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Campbeltown Whisky: Geschichte, Stil und die drei verbliebenen Brennereien

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Drei kupferne Brennblasen stehen an einer dunklen Küstenlinie, während zahlreiche blasse Brennblasen im Hintergrund verschwinden.

Auf der Halbinsel Kintyre, am Ende einer langen Straße von Glasgow, liegt Campbeltown: die kleinste der geschützten Scotch-Regionen und zugleich ein Lehrstück darüber, wie schnell eine Whiskyhochburg verschwinden kann. Heute arbeiten dort drei Brennereien, im 19. Jahrhundert waren es mehr als dreißig. Der Artikel erklärt, wie es dazu kam, welche Betriebe übrig blieben und woran sich der Campbeltown-Stil festmachen lässt. Die rechtliche Einordnung der Region steht im Beitrag Scotch-Whisky-Regionen im Überblick.

Vom Schwarzbrennerort zur „Whisky City"

Schon Ende des 18. Jahrhunderts wurde rund um Campbeltown im Verborgenen gebrannt; je nach Quelle werden um 1795 etwa 31 illegale Brennblasen genannt. Der Excise Act von 1823 machte legales Brennen attraktiver, und die Hafenstadt hatte gute Voraussetzungen: Dampfschiffe verbanden sie mit Glasgow und Übersee, die Kohle kam aus der nahen Grube von Drumlemble, Gerste aus Schottland und Irland. Alfred Barnard besuchte 1885 insgesamt 21 laufende Brennereien und nannte den Ort „Whisky City". Zum Höhepunkt der Blütezeit zählen Quellen unterschiedlich zwischen gut 30 und 34 Betrieben – exakt ließ sich die Zahl nicht klären, da Gründungen und Schließungen sich überschnitten.

Warum die Region fast verschwand

Für den Niedergang im frühen 20. Jahrhundert nennen die gesichteten Quellen übereinstimmend ein Bündel von Gründen. Viele Hersteller setzten auf Menge statt Qualität und schadeten damit dem Ruf der Region. Blender bevorzugten zunehmend leichtere Malts aus anderen Gegenden, während der schwere, rauchig-ölige Campbeltown-Stil aus der Mode kam. Hinzu kamen höhere Steuern und der Einbruch des Nordamerika-Geschäfts durch die US-Prohibition (1920 bis 1933), die Schließung der Kohlegrube von Drumlemble 1923, die große Entfernung zum Festland und die Weltwirtschaftskrise. Nach Angaben des Magazins Scotch Whisky schlossen allein in den 1920er Jahren 17 Brennereien. Mitte der 1930er Jahre blieben mit Springbank und Glen Scotia nur noch zwei Betriebe, die beide zeitweise stillstanden.

Die drei Brennereien heute

Brennerei Gegründet Besonderheit
Springbank 1828 Familienbesitz (J&A Mitchell & Co.), Malz und Abfüllung vor Ort
Glen Scotia 1832 (als Scotia) seit 2014 Teil der Loch Lomond Group
Glengyle (Marke Kilkerran) 1872, 1925 geschlossen, Neustart 2004 gehört ebenfalls den Mitchells

„Mitchell's" ist übrigens keine eigene Brennerei, sondern die Firma hinter Springbank und Glengyle. Dass Glengyle nicht unter eigenem Namen erscheint, liegt an Markenrechten: Der Name Glengyle gehört laut Wikipedia der Loch Lomond Group, die ihn für einen Blended Malt nutzt. Der Whisky heißt deshalb Kilkerran, nach dem gälischen Namen der Siedlung, aus der Campbeltown hervorging.

Das Spiel um den Regionsstatus

Mehrere Quellen berichten, die Scotch Whisky Association habe um das Jahr 2000 erwogen, Campbeltown mit nur zwei Brennereien nicht länger als eigene Region zu führen. Der Springbank-Eigner Hedley Wright ließ Glengyle daraufhin wiederbeleben – mit dem Argument, auch die Lowlands bestünden aus nur drei Betrieben. Die Produktion lief 2004 an, es war die erste neue Brennerei der Stadt seit über 125 Jahren. Eine schriftliche Regel der SWA, die genau drei aktive Brennereien verlangt, ließ sich nicht belegen; die Geschichte beruht auf Aussagen aus zweiter Hand. Rechtlich ist Campbeltown seit den Scotch Whisky Regulations 2009 eine geschützte „Locality". Eine spätere Neueinordnung der Region ist nicht belegt.

Springbank: Der Sonderfall

Springbank erledigt als einzige schottische Brennerei nach eigenen Angaben jeden Schritt vom Mälzen bis zur Abfüllung selbst, das Malz stammt zu 100 Prozent aus der eigenen Bodenmälzerei. Von 1960 bis 1992 ruhte die Mälzerei zwischenzeitlich. Gebrannt wird in drei Kupferbrennblasen, gekühlt über traditionelle Worm Tubs. Unter einem Dach entstehen drei Stile: der leicht bis mittel getorfte, „zweieinhalbfach" destillierte Springbank 10 Jahre, der kräftig getorfte, doppelt destillierte Longrow (je nach Quelle um 50 bis 55 ppm, mehr zum Maß im Beitrag über getorften Whisky) und der ungetorfte, dreifach destillierte Hazelburn. Die 2,5-fache Destillation bedeutet, dass ein Teil des Brennguts zweimal, ein Teil dreimal durch die Blasen läuft. Weitere Hintergründe liefert das Porträt der Springbank Distillery.

Stil: salzig, ölig, mit Charakter

Beschreibungen kehren immer wieder zu denselben Begriffen zurück: Salz, Öligkeit, Dörrobst, Toffee, dazu leichter bis kräftiger Rauch. Schon 1930 nannte der Autor Aeneas MacDonald die Malts „potent, full-bodied, pungent" und verglich sie mit den Kontrabässen des Whisky-Orchesters. Moderne Verkostungsnotizen sprechen auch von „industrial funk": Anklänge an Maschinenöl, Pilze oder nasse Säcke. Die Salzigkeit entsteht nach Aussage des Springbank-Mitarbeiters Ranald Watson nicht im Destillat, sondern bei der Lagerung – möglicherweise durch die Meeresluft. Glen Scotia gilt als etwas zugänglicher: Der Glen Scotia 15 Jahre verbindet Aprikose und Orangenschale mit Meeresbrise, der Glen Scotia Victoriana bringt Campbeltown bei Fassstärke ins Glas. Kilkerran wird häufig mit Zitrus, Mineralik und leichtem Rauch beschrieben. Wie belastbar solche Regionsmuster sind, prüft die Auswertung zum Geschmack nach Region.

Fazit: Kleine Region, große Wirkung

Campbeltown zeigt, dass eine Whiskyregion nicht von ihrer Größe lebt, sondern von wenigen, sehr eigenständigen Brennereien. Dazu kommen Neugründungen: Medienberichten zufolge sind Machrihanish (R&B Distillers), Dál Riata und Witchburn geplant oder im Bau. Welche davon inzwischen produziert, ließ sich nicht abschließend klären – es ist offen, ob die Region bald mehr als drei Brennereien zählt.