Four Roses Yellow Label Bourbon – leicht, fruchtig und aus zehn Rezepten vermählt
Der Four Roses Yellow Label ist die Basisabfüllung einer der ungewöhnlichsten Bourbon-Marken Kentuckys. Gebrannt wird in Lawrenceburg, gereift und abgefüllt in Cox's Creek, und anders als bei den meisten Wettbewerbern steht hinter der Flasche kein einzelnes Rezept, sondern ein Baukasten aus zwei Getreiderezepten und fünf Hefestämmen. Das Ergebnis ist ein bewusst sanfter, floraler Bourbon mit 40 % vol., der weniger auf Wucht als auf Gleichmäßigkeit zielt. Auf aktuellen Flaschen und im Handel steht meist schlicht „Four Roses Bourbon“, der Name Yellow Label hat sich nach dem früheren Etikett gehalten.
Geschichte: Von Paul Jones Jr. zu Gallo
Die Marke geht auf Paul Jones Jr. zurück, der den Namen 1888 schützen ließ; er selbst datierte die Marke weit früher. Wer oder was die vier Rosen tatsächlich inspirierte, ist durch Überlieferungen nicht gesichert. Ab 1943 gehörte Four Roses zu Seagram, das den Bourbon in den USA später zugunsten einer Blend-Linie zurückfuhr, während der Straight Bourbon vor allem in Europa und Asien weiterlief. Nach der Zerschlagung von Seagram kaufte 2002 der japanische Konzern Kirin die Marke und richtete sie wieder auf Kentucky Straight Bourbon aus.
Im Frühjahr 2026 wechselte der Besitzer erneut: Laut Branchenmeldungen schloss E. & J. Gallo am 2. April 2026 die Übernahme von Kirin ab. Das Team um Master Distiller Brent Elliott blieb nach diesen Berichten im Amt, und Änderungen am Betrieb der Brennerei wurden nicht angekündigt. Wie sich das auf das Sortiment auswirkt, lässt sich nach so kurzer Zeit seriös noch nicht beurteilen. Mehr über das Haus steht im Porträt Four Roses Distillery – Kentucky.
Der Four Roses Yellow Label im Speziellen
Der Yellow Label ist die Einstiegsflasche des Hauses: 40 % vol., ohne Altersangabe auf dem Etikett, laut Hersteller aber aus Fässern, die mindestens fünf Jahre gelegen haben. Er vermählt nach Angaben von Reviewern bis zu zehn Rezepturen, in manchen Chargen auch weniger; welche genau enthalten sind, steht nirgends auf der Flasche. Darüber stehen Small Batch mit 45 % vol., Small Batch Select mit 52 % vol. und der Four Roses Single Barrel aus der einzelnen OBSV-Rezeptur.
Herstellung: Zwei Mashbills, fünf Hefen, zehn Rezepte
Die beiden Mashbills heißen E und B. E besteht aus 75 % Mais, 20 % Roggen und 5 % gemälzter Gerste, B aus 60 % Mais, 35 % Roggen und 5 % gemälzter Gerste. Beide sind vergleichsweise roggenstark, B besonders. Dazu kommen fünf Hefestämme, die sich im Aroma deutlich unterscheiden: V steht für zarte Frucht, K für leichte Würze, O für reiche Frucht, Q für Blumiges und F für Kräuteriges. Zwei mal fünf ergibt zehn Rezepturen, die als Vier-Buchstaben-Code auf den Fässern stehen, etwa OBSV oder OESK: Das O bezeichnet die Brennerei, das B oder E die Mashbill, das S Straight Whiskey und der letzte Buchstabe die Hefe.
Destilliert wird laut Brennerei zweistufig, zunächst in der Kolonne, dann im Doubler, und mit rund 120 Proof in neue ausgekohlte Fässer gefüllt. Gelagert wird in einstöckigen Rack-Lagerhäusern, in denen die Temperatur nach Herstellerangabe von oben nach unten deutlich weniger schwankt als in mehrstöckigen Gebäuden. Beim Yellow Label geht es am Ende nicht um das einzelne Fass, sondern um die Kunst des Verschneidens: Die Blender gleichen die Eigenheiten der Rezepturen aus, damit jede Charge gleich schmeckt.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Helles bis mittleres Bernstein.
- Nase: Zart und blumig, Birne, Apfel und Honig, dazu Vanille, ein Hauch Karamell und leichte Gewürze; manche Tester finden auch Aprikose oder Fenchel.
- Gaumen: Weich, glatt und eher leicht im Körper, Vanille, Honig und Frucht mit einer milden Würze; einige Verkoster empfinden ihn als dünn.
- Abgang: Kurz bis mittellang, zunächst etwas Gewürz, dann leichte Eiche und verklingende Frucht.
Genuss-Empfehlung
Pur ist der Yellow Label ein Bourbon für den Moment, in dem man etwas Unaufgeregtes möchte; ein Tumbler bei Zimmertemperatur und ein Spritzer Wasser reichen. Eis verdünnt ihn schnell, weshalb sich ein einzelner großer Würfel anbietet. Am überzeugendsten ist er in Cocktails, die keinen kräftigen Roggen brauchen: Im Whiskey Sour und Old Fashioned spielt er seine Frucht aus, als Mint Julep oder Highball mit Ginger Ale bleibt er leicht und frisch. Zum Essen passen gegrilltes Hähnchen, Maisbrot oder ein Apfelkuchen mit Zimt.
Einordnung & Alternativen
- Jim Beam Original Kentucky Straight Bourbon – ähnlich preiswert und leicht, aber maisiger und nussiger statt floral-fruchtig.
- Buffalo Trace Kentucky Straight Bourbon – etwas dichter und karamelliger, ein guter nächster Schritt, wenn der Yellow Label zu zart wirkt.
- Wild Turkey 101 Bourbon – mit 50,5 % vol. deutlich kräftiger und würziger, der Gegenentwurf zu dieser sanften Linie.
Fazit
Der Four Roses Yellow Label ist ein solider Einstiegs-Bourbon mit einer ehrlich erkennbaren Handschrift: floral, fruchtig und weich. Wer mehr Substanz erwartet, wird bei 40 % vol. und dem kurzen Abgang enttäuscht sein, die Reviews gehen hier auseinander. Seine Stärken sind Ausgewogenheit und Mixbarkeit, außerdem ist er ein guter Einstieg in das Rezept-System des Hauses. Daher unser Rating von 3,6: gut gemacht, aber ohne die Tiefe der höheren Linien. Wer Bourbon erst kennenlernt, findet im Artikel Whisky für Einsteiger weitere Orientierung; wer mehr will, probiert als Nächstes den Single Barrel.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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