt. Die Geschichte der Eigentümer spiegelt das: Aus der Tom-Moore-Brennerei wurde unter Getz ein Markenhaus mit Dutzenden Etiketten, danach ein Teil von Constellation und schließlich von Sazerac. Der Eigentümerwechsel 2009 hat die Marke 1792 nicht beendet, sondern ausgebaut. Wer das Haus mit seiner Schwestermarke vergleichen will, liest Buffalo Trace Distillery.
Fazit
Barton 1792 ist ein solider Roggen-Bourbon aus einer geschichtsreichen Brennerei, die ihre Rezeptur nicht preisgibt. Wer einen würzigen Cocktail-Bourbon sucht, ist mit dem 1792 Small Batch gut bedient; er ist als Einstiegsabfüllung der Reihe gedacht. Besichtigen lässt sich der Betrieb nach dem Ende der Führungen 2022 nicht mehr (Stand der Quellen). Für Genießer, die mehr Tiefe suchen, lohnt der Griff zu Bottled in Bond oder Full Proof.
Produktempfehlung
1792 Small Batch Bourbon

Bourbon: Die gesetzlichen Regeln und die größten Mythen
Mais, neue Fässer, keine Zusätze: Die Bundesregeln sind kurz, die Mythen drumherum lang – von Kentucky-Pflicht bis Mindestreife.

Straight, Bottled-in-Bond und Altersangaben: Was amerikanische Etiketten verraten
Zwei Jahre, vier Jahre, 100 Proof: Welche Begriffe auf amerikanischen Flaschen wirklich Regeln bedeuten und welche nur gut klingen.

Rye Whiskey: Geschichte, Gesetz und das große Comeback
Einst Amerikas Whiskey Nummer eins, dann fast verschwunden: Wie Roggen über Cocktailbars zurück in die Regale fand.