Four Roses in Lawrenceburg, Kentucky, vereint zehn Bourbon-Rezepturen unter einem Namen: Zwei Mashbills und fünf Hefestämme ergeben die Einzelrezepturen, die später vermählt oder getrennt abgefüllt werden. Die Marke führt man auf Paul Jones Jr. und das Jahr 1888 zurück, die Brennerei steht in einem Gebäude im Spanish-Mission-Stil von 1910. Gereift wird in einstöckigen Warehouses in Cox’s Creek. Die Eigentümerkette ist bewegt: Nach Seagram und dem japanischen Konzern Kirin (ab 2002) gehört Four Roses seit April 2026 dem US-Familienunternehmen E. & J. Gallo. Der Bourbon ging zeitweise vor allem in den Export nach Europa und Asien, bevor er in den USA zurückkehrte.
Überblick
- Name: Four Roses Distillery
- Ort: Lawrenceburg, Kentucky, USA (Abfüllung und Warehouses in Cox’s Creek)
- Gegründet: Marke 1888 geschützt; Brennerei im heutigen Gebäude 1910 errichtet
- Bundesstaat: Kentucky
- Besitzer: E. & J. Gallo (seit April 2026; zuvor Kirin Holdings, Japan)
- Typ: Kentucky Straight Bourbon, Hochroggen-Rezepturen
- Mashbills: E (75 % Mais, 20 % Roggen, 5 % Gerstenmalz) und B (60 % Mais, 35 % Roggen, 5 % Gerstenmalz)
Historische Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1888 | Paul Jones Jr. lässt den Namen Four Roses schützen; er gibt an, die Marke schon seit den 1860er-Jahren zu führen |
| 1910 | Die Old Prentice Distillery in Lawrenceburg entsteht im Spanish-Mission-Stil und steht heute auf dem National Register of Historic Places |
| 1943 | Seagram übernimmt Four Roses |
| Ende 1950er | Seagram stellt den Verkauf in den USA ein und konzentriert sich auf Export und eine Blended-Linie unter dem Namen |
| 1990er | Straight Bourbon kehrt auf den US-Markt zurück (je nach Quelle erst nach 1995) |
| 1999–2002 | Nach der Seagram-Zerschlagung geht die Marke über Vivendi/Universal an Pernod Ricard und Diageo; 2002 kauft Kirin sie und setzt allein auf Kentucky Straight Bourbon |
| 2019 | Abschluss einer Erweiterung mit neuen Gebäuden, Brennblasen und Gärbehältern; die Kapazität sollte sich verdoppeln |
| 2026 | Gallo schließt die Übernahme von Kirin ab; Master Distiller Brent Elliott bleibt im Amt |
| Heute | Four Roses wird in mehr als 80 Märkten verkauft, Brennerei und Warehouses laufen unter Gallo weiter |
Besonderheiten bei der Herstellung
Zwei Mashbills, fünf Hefen
Die Mashbill E ist roggenärmer, B deutlich roggenreicher. Die Hefen unterscheiden sich im Aroma: V zart fruchtig, K leicht würzig, O reichfruchtig, Q floral, F kräuterig. Zwei mal fünf ergibt zehn Rezepturen, die als Kürzel auf den Fässern stehen: OBSV, OBSK, OBSO, OBSQ, OBSF sowie OESV, OESK, OESO, OESQ, OESF.
Rezeptcodes lesen
Das erste O steht für die Brennerei (früher Old Prentice), der zweite Buchstabe für die Mashbill (E oder B), S für Straight Whiskey und der letzte für die Hefe. Single Barrel stammt aus einer einzelnen Rezeptur, Small Batch kombiniert nach Herstellerangaben vier, Small Batch Select sechs.
Anlage in Lawrenceburg
Das gelbe Stuckgebäude mit roten Rosen-Akzenten am Salt River ist für eine Bourbon-Brennerei ungewöhnlich. Destilliert wird nach Angaben zweifach in Kolonne und Doubler.
Einstöckige Warehouses
Die Reifung findet in Rack-Warehouses mit nur einem Stockwerk statt, in Cox’s Creek, rund eine Autostunde von der Brennerei entfernt. Nach Aussage der Brennerei fallen die Temperaturunterschiede so geringer aus als in hohen Lagerhäusern, was die Reifung gleichmäßiger machen soll.
Produkte & Charakter
| Produkt | Alkoholvolumen | Charakteristik |
|---|---|---|
| Four Roses Yellow Label | 40 % | Leicht und fruchtig mit milder Würze, der Einstieg in die Reihe |
| Four Roses Small Batch | 45 % | Vermählung von vier Rezepturen; Frucht, Gewürz und Karamell |
| Four Roses Single Barrel | 50 % | Aus einer Rezeptur; kräftiger, würzig und mit reifer Frucht |
| Four Roses Small Batch Select | 52 % | Sechs Rezepturen, mindestens sechs Jahre gereift, nicht kaltfiltriert |
| Limited-Edition-Abfüllungen | chargenabhängig | Sonderabfüllungen, oft fassstark, mit wechselnder Rezeptur |
Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Four Roses Single Barrel.
Stil & Wiedererkennungswert
Four Roses setzt auf einen vergleichsweise hohen Roggenanteil in beiden Mashbills und auf die Hefe als Stellschraube. Über den Hefestamm lässt sich dieselbe Mashbill von floral bis herbal verschieben.
Historisch ungewöhnlich: Auf dem US-Markt war die Marke Jahrzehnte nur als Blend präsent, während der Bourbon nach Europa und Asien ging. Seit den 1990er-Jahren und besonders unter Kirin ist der Straight Bourbon wieder breit verfügbar.
Fazit
Four Roses lohnt sich für alle, die Unterschiede zwischen Rezepturen verstehen wollen: Mit Single Barrel und den Limited Editions lassen sich Mashbill und Hefe fast einzeln erschmecken. Für Einsteiger bieten Yellow Label und Small Batch einen soliden Zugang. Wie sich der Besitzerwechsel zu Gallo auf Sortiment und Neuheiten auswirkt, bleibt abzuwarten; Team und Liquid bleiben laut Gallo unverändert.

Bourbon: Die gesetzlichen Regeln und die größten Mythen
Mais, neue Fässer, keine Zusätze: Die Bundesregeln sind kurz, die Mythen drumherum lang – von Kentucky-Pflicht bis Mindestreife.

Rye Whiskey: Geschichte, Gesetz und das große Comeback
Einst Amerikas Whiskey Nummer eins, dann fast verschwunden: Wie Roggen über Cocktailbars zurück in die Regale fand.

Tennessee Whiskey und der Lincoln County Process
Ein Gesetz, ein Holzkohlefilter und ein Landkreis, der den Prozess nicht mehr beherbergt: Was Tennessee Whiskey rechtlich von Bourbon trennt.
