Herstellung des Cardenal Mendoza Nebulis:
Hinter dem Nebulis steht dieselbe Bodega wie beim Klassiker: Sánchez Romate in Jerez de la Frontera, nach eigenen Angaben 1781 gegründet und bis heute in Familienhand. Die Hausgeschichte und die Einordnung der Marke erzählen wir im Beitrag zum Cardenal Mendoza Clásico; hier geht es um die Sonderabfüllung, die auf dem Clásico aufbaut.
Als Basis dient der Solera Gran Reserva des Hauses. Der Brand stammt aus Airén-Wein und reift im Criaderas-und-Soleras-System in amerikanischer Eiche, in 500-Liter-Fässern, die zuvor Pedro-Ximénez- und alten Oloroso-Sherry enthielten. Beim Abziehen aus der Solera liegt das Durchschnittsalter nach Herstellerangabe bei etwa 15 Jahren. Neu ist die zusätzliche Stufe: Der Brandy ruht anschließend für einige Monate in kleineren 250-Liter-Eichenfässern, die über Rebholz aus den eigenen Weinbergen angeräuchert beziehungsweise getoastet wurden. Eine Presseinformation spricht von einem „Rare Cask Finish“. Den Namen leitet das Haus aus dem Lateinischen ab: „Nebulis“ steht für Wolken, ein Verweis auf den Rauch, der beim Behandeln der Fässer aufsteigt. Die Abfüllung ist limitiert; eine Stückzahl nennen die Quellen nicht. Die Flasche kommt mit 40 % vol. und ohne Kühlfiltration.
Verkostung des Cardenal Mendoza Nebulis:
Im Glas zeigt der Brandy das dunkle Bernstein-Mahagoni, das man vom Clásico kennt; eine eigene Farbbeschreibung liefern die Quellen nicht. In der Nase tritt der Rauch zunächst zurückhaltend auf und gewinnt mit der Zeit im Glas an Kraft, es duftet nach Holzfeuer, Rebschnitt und frischem Tabak. Darunter ist die Sherry-Basis zu erwarten, also dunkles Trockenobst wie Rosine und Pflaume und etwas Nuss. Am Gaumen beschreiben die Hersteller eine würzige, ausbalancierte Komposition: frischer Tabak und eine feine Rauchnote vom Rebholz, die sich über die bekannte Süße des Clásico legt. Der Körper bleibt, wie beim Basis-Brandy, voll und weich. Der Abgang ist warm und würzig, der Rauch klingt nach und lässt das Holz trocken wirken. Als Sonderabfüllung ist der Nebulis noch wenig besprochen, deshalb stützen sich diese Eindrücke auf Herstellerangaben und die Eigenschaften der Basis; einzelne Tester können Süße und Rauch anders gewichten. Der Alkoholgehalt liegt bei 40 % vol.
Steckbrief Cardenal Mendoza Nebulis:
Alkoholgehalt: 40 % vol.
Klassifikation: Brandy de Jerez, Basis Solera Gran Reserva (die Herkunftsstelle führt die Abfüllung als Solera Reserva)
Fassreifung: Solera in Oloroso- und PX-Fässern (Ø ca. 15 Jahre), Finish in 250-Liter-Fässern, ausgeräuchert mit Rebholz
Hersteller: Bodegas Sánchez Romate Hermanos, Jerez de la Frontera, Spanien
Herstellung im Detail: Das Rauch-Finish und die Frage der Klasse
Das Rauch-Finish ist die Besonderheit dieser Abfüllung: Die übrigen Brandys der Bodega werden nach den vorliegenden Angaben allein in Oloroso- und Pedro-Ximénez-Fässern gereift. Der Rauch wirkt dabei wie eine zweite Würzschicht über dem sherryfassgeprägten Grundcharakter, ohne dass der Brand erneut lange im Holz liegt: Es sind nur einige Monate. Wer den Stil in die Welt der Brandys einordnen möchte, findet im Beitrag Brandy-Arten im Überblick die Vergleichsgrößen.
Bei der Klassifikation weichen die Quellen voneinander ab. Der Brandy de Jerez kennt drei Stufen: Solera (mindestens sechs Monate Durchschnittsalter), Solera Reserva (mindestens ein Jahr) und Solera Gran Reserva (mindestens drei Jahre). Händler führen den Nebulis meist als Gran Reserva, weil sein Basisbrand es ist, während die Seite der Herkunftsstelle ihn unter Solera Reserva auflistet. Wir nennen deshalb beides. Verlässlich ist vor allem die Angabe zum Basis-Brandy, der mit durchschnittlich etwa 15 Jahren weit über den Mindestwerten liegt.
Genuss-Empfehlung
Der Nebulis zeigt sich am besten pur im Tulpenglas bei Zimmertemperatur. Nach dem Einschenken lohnt es sich, ein paar Minuten zu warten: Der Rauch ist anfangs leise und wird erst allmählich deutlicher. Ein kleiner Schuss Wasser öffnet die Würze, ein einzelner großer Eiswürfel macht den Brandy kühler und stellt den Tabakton in den Vordergrund, nimmt aber etwas von der Fülle. Für Cocktails ist er nur bedingt geeignet, da der Rauch gegen Zitrus und Zucker anarbeitet; als Basis für einen Old Fashioned mit Zuckersirup, Orangenbitter und Angostura kann er funktionieren.
Als Begleiter bieten sich Dinge an, die Rauch und Süße aufnehmen: dunkle Schokolade, geröstete Mandeln, Walnüsse, ein reifer Manchego oder luftgetrockneter Schinken als Gegenpol zur Süße. Wer den Tabakton betonen möchte, kombiniert ihn mit einem Espresso. Als Alternative mit ähnlicher Wucht, aber ohne Rauchakzent, bietet sich der Carlos I Solera Gran Reserva an.
Einordnung & Alternativen
- Cardenal Mendoza Clásico – die Basis des Nebulis: dieselbe Solera, aber ohne Rauch-Finish und damit fruchtiger.
- Carlos I Solera Gran Reserva – ein weiterer Brandy de Jerez aus Oloroso- und Amontillado-Fässern, kakaoartiger und weniger würzig.
- Torres 10 Gran Reserva – katalanischer Solera-Brandy, leichter, ohne Sherry- oder Rauchprägung.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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