Herstellung des Cardenal Mendoza Clásico:
Hinter dem Brandy steht die Bodega Sánchez Romate in Jerez de la Frontera, gegründet 1781 von Juan Sánchez Latorre und bis heute in Familienhand. Das Haus ist eigentlich eine Sherry-Bodega, der Brandy aber ist inzwischen sein wichtigstes Standbein. Cardenal Mendoza gibt es nach Hausangaben seit 1887, zunächst für den privaten Gebrauch der Familie, später im Verkauf. Der Name bezieht sich laut einem Sherry-Fachportal auf Pedro González de Mendoza, einen Kardinal und Staatsmann des 15. Jahrhunderts; die Bodega selbst erklärt die Namensherkunft auf ihrer Seite nicht.
Die Bodega liegt mitten in Jerez im Viertel Santiago. Darüber stehen im Sortiment der Carta Real, der auf Fässer zurückgeht, die 1981 zum 200-jährigen Firmenjubiläum zurückgelegt wurden, sowie der Non Plus Ultra. Der Clásico ist die Basisabfüllung der Solera-Gran-Reserva-Reihe. Der Grundwein stammt nach mehreren Angaben aus Airén-Trauben der Region La Mancha, die Brände entstehen in Kupferbrennblasen, den traditionellen Alquitaras. Ein Händler gibt an, dass der Brand zunächst zwei Jahre in 250-Liter-Fässern aus amerikanischer Eiche liegt und anschließend in 500-Liter-Fässer wandert, in denen zuvor Pedro-Ximénez- und alter Oloroso-Sherry reifte. Dort durchläuft er das Solera-System mit den Stufen "criaderas y soleras". Das Haus nennt ein Durchschnittsalter von etwa 15 Jahren, und weil in der Solera immer Alt und Jung vermischt wird, lässt sich das genaue Alter nicht bestimmen. Abgefüllt wird mit 40 % vol.
Verkostung des Cardenal Mendoza Clásico:
Im Glas leuchtet der Brandy in dunklem Mahagoni mit Kupferreflexen. Die Nase ist süß, dicht und sherryartig: Rosinen, Pflaumenmus und Dattel stehen vorn, dazu kommen Bitterorangenschale, Anis, Zimtgebäck und etwas Mokka. Einzelne Tester beschreiben sie als leicht muffig-kellerig, was zum Fasscharakter gehört. Am Gaumen setzt sich die Süße fort, üppig und rund: Rosine und Pflaume, eingekochte Feige, Vanille und dunkler Tee, in der Mitte bittere Orange, später Leder, Haselnuss und Walnuss. Der Körper ist schwer und samtig, bei 40 % bleibt er trinkbar. Der Abgang ist mittellang bis lang, warm und wird zum Schluss trockener, mit Nuss und Würze. Gegenüber dem Carta Real, der mehr Oloroso-Fassanteil enthält, ist der Clásico süßer und von Pedro Ximénez geprägter. Es gibt deutliche Unterschiede in der Bewertung: Ein Tester findet ihn wuchtig und etwas schwer und vergibt gute 3,5 von 5 Punkten, ein anderer sieht ihn bei 4 von 5.
Steckbrief Cardenal Mendoza Clásico:
Alkoholgehalt: 40 % vol.
Klassifikation: Brandy de Jerez, Solera Gran Reserva
Fassreifung: Solera in amerikanischer Eiche, ehemalige Oloroso- und Pedro-Ximénez-Fässer, Durchschnittsalter nach Herstellerangabe etwa 15 Jahre
Hersteller: Bodegas Sánchez Romate Hermanos, Jerez de la Frontera, Spanien
Herstellung im Detail: Was "Brandy de Jerez" bedeutet
Brandy de Jerez ist eine geschützte Herkunftsbezeichnung. Gereift werden muss er im "Sherry-Dreieck" aus Jerez de la Frontera, El Puerto de Santa María und Sanlúcar de Barrameda, und zwar in 500-Liter-Fässern aus amerikanischer Eiche, die zuvor Sherry enthielten, nach dem Criaderas-und-Soleras-Verfahren. Die Stufen heißen Solera, Solera Reserva und Solera Gran Reserva; für die höchste Stufe nennen die gängigen Quellen ein Mindest-Durchschnittsalter von nur drei Jahren, deutlich weniger als die rund 15, die Cardenal Mendoza angibt.
Eine Besonderheit des Spirituosentyps sind die Holandas: niedrig gebrannte Weindestillate aus Kupferbrennblasen, die einen hohen Anteil des fertigen Brandys ausmachen müssen und für Fruchtigkeit stehen. Die Fässer prägen den Stil sichtbar: Weil sie mit Oloroso und Pedro Ximénez getränkt sind, schmeckt der Clásico stärker nach Sherry als etwa der Torres 10 Gran Reserva, der in Katalonien gereift und fruchtiger ist. Der Unterschied zwischen Brandy de Jerez und Cognac liegt in der Verwendung der Fässer: Cognac setzt auf Limousin- und Tronçais-Eiche, ohne Sherry-Prägung. Mehr dazu im Beitrag Wie wird Cognac hergestellt?.
Genuss-Empfehlung
Der Hersteller empfiehlt den Clásico pur, auf Eis oder mit Softdrinks. Praktisch heißt das:
- Pur im Tulpenglas: Bei Zimmertemperatur öffnen sich Rosine, Feige und Orange; das passt als Digestif nach dem Essen.
- Auf großem Eiswürfel: Die Süße wird gedämpft, die Würze tritt hervor.
- Old Fashioned mit Brandy: Ein Rezensent mischt ihn mit etwas Zuckersirup, Orangenbitter und Angostura zu einer dunklen, wuchtigen Variante des Klassikers.
- Zu Schokolade, Kaffee oder Zigarre: Der Hersteller nennt diese Begleiter ausdrücklich.
- Mit Softdrinks: Der Hersteller nennt sie als Option; die Fassaromen treten dann allerdings in den Hintergrund.
Wer von Cognac kommt, sollte die Süße einplanen: Der Clásico ist ein Sherry-Fass-Brandy, kein trockener Weindestillat-Typ.
Einordnung & Alternativen
- Torres 10 Gran Reserva – katalanischer Solera-Brandy, leichter und fruchtiger, mit Honig und Mandel statt Pedro-Ximénez-Wucht.
- Vecchia Romagna Etichetta Nera – italienischer Brandy, leichter und milder, mit Birne und Gewürzen statt Sherryfass-Süße.
- Metaxa 12 Sterne – ebenfalls süß und dicht, aber mit Rose, Muskat und Kräutern statt Sherryfass.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
Ähnliche Cognac & Brandy-Verkostungen

