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Whisky-Geschmack nach Region: Auswertung von 336 Verkostungen

WhiskyWhisky Wissen

Schmeckt Speyside wirklich süß, Islay wirklich rauchig und Bourbon wirklich holzig? Wir haben für diese Auswertung die Geschmackswerte aus 336 Whisky-Verkostungen auf Gin-Time.de nach Herkunft zusammengefasst. Die Antwort: Meistens ja, aber mit mehr Ausnahmen, als das Klischee vermuten lässt. Und an einer Stelle ist das Bild fast eindeutig: Der Rauch.

Datenbasis und Methode

Jede Verkostung bekommt bei uns vier Geschmackswerte auf einer Skala von 0 bis 5: Süße, Rauch, Frucht und Eiche. Diese Werte vergeben wir redaktionell nach der Verkostung. Sie sind keine Labormessung, sondern eine vergleichbare Einordnung innerhalb unserer Artikel. Die Auswertung umfasst alle Whisky-Verkostungen mit Geschmackswerten, Stand Oktober 2026, zugeordnet nach der angegebenen Herkunft. Die Gruppen sind unterschiedlich groß, und unsere Auswahl ist nicht repräsentativ für den Markt. Kleine Gruppen wie Campbeltown (17) oder Irland (18) sollten daher als Tendenz gelesen werden, nicht als Beleg. Die Tabelle zeigt Durchschnittswerte, die Rohdaten stehen als CSV-Datei zum Download bereit.

Rauch: Islay vorn, dann lange nichts

  • Islay3,6
  • Schottische Inseln (ohne Islay)2,4
  • Campbeltown2,4
  • Blended Scotch1,6
  • Japan1,4
  • Weitere Länder (u. a. Indien, Taiwan, Deutschland)1,3
  • Speyside1,1
  • Highlands1,1
  • Irland1,1
  • Bourbon & US-Whiskey1,1
  • Lowlands0,8

Der Rauchwert trennt die Regionen am deutlichsten. Islay erreicht im Schnitt 3,6, die Inseln (2,4) und Campbeltown (2,4) folgen mit deutlichem Abstand. Alle anderen Gruppen bleiben bei höchstens 1,6. Besonders aussagekräftig: Von den 40 Whiskys mit einem Rauchwert von 4 oder 5 kommen 34 von Islay, 3 von den übrigen Inseln (Talisker Storm, Talisker 18 und Ledaig 10) und 3 aus Campbeltown (Kilkerran Heavily Peated, Longrow Peated und Longrow 100 Proof). Aus Speyside, den Highlands, den Lowlands, den USA, Irland und Japan stammt keiner; der rauchigste irische Whiskey, der Teeling Blackpitts Peated, kommt auf 3. Gleichzeitig ist Islay nicht automatisch rauchig: 7 der 54 Islay-Whiskys liegen bei höchstens 1, etwa die ungetorften Abfüllungen von Bunnahabhain und Bruichladdich. Mehr zu den Hintergründen steht in unserem Beitrag zum Phenolwert in ppm und im Stilvergleich Speyside gegen Islay.

Süße und Frucht: Speyside, Highlands und Lowlands

  • Weitere Länder (u. a. Indien, Taiwan, Deutschland)3,8
  • Lowlands3,7
  • Highlands3,6
  • Speyside3,5
  • Irland3,2
  • Campbeltown3,2
  • Schottische Inseln (ohne Islay)3,1
  • Japan3,1
  • Islay2,7
  • Blended Scotch2,5
  • Bourbon & US-Whiskey2,1

Bei der Frucht liegen die Lowlands (3,7) und die Highlands (3,6) vor der Speyside (3,5), unter den Scotch-Regionen am wenigsten fruchtig sind Islay (2,7) und Blended Scotch (2,5). Die Speyside ist die süßeste größere Scotch-Region: Ihr Durchschnitt liegt bei 3,5, und 51 ihrer 92 Verkostungen erreichen einen Süßewert von 4 oder 5. Weil die Speyside mit 92 Verkostungen zugleich die größte Gruppe ist, steht sie für sich: Ihr Durchschnitt ist belastbar, ihre Streuung aber groß, vom schlanken Einsteiger bis zum schweren Sherry-Malt. Der Beitrag zu den Scotch-Regionen im Überblick hilft bei der geografischen Einordnung.

