Cognac

Courvoisier VS

3,7/5 Redaktionsbewertung
40 % vol.EinstiegsklasseKlassifikation VS, mindestens 2 Jahre, Bons Bois, Fins Bois und Petite Champagne, französische EicheCharente, Frankreich
CognacVS
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Herstellung des Courvoisier VS:

Die Leitung der Assemblage liegt heute bei Patrice Pinet, dem sechsten Chief Blender in der Geschichte von Courvoisier, der die Rezepturen des Hauses nach den Vorgaben der jeweiligen Klassifikation zusammenstellt. Seit Mai 2024 gehört die 1796 in Bercy bei Paris gegründete und seit 1828 im charentischen Jarnac ansässige Marke zur italienischen Campari Group, nach vorherigen Jahrzehnten unter Allied Domecq, Beam Global und Suntory Global Spirits. Innerhalb dieser wechselnden Konzernstrukturen bildet der VS seit jeher den kommerziellen Zugang zum Haus: Courvoisier bewirbt ihn selbst als bewusst unkonventionellen, "freudigen" Einstieg, der nicht auf Tiefe, sondern auf Frische und Zugänglichkeit setzt.

Wie jeder Cognac entsteht auch der VS aus der weißen Rebsorte Ugni Blanc, deren saurer Grundwein in kupfernen Charentais-Brennblasen zweifach destilliert wird. Die gesetzliche Mindestreifung für die Klassifikation VS beträgt zwei Jahre in Eichenfässern. Courvoisier verschneidet für den VS Eaux-de-Vie aus drei unterschiedlichen Crus: Bons Bois und Fins Bois, die beide ohne Hefe-Lees destilliert werden, sowie einen Anteil Petite Champagne, der mit Lees destilliert wird. Diese Kombination aus weiter von der Kernregion entfernten Lagen und einem Fine-Champagne-Anteil ergibt ein Destillat, das von Haus aus auf Frische statt auf Fassdominanz ausgelegt ist – ein deutlich anderer Ansatz als die Fine-Champagne-exklusive Herkunft des hauseigenen VSOP.

Verkostung des Courvoisier VS:

In der Farbe zeigt sich der Courvoisier VS hell goldgelb bis bernsteinfarben. Die Nase öffnet sich mit knackigen Fruchtnoten von Apfel, Birne und einem Hauch Grapefruit, bevor sich im Hintergrund zarte Frühlingsblüten andeuten, die für den Courvoisier-Hausstil typisch sind. Am Gaumen wirkt der VS schlank und frisch, mit einer moderaten, nicht aufdringlichen Süße und einer leichten floralen Würze, die eher an Blütenhonig als an Karamell erinnert. Die Eichenwürze bleibt dezent im Hintergrund, verleiht dem Antrunk aber ein spürbares, trockenes Rückgrat, bevor ein mittellanger, sauberer Abgang mit einem letzten Hauch frischer Eichenholzwürze folgt. Mit 40 % vol. ist der VS spürbar leichter und spritziger gebaut als die reiferen, holzbetonteren Stufen des Hauses.

Steckbrief Courvoisier VS:

Alkoholgehalt: 40 % vol.
Klassifikation: VS (Very Special)
Fassreifung: mindestens 2 Jahre, Bons Bois, Fins Bois und Petite Champagne, französische Eiche
Hersteller: Courvoisier (Campari Group), Jarnac, Frankreich

Herstellung im Detail: Destillation mit und ohne Hefe-Lees

Eine Besonderheit der VS-Assemblage liegt in der bewussten Kombination zweier unterschiedlicher Destillationsstile. Die Crus Bons Bois und Fins Bois werden ohne die abgesetzte Hefe (Lees) des Grundweins destilliert, was ein reineres, stärker fruchtbetontes Destillat ohne ausgeprägte Fülle ergibt. Der beigemischte Petite-Champagne-Anteil hingegen wird mit Lees destilliert, einem Verfahren, das dem Brand zusätzliche Röstaromen, Gewicht und Länge verleiht. Diese gezielte Mischung aus "sauberen" und "lees-destillierten" Eaux-de-Vie ist eine andere Blend-Philosophie als die reine Crus-Breite, mit der etwa Hennessy seinen VS aus über 40 Einzelposten zusammensetzt, und auch ein anderer Ansatz als die strikte Fine-Champagne-Herkunft, die Courvoisier selbst beim VSOP verfolgt.

Die Wahl von Bons Bois und Fins Bois für die Basis des VS ist zudem kein Zufall: Beide Crus liegen geografisch weiter vom Kern der Champagne-Gebiete entfernt und liefern traditionell Eaux-de-Vie, die schneller trinkreif werden und weniger Fasslagerung benötigen, um ausgewogen zu wirken – ideal für eine Klassifikation, die ohnehin nur die gesetzliche Mindestreife von zwei Jahren vorschreibt. Der kleine, aber feine Petite-Champagne-Anteil sorgt dafür, dass der VS trotz seiner Jugend nicht eindimensional wirkt, sondern über eine gewisse florale Tiefe verfügt, die ihn von reinen Einstiegs-Brandys ohne Herkunftsbindung unterscheidet. Für Courvoisier erfüllt der VS damit vor allem eine strategische Funktion: Er öffnet weltweit die Tür zur Marke, ohne dass dafür Fässer aus den knapperen, für VSOP und XO reservierten Fine-Champagne-Lagen angetastet werden müssten.

Genuss-Empfehlung

Der Courvoisier VS zeigt sich am unkompliziertesten auf Eis im Tumbler, wo die Kühle seine frischen Apfel- und Birnennoten betont, ohne die zarte Blütigkeit zu ertränken. Als Basis für einen klassischen Sidecar oder im einfachen Longdrink mit Ginger Ale entfaltet er seine Frische auch in der Mixology gut. Pur im kleinen Tulpenglas bei Zimmertemperatur eignet er sich als leichter Aperitif; als Food-Pairing passen helles Obstgebäck, ein milder Ziegenfrischkäse oder geröstete Mandeln, während schwere, rauchige Begleiter die zurückhaltende Struktur des VS erschlagen würden.

Einordnung & Alternativen

  • Courvoisier VSOP – eine Reifestufe höher, mit reiner Fine-Champagne-Herkunft und deutlich mehr Fass- und Fruchttiefe.
  • Hennessy VS – ebenfalls Einstiegsklasse, baut aber auf eine deutlich breitere Blend-Basis von über 40 Eaux-de-Vie.
  • Die Crus der Cognac-Region – Hintergrundwissen zu Bons Bois, Fins Bois und den übrigen Anbaugebieten, die hier die Geschmacksbasis bilden.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Fruchtigkeit4/5
Süße2/5
Eiche/Vanille2/5
Blumig/Würzig3/5

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