1792 Small Batch Bourbon – Roggenwürze aus Bardstown
Der 1792 Small Batch wird von der Barton 1792 Distillery in Bardstown, Kentucky, gebrannt und abgefüllt. Sein Name erinnert an das Jahr, in dem Kentucky ein Bundesstaat der USA wurde. Der Bourbon folgt einem roggenbetonten Rezept, das der Hersteller selbst als „High Rye“ bezeichnet, und kommt mit einer ungewöhnlichen Abfüllstärke von 46,85 % vol. in die Flasche. Er bildet die Standardabfüllung der Marke, über der mehrere Sonderabfüllungen angesiedelt sind.
Geschichte: Ein Rechtsstreit und mehrere Namen
Die Marke kam 2002 auf den Markt, zunächst unter dem Namen „Ridgewood Reserve 1792“. Der Ähnlichkeit mit Woodford Reserve wegen klagte 2004 Brown-Forman, und ein Bundesgericht gab dem Konzern recht. Barton benannte das Produkt daraufhin in „1792 Ridgemont Reserve“ um, später blieb nur noch „1792“. Die Brennerei Barton in Bardstown gehört seit 2009 zur Sazerac Company, die auch die Buffalo Trace Distillery betreibt (siehe Buffalo Trace Distillery – Kentucky). Das Sortiment der Marke ist inzwischen breit; heute gibt es neben dem Small Batch unter anderem eine Bottled-in-Bond-Abfüllung, eine Single-Barrel-Variante sowie die Editionen „Full Proof“ und „Port Finish“.
Der 1792 Small Batch Bourbon im Speziellen
Mit 46,85 % vol. (93,7 Proof) liegt der Bourbon etwas über dem üblichen Standard von 40 bis 45 %. Früher trug die Flasche eine Altersangabe von acht Jahren; im Dezember 2013 wurde sie entfernt, seitdem steht „Small Batch“ auf dem Etikett. Wie lange der Whiskey heute reift, nennt der Hersteller nicht; Kenner schätzen mehrere Jahre, und manche Händlerseiten führen noch die alte Achtjahres-Angabe, die nicht mehr aktuell ist. Zum Mashbill spricht die Brennerei nur von „High Rye“. In der Szene kursieren Zahlen von etwa 74 % Mais, 18 % Roggen und 8 % gemälzter Gerste, doch eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht. In seiner Klasse konkurriert er mit Knob Creek und Woodford Reserve.
Herstellung: Was „High Rye“ und „Small Batch“ bedeuten
Roggen wirkt im Bourbon als Würzkorn: Er bringt Pfeffer, Kräuter und Zimt, die der Süße des Mais entgegenstehen. Je höher der Roggenanteil, desto trockener und pikanter wird das Ergebnis, und genau das prägt den 1792. Der Hersteller beschreibt eine Mischung aus unverkennbarer Würze und süßem Karamell sowie Vanille. Gereift wird in neuen, ausgebrannten Eichenfässern, wie es für Bourbon vorgeschrieben ist. „Small Batch“ bedeutet, dass ausgewählte Fässer vermählt werden; eine feste Fasszahl ist damit nicht verbunden. Im Fall der Marke wählt der Master Distiller die Fässer aus. Diese Auswahl entscheidet darüber, wie viel Kirsche und Karamell neben der Würze stehen bleibt, denn Fässer aus unterschiedlichen Lagerhausebenen reifen verschieden schnell. Der Anspruch der Marke ist ein Bourbon, der kräftig und trotzdem harmonisch wirkt.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Dunkles Bernstein bis Kastanie.
- Nase: Karamell, Kirsche und Lakritz vorneweg, dazu Vanille, geröstete Eiche, Zimt, Orange und etwas Kräuterhonig.
- Gaumen: Honig, Vanille und Lakritz, begleitet von dunkler Kirsche; mit jedem Schluck treten Roggenwürze, Eiche und eine leichte Röstnote stärker hervor.
- Abgang: Mittellang mit Honig, Lakritz und Eiche, am Ende Kümmel- und Pfefferspuren; er klingt vergleichsweise schnell aus.
Genuss-Empfehlung
Pur im Tumbler wirkt er am ehrlichsten, mit einem Eiswürfel nimmt die Würze etwas ab, die Süße tritt hervor. Seine Stärke liegt im Mixglas: Im Old Fashioned sorgt der Roggenanteil für Biss, im Manhattan und im Whiskey Sour hält er auch gegen Vermouth oder Zitrone stand. Als Highball mit Ginger Beer wird er zum unkomplizierten Longdrink. Wer Einsteigern den Roggenstil zeigen will, kann ihn nebeneinander mit einem weicheren Weizen-Bourbon probieren; der Kontrast wird dann sofort deutlich. Dazu passen Burger, gegrillte Würste oder Rippchen mit würziger Rub, ebenso kräftiger Cheddar oder Pekannuss-Gebäck, das die Kirsch- und Karamellnoten aufgreift.
Einordnung & Alternativen
- Elijah Craig Small Batch Bourbon – Mehrere Verkoster nennen ihn als bessere Wahl in ähnlicher Preislage: vollmundiger, süßer, mit mehr Tiefe im Abgang.
- Knob Creek Kentucky Straight Bourbon – direkter Konkurrent der Klasse, kräftiger und eichenlastiger bei etwas höherem Alkoholgehalt.
- Buffalo Trace Kentucky Straight Bourbon – aus dem Haus Sazerac, weicher und runder, weniger Roggenwürze, dafür sehr ausgewogen.
Fazit
Der 1792 Small Batch ist ein ordentlicher, würziger Bourbon, der besonders in Cocktails Freude macht. Pur zeigt er mehr in der Nase als am Gaumen, und der Abgang ist kürzer, als man es bei der Abfüllstärke erwarten würde. Wer die Roggenwürze mag und einen robusten Mixer-Bourbon sucht, liegt richtig. Wer ein Geschmackserlebnis mit viel Tiefe möchte, findet Stärkeres in dieser Klasse; wegen dieser Einordnung bekommt er 3,8 Punkte, solide, aber nicht herausragend. Wie immer gilt: Whiskey genießt man bewusst und in Maßen. Lesenswert zum Hintergrund ist auch der Beitrag NAS-Whisky ohne Altersangabe, denn der 1792 zeigt, wie sich eine Altersangabe über die Jahre ändern kann.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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