Eiche und Alkohol: Bourbon fällt auf

Bourbon und US-Whiskey erreichen mit 3,1 den höchsten Eichenwert aller Gruppen und zugleich den niedrigsten Fruchtwert (2,1). Das passt zu den Regeln, die in den USA für Reifung in neuen, ausgebrannten Eichenfässern gelten, wie wir sie im Beitrag zu Bourbon-Regeln und -Mythen erklären. Blended Scotch hat dagegen den niedrigsten Eichenwert (2,1). Beim Alkoholgehalt führen Campbeltown (48,4 %), wo viele Abfüllungen in Fassstärke erscheinen, und die weiteren Länder (47,5 %), gefolgt von Islay (46,5 %) und den Inseln (46,1 %). Die Speyside liegt mit 43,5 % unter dem Gesamtschnitt von 44,8 %, Blended Scotch bei 40,0 %.

Alle Zahlen im Überblick

Region Verkostungen Süße Rauch Frucht Eiche Ø Alkohol Ø Bewertung
Speyside 92 3,5 1,1 3,5 2,7 43,5 % 4,1
Islay 54 3,0 3,6 2,7 2,5 46,5 % 4,2
Highlands 45 3,5 1,1 3,6 2,8 43,9 % 4,1
Schottische Inseln (ohne Islay) 23 3,4 2,4 3,1 2,8 46,1 % 4,3
Lowlands 12 3,3 0,8 3,7 2,4 45,4 % 4,0
Campbeltown 17 2,8 2,4 3,2 2,5 48,4 % 4,2
Blended Scotch 13 3,2 1,6 2,5 2,1 40,0 % 4,1
Bourbon & US-Whiskey 34 3,3 1,1 2,1 3,1 46,0 % 4,2
Japan 16 2,9 1,4 3,1 2,4 43,5 % 4,1
Irland 18 3,3 1,1 3,2 2,5 43,3 % 4,1
Weitere Länder (u. a. Indien, Taiwan, Deutschland) 12 4,0 1,3 3,8 2,7 47,5 % 4,2
Alle 336 3,3 1,7 3,1 2,7 44,8 % 4,2

Bewertung: Mit Vorsicht lesen

Die Durchschnittsbewertung liegt in allen Regionen zwischen 4,0 und 4,4 Sternen. Unter den Gruppen ab 20 Verkostungen sind die Inseln (4,27) und Islay (4,24) vorn, vor Bourbon, den Highlands und der Speyside. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass diese Regionen besser sind: Die Auswahl der getesteten Whiskys ist nicht zufällig, und eine Redaktionsbewertung ist keine Blindverkostung. Aussagekräftiger ist der Blick auf den Geschmack, nicht auf die Sterne.

Beispiele aus unseren Verkostungen

Hoch bewertete Abfüllungen je Region:

Weitere Verkostungen findest du auf den Übersichtsseiten zu Scotch Whisky, US Whiskey und internationalen Whiskys.

Fazit: Das Klischee stimmt, die Ausnahmen lohnen sich

Wer Rauch sucht, findet ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Islay, auf Talisker und in Campbeltown. Wer ihn vermeiden will, kann sich bei Speyside, Highlands, Lowlands, Bourbon, Irland und Japan fast sicher sein; in Irland gibt es mit dem Blackpitts nur eine getorfte Ausnahme. Darüber hinaus sind die Unterschiede feiner: Die Speyside ist süß und fruchtig, Bourbon holzig und süß, Blended Scotch leicht und mild. Mit den Ausnahmen, etwa ungetorftem Islay-Whisky oder rauchigen Speyside-Abfüllungen, wird die Auswahl erst interessant. Wenn du die Zahlen in eigenen Texten verwendest, freuen wir uns über eine Quellenangabe mit Link auf diese Seite.