Château de Laubade Bas-Armagnac VSOP
Rustikaler und würziger als Cognac — Pflaume, Feige und Backpflaume aus einfacher Kolonnendestillation, ungeglättet und erdig.
Courvoisier Napoleon
Fine-Champagne-Napoléon aus Jarnac mit getrockneten Aprikosen, Weihnachtskuchen, Sandelholz und Ingwer, reifer als der VSOP.

Courvoisier VS
Frisches Apfel-Birne-Aroma mit Blütenduft und leichter Eichenwürze — der zugängliche Einstieg ins Courvoisier-Sortiment.

Courvoisier VSOP
Reife Weintraube, Feige und Honig mit floraler Fine-Champagne-Eleganz — rund und harmonisch, wärmer als andere VSOPs.

Cognac-Klassifikation erklärt: VS, VSOP, XO & Co.
VS, VSOP und XO sind keine Marketingbegriffe, sondern gesetzlich fixierte Altersklassen – 2018 wurde die Latte bei XO deutlich höher gelegt.

Cognac richtig genießen: Glas, Temperatur und die Sache mit dem Eiswürfel
Das klassische Ballonglas gilt unter Experten längst nicht mehr als letztes Wort – gerade bei altem XO-Cognac hat ein schlankeres Glas die Nase vorn.

Die Geschichte des Cognacs: Von der Weinnot im 17. Jahrhundert zum Weltprodukt
Aus einem sauren Landwein, der die lange Seereise nicht überstand, wurde über vier Jahrhunderte eine der bekanntesten Spirituosen der Welt.