Compass Box Artist Blend – Ein Blend, der mehr Malt als Grain zeigt
Beim Compass Box Artist Blend liegt der Reiz in der Rezeptur: Laut Hersteller besteht der Whisky zu rund 55 Prozent aus duftigem Malt aus den schottischen Highlands, der Rest ist Grain-Whisky aus den Lowlands. Das ist deutlich mehr Malt-Anteil, als man von vielen Alltags-Blends gewohnt ist, und genau darauf baut der Charakter auf: Frucht, Gewürz und eine cremige Textur statt des getreidigen Einheitsgeschmacks, den man manchen günstigen Blends nachsagt.
Abgefüllt wird mit 43 % vol., ohne Kühlfiltrierung und ohne Zusatz von Farbstoff. Compass Box nennt ihn eine Hommage an Edinburgh, gedacht für anspruchsvolle Barleute ebenso wie für Malt-Liebhaber. Damit ist er ein Blend, der pur funktioniert und sich zugleich im Longdrink behauptet.
Geschichte: Von der Great King Street zum Artist Blend
Der Whisky kam 2011 auf den Markt, damals unter dem Namen Great King Street Artist's Blend. Die Linie ist nach der Great King Street benannt, der Adresse des Edinburgher Büros von Compass Box. Als Anregung nennt der Hersteller rund hundert Jahre alte Rezepturen mit höherem Single-Malt-Anteil. Verantwortlich für die Komposition zeichnet nach Herstellerangabe Whiskymaker John Glaser.
Später kam in derselben Linie mit dem New York Blend ein zweiter Whisky hinzu, der jedoch limitierter ausfiel. Im Zuge einer Neugestaltung der Reihe im Jahr 2021 wurden die Namen vereinfacht; aus dem "Great King Street Artist's Blend" wurde nach Presseberichten schlicht der "Artist Blend". Auf der aktuellen Herstellerseite heißt der Whisky so. Ältere Flaschen und manche Produktlisten führen noch den langen Namen, gemeint ist derselbe Blend.
Der Artist Blend im Speziellen
Im Sortiment von Compass Box ist der Artist Blend der zugängliche, auf Vielseitigkeit ausgelegte Blend. Er ist eine Dauerabfüllung ohne Altersangabe; die Reife ergibt sich also aus dem Zusammenspiel der einzelnen Bestandteile und nicht aus einer Zahl auf dem Etikett. Dass er weder kühlgefiltert noch gefärbt wird, zeigt sich in der Textur: Wer sich für den Hintergrund interessiert, findet ihn in unserem Beitrag zur Kühlfiltrierung und Naturfarbe.
Zur genauen Zusammensetzung gehen die Angaben auseinander, was bei einem Blend mit wechselnden Fässern nicht überrascht. Ältere Rezepturangaben nannten rund 46 Prozent Lowland-Grain und mehrere Malts, darunter einen Anteil aus der Speyside; ein Datenblatt von 2018 führte Malts von Clynelish, Teaninich und Dailuaine auf. Die heutige Herstellerseite nennt keine Brennereien. Hier gilt deshalb: Je nach Charge können Anteile und Fässer variieren.
Herstellung: Highland-Malts, Lowland-Grain und Fassarbeit
Das Grundprinzip eines Blends erklärt unser Beitrag zu Grain-Whisky und der Herstellung von Blended Scotch. Beim Artist Blend reift der Lowland-Grain nach Herstellerangaben in First-Fill-Ex-Bourbon-Fässern, was ihm Vanille und Frucht mitgibt, statt ihn zum neutralen Füllstoff zu machen. Die Malts steuern das Duftige und Fruchtige bei.
Das erwähnte Datenblatt von 2018 beschrieb zusätzlich eine mindestens zweijährige Nachreifung in Fässern aus französischer Eiche, genauer in sogenannten Hybridfässern. Ob und wie stark das bei der aktuellen Charge eine Rolle spielt, lässt sich der Herstellerseite nicht entnehmen. Für die Grundlagen der Eichenwirkung lohnt ein Blick in die Fassreifung. Den Unterschied zwischen Malt- und Blend-Philosophie fasst der Beitrag Single Malt vs. Blended Whisky zusammen.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Helles bis mittleres Gold, natürlich und ungefärbt.
- Nase: Reifer Apfel und Birne, Vanille und Karamell, dazu ein Hauch Minze und Backgewürz.
- Gaumen: Weicher, cremiger Einstieg, dann Zimt, Ingwer und Muskat über gesalzenem Karamell; Fruchtanklänge von Apfel und Birne.
- Abgang: Lang, würzig und leicht salzig, mit Eiche und Pfeffer am Ende.
Die Eindrücke decken sich mit den Angaben des Herstellers, der Apfel, gesalzenes Karamell und Backgewürze nennt. Rauch spielt keine Rolle. Bei 43 % vol. wirkt der Whisky voller als ein typischer 40-Prozent-Blend, ohne scharf zu werden. Kleine Unterschiede zwischen Chargen sind möglich, der Gesamtcharakter bleibt aber stabil.
Genuss-Empfehlung
Pur im Tulpenglas kommen Frucht und Würze am besten zur Geltung; ein paar Tropfen Wasser öffnen die Gewürznoten. Auf einem großen Eiswürfel bleibt er erstaunlich stabil. Der Hersteller empfiehlt ihn außerdem für Cocktails, ausdrücklich für den Scotch Highball: Mit Soda, viel Eis und einem Streifen Zitronenschale entsteht ein frischer Longdrink, in dem die Apfelfrucht erhalten bleibt. Zum Essen passen reife Hartkäse, gebratenes Geflügel mit Apfel oder ein Karamelldessert.
Einordnung & Alternativen
- Monkey Shoulder Blended Malt Scotch Whisky: Ebenfalls ein malt-orientierter Blend für Mixgetränke, aber einfacher gestrickt und weicher.
- Johnnie Walker Black Label Blended Scotch: Der bekannte Standard-Blend mit Rauchanteil als Gegenstück zum fruchtigen, ungetorften Artist Blend.
- Chivas Regal 12 Jahre Blended Scotch: Ein 12-jähriger Blend mit Honig und Frucht, das Gegenstück mit Altersangabe zum Artist Blend ohne Zahl auf dem Etikett.
Fazit
Der Compass Box Artist Blend zeigt, wie viel ein Blend leisten kann, wenn der Malt-Anteil hoch ist und auf Kühlfiltrierung und Färbung verzichtet wird. Er richtet sich an alle, die den Schritt vom einfachen Alltags-Blend zu etwas Aromatischerem machen wollen, ohne gleich zu Single Malts zu greifen, und an Bartender, die einen Whisky mit Substanz für Highballs suchen. Abzüge gibt es für die wechselnden und nur teilweise offengelegten Rezepturangaben, die den Vergleich zwischen Chargen erschweren, sowie für einen Abgang, der bei manchen Abfüllungen leicht holzig ausfällt. Insgesamt überzeugt die Balance aus Frucht, Gewürz und Textur, deshalb 4 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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