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Cognac-Klassifikation erklärt: VS, VSOP, XO & Co.

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Cognacglas vor zunehmend dunklen Altersringen und einer unbeschrifteten Reifeskala

VS, VSOP, Napoléon, XO – auf nahezu jeder Cognac-Flasche steht eine dieser Abkürzungen, und viele halten sie für reine Werbesprache. Tatsächlich handelt es sich um gesetzlich streng definierte Altersklassen, deren Mindestreifezeiten das BNIC (Bureau National Interprofessionnel du Cognac) über ein eigenes Zählsystem festlegt und kontrolliert – ein System, das sich, wie zuletzt 2018 bei XO geschehen, auch ändern kann.

Der "Compte": Wie das BNIC das Alter zählt

Grundlage jeder Cognac-Altersangabe ist der sogenannte "compte", ein jährlich am 1. April weiterschaltender Reifezähler. Frisch destillierter Cognac läuft zunächst als "compte 00" – vom Destillationsende bis zum folgenden 31. März. Am darauffolgenden 1. April wechselt er in "compte 0" und rückt danach jedes Jahr am 1. April um eine Stufe weiter: compte 1, compte 2 und so fort. Weil dieser Stichtag fix an die Ernte- bzw. Destillationskampagne gekoppelt ist und nicht an das exakte Destillationsdatum der einzelnen Charge, entspricht ein bestimmter Compte-Wert rechnerisch dem Mindestalter, kann je nach Zeitpunkt der Destillation innerhalb der Kampagne in der Praxis aber auch etwas darüber liegen.

Die Klassifikationsstufen im Überblick

Jede der folgenden Kategorien definiert das Mindestalter, das die jüngste im Verschnitt enthaltene Eau-de-Vie erreicht haben muss:

Klassifikation Mindest-Compte Mindestalter Auch bezeichnet als
VS (Very Special) Compte 2 mind. 2 Jahre 3 Étoiles, Sélection
VSOP (Very Superior Old Pale) Compte 4 mind. 4 Jahre Réserve, Vieux
Napoléon Compte 6 mind. 6 Jahre Très Vieille Réserve
XO (Extra Old) Compte 10 mind. 10 Jahre Extra, Hors d'Âge

Im Sortiment lässt sich diese Staffelung an konkreten Beispielen nachvollziehen: Hennessy VS steht für die junge, frisch-traubige VS-Stufe, Rémy Martin VSOP und Courvoisier VSOP für die deutlich rundere VSOP-Klasse, während Hennessy XO und Martell Cordon Bleu die oxidative Tiefe zeigen, die erst mit zweistelligen Reifejahren entsteht.

Die Verschärfung von 2018: Warum XO heute doppelt so alt sein muss

Bis zum 31. März 2018 genügte für die XO-Bezeichnung derselbe gesetzliche Mindestwert wie für Napoléon: Compte 6, also rechnerisch sechs Jahre. Das führte dazu, dass die eigentlich höherwertige XO-Kategorie auf dem Papier kein höheres Mindestalter garantierte als die Stufe darunter – auch wenn die meisten Häuser für ihre XO-Abfüllungen ohnehin deutlich länger reifende Eaux-de-Vie verwendeten. Das BNIC beschloss deshalb eine Anhebung: Seit dem 1. April 2018 muss die jüngste Komponente eines XO-Cognacs mindestens Compte 10 erreicht haben, also rechnerisch zehn statt sechs Jahre. Für bereits abgefüllte Bestände mit sechs bis neun Jahre alten Eaux-de-Vie räumte das BNIC eine Übergangsfrist ein: Sie durften bei entsprechender Meldung noch bis zum 31. März 2019 verkauft werden. Bemerkenswerterweise vollzog die benachbarte Armagnac-Appellation nur wenige Wochen später, im April 2018, eine praktisch identische Anhebung ihrer eigenen XO-Kategorie auf zehn Jahre – ein Hinweis darauf, dass beide südwestfranzösischen Weinbrand-Appellationen ihre Altersklassen bewusst aneinander angleichen.

Assemblage: Warum die Altersangabe nur die Untergrenze zeigt

Cognac ist praktisch nie das Produkt eines einzelnen Jahrgangs oder Fasses, sondern fast immer ein Verschnitt – eine sogenannte Assemblage – aus Dutzenden bis hin zu Hunderten unterschiedlicher Eaux-de-Vie verschiedenen Alters und teils unterschiedlicher Herkunft. Der Kellermeister eines Hauses komponiert daraus über Jahre ein konstantes Geschmacksprofil. Gesetzlich zählt für die Einstufung dabei ausschließlich die jüngste im Verschnitt enthaltene Komponente: Ein als XO deklarierter Cognac muss also nur zu einem beliebig kleinen Anteil zehn Jahre alt sein, während der überwiegende Teil des Verschnitts durchaus wesentlich älter sein kann und in der Praxis bei renommierten Häusern meist auch ist. Hennessy XO etwa wird aus einem Verschnitt von über 100 verschiedenen Eaux-de-Vie komponiert – ein konkretes Beispiel dafür, wie viele einzelne Bausteine hinter einer einzigen Altersangabe stecken können.

Cognac ist nicht Armagnac – ähnliche Begriffe, eigene Appellation

Wer bei der Suche nach Cognac auf Flaschen mit den gleichen Kürzeln VS, VSOP oder XO stößt, sollte genau aufs Etikett schauen: Auch Armagnac, der ältere französische Weinbrand-Cousin aus der Gascogne, verwendet dieselben Altersbezeichnungen, unterliegt dabei aber einer eigenen, unabhängigen Appellation mit eigenem Regelwerk. Château de Laubade Bas-Armagnac VSOP zeigt beispielhaft, wie unterschiedlich sich zwei nominell gleich klassifizierte Spirituosen im Ergebnis präsentieren können: Armagnac wird traditionell in einer kontinuierlich arbeitenden Kolonnenbrennblase statt der für Cognac vorgeschriebenen doppelten Destillation gebrannt, was ihn tendenziell rustikaler und würziger schmecken lässt als seinen glatteren, eleganteren Nachbarn aus der Charente.