Whisky

Clynelish Distillery – Highlands

WhiskyWhisky Brennereien

Clynelish liegt bei Brora an der Ostküste der nördlichen Highlands und gilt vielen Whiskyfreunden als Inbegriff des wachsigen Highland-Stils. Gegründet wurde die Brennerei 1819 vom Marquess of Stafford, dem späteren Duke of Sutherland. Die heutige Anlage entstand 1967/68 direkt gegenüber der ersten Brennerei, die ab 1969 als Brora ein eigenes, später legendäres Kapitel schrieb. Clynelish gehört heute zu Diageo und liefert nach verbreiteten Angaben den größten Teil seines Destillats an Blends, allen voran Johnnie Walker. Als Single Malt zeigt der Spirit ein ölig-zitrisches Profil, das lange vor allem unter Kennern kursierte.


Überblick

  • Name: Clynelish Distillery
  • Ort: Brora, Sutherland, Schottland
  • Gegründet: 1819 (heutige Brennerei: 1967/68)
  • Region: Highlands (Nord-Highlands, Ostküste)
  • Besitzer: Diageo (Vorgänger: Distillers Company Limited, später United Distillers)
  • Typ: Single Malt Scotch Whisky, nach Branchenangaben aus ungetorftem Malz

Historische Entwicklung

Jahr Ereignis
1819 Der Marquess of Stafford gründet die Brennerei bei Brora, um für die Gerste seiner Pächter einen Absatzmarkt zu schaffen
1846–1896 Die Familie Lawson betreibt die Brennerei; 1896 wird sie von James Ainslie und John Risk übernommen und umgebaut
1912–1925 Die Distillers Company Limited (DCL) steigt ein und kontrolliert die Brennerei spätestens ab 1925 vollständig
1967/68 Direkt gegenüber entsteht eine neue, größere Brennerei, die den Namen Clynelish übernimmt; die alte Anlage wird zunächst stillgelegt
1969 Die alte Brennerei nimmt als Brora den Betrieb wieder auf und brennt zeitweise stark getorften Whisky, um Engpässe bei Islay-Malz für Blends auszugleichen
1983 Brora wird stillgelegt; Clynelish läuft unverändert weiter
1986–1997 Guinness übernimmt die DCL (1986), daraus wird United Distillers (1987); 1997 entsteht aus Guinness und Grand Metropolitan Diageo
2021 Diageo nimmt die wiederhergerichtete Brora-Brennerei nach einem mehrjährigen Umbau wieder in Betrieb
Heute Clynelish ist eine aktive Diageo-Brennerei mit einem schmalen offiziellen Sortiment

Besonderheiten bei der Herstellung

Wasser, Malz und Gärung

Das Brauwasser stammt nach gängigen Angaben aus dem Clynemilton Burn. Verarbeitet wird ungetorftes Malz; vergoren wird in zehn Gärbottichen, nach Whiskypedia acht aus Holz und zwei aus Stahl, mit einer langen Gärzeit von mindestens rund 55 Stunden.

Sechs Brennblasen

Im neuen Brennhaus arbeiten drei Paare Brennblasen, also sechs insgesamt, mit Halskugel. Ungewöhnlich ist laut Whiskypedia, dass die Spirit Stills etwas größer sind als die Wash Stills. Die Kühlung erfolgt über moderne Röhrenkühler (Shell & Tube), nicht über Wurmkühler.

Woher kommt das Wachs?

Die berühmte Textur geht nach Branchenangaben auch auf eine bewusste Entscheidung im Betrieb zurück: Öle, die sich im Feints-Behälter absetzen, werden nicht bei jeder Wartung vollständig entfernt. Das schafft einen schweren, mundumhüllenden New Make mit zitrischer Note. Der Vergleich mit Kerzenwachs oder Paraffin ist dabei reine Geschmacksbeschreibung; Wachs enthält der Whisky selbstverständlich nicht.

Fassreifung

Gereift wird überwiegend in Ex-Bourbon-Fässern, je nach Abfüllung kommen Sherryfässer hinzu. Die Quellen gehen beim Anteil für den 14-Jährigen auseinander; ein Teil nennt Bourbon als Hauptfasstyp, andere sprechen von einer Mischung mit Sherry.


Produkte & Charakter

Produkt Alkoholvolumen Charakteristik
Clynelish 14 Jahre 46 % Die Kernabfüllung: Zitrus, Honig, Wachs und ein trockener, leicht salziger Abgang
Clynelish Distillery Exclusive 48 % Ohne Altersangabe, nach Herstellerangabe aus Bourbonfässern und nur an der Brennerei erhältlich
Clynelish Distillers Edition 46 % Jahrgangsabhängige Edition mit Oloroso-Sherry-Finish; mehr Frucht und Nussigkeit
Clynelish Reserve (Game-of-Thrones-Edition House Tyrell) 51,2 % Limitiert und ohne Altersangabe: gewürzter Pfirsich und Birne, Honig, wachsig-süßer Abgang
Clynelish 20 Jahre Bi-Centenary 57,3 % Fassstarke Sonderabfüllung zum 200. Gründungsjahr, laut Wikipedia aus Sherryfässern

Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Clynelish 14 Jahre. Sonderabfüllungen sind je nach Markt nicht immer erhältlich.


Stil & Wiedererkennungswert

Clynelish ist ein Küstenmalt ohne Torf, der von Textur und Zitrus lebt: ölig im Mund, mit Honig, Vanille und heller Frucht, darüber diese typische Wachsnote und oft ein Hauch Salz. Er unterscheidet sich deutlich von leichteren, blumigen Highland-Malts und von den Rauchwhiskys der Inseln.

Hinzu kommt die Rolle im Blend: Nach verbreiteten Angaben fließen rund 95 Prozent der Produktion in Johnnie-Walker-Mischungen, meist wird Gold Label Reserve genannt. Wer Johnnie Walker trinkt, kennt Clynelish vermutlich schon. Der Nachbar Brora hat dagegen ein ganz anderes Profil, weil dort zeitweise stark getorft wurde.


Fazit

Clynelish ist die richtige Brennerei für Whiskyfreunde, die Textur und Charakter ohne Rauch suchen und bei einem ungewöhnlichen Highland-Stil neugierig bleiben. Das Sortiment ist schmal; der 14-Jährige ist die logische Einstiegsflasche. Wer Brora-Preise und Sammlerhype im Kopf hat, sollte beides trennen: Clynelish ist ein eigenständiger, aktiv produzierender Malt mit eigener Handschrift und keine Ersatzdroge.