Lange Zeit war GlenAllachie ein Name, den fast nur Blender kannten: Die 1967 bei Aberlour am Fuß des Ben Rinnes gebaute Speyside-Brennerei lieferte über Jahrzehnte Destillat für Blends und kaum eigene Flaschen. Das änderte sich 2017, als ein Konsortium um den Branchenveteranen Billy Walker die Anlage übernahm und ab 2018 eine Kernreihe mit echten Altersangaben auf den Markt brachte. Typisch sind eine ausgesprochen lange Gärung, eine bewusst breite Fasspolitik mit viel Sherryholz und eine Abfüllung ohne Kühlfilterung und Farbstoff. Heute zählt die Marke zu den auffälligsten Neuaufstellungen der Region. Das Porträt gibt den Überblick über Geschichte, Herstellung, Sortiment und Hausstil der Brennerei.
Überblick
- Name: GlenAllachie Distillery
- Ort: Aberlour, Moray, Schottland (am Fuß des Ben Rinnes)
- Gegründet: 1967
- Region: Speyside
- Besitzer: The GlenAllachie Distillers Company (Billy Walker, Graham Stevenson, Trisha Savage), seit 2017 unabhängig
- Typ: Single Malt Scotch Whisky
Historische Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1967 | Mackinlay McPherson, eine Tochter von Scottish & Newcastle Breweries, baut die Brennerei vor allem für Blending-Zwecke |
| 1985 | Invergordon Distillers übernimmt den Betrieb und legt ihn nach den meisten Quellen zunächst still |
| 1989 | Campbell Distillers nimmt die Produktion wieder auf und baut die Kapazität aus |
| 2001–2004 | Die Brennerei gehört zum Chivas-Brothers- bzw. Pernod-Ricard-Verbund (Jahresangaben je nach Quelle) |
| 2017 | Verkauf an ein Konsortium um Billy Walker; der Abschluss erfolgt im Oktober |
| 2018 | Start der Kernreihe und erster Single-Cask-Abfüllungen unter neuer Führung |
| 2019 | Der 15-Jährige erweitert die Kernreihe um eine reine Sherryfass-Abfüllung |
| Heute | Unabhängige Brennerei mit rund 50.000 reifenden Fässern, die zum Teil bis in die 1970er-Jahre zurückreichen |
Besonderheiten bei der Herstellung
Wasser und Gärung
Das Brauwasser stammt aus Quellen am Ben Rinnes. Die Maische gärt nach Angaben der Brennerei bis zu 160 Stunden in sechs Edelstahl-Washbacks, deutlich länger als bei vielen anderen Speyside-Häusern. Diese lange Zeit soll fruchtige Ester und einen kräftigeren Rohbrand begünstigen.
Brennblasen und Kapazität
Zum Einsatz kommen zwei laternenförmige Wash Stills und zwei zwiebelförmige Spirit Stills. Auf dem Papier schafft die Anlage rund vier Millionen Liter reinen Alkohol im Jahr, tatsächlich wird deutlich weniger gebrannt; die Angaben dazu reichen je nach Quelle von etwa 500.000 bis 800.000 Litern.
Fassreifung
GlenAllachie setzt auf eine breite Palette: Ex-Bourbon-Fässer bilden die Basis, dazu kommen Oloroso- und Pedro-Ximénez-Sherryfässer, Virgin Oak und in Sonderreihen Rotwein- oder andere Weinfässer. Die Kernreihe ist ungetorft, daneben gibt es nach einzelnen Quellen seit 2021 getorfte Sonderabfüllungen.
Produkte & Charakter
| Produkt | Alkoholvolumen | Charakteristik |
|---|---|---|
| GlenAllachie 8 Jahre | 46 % | Heidehonig, Butterscotch, Ingwer und Rosinen aus Sherry-, Virgin-Oak- und Rotweinfässern |
| GlenAllachie 10 Jahre Cask Strength | je nach Batch, meist rund 55–60 % | Honig, Toffee, Vanille und Marmelade, kraftvoll und batchweise abgefüllt |
| GlenAllachie 12 Jahre | 46 % | Honig, Marzipan, Banane und Butterscotch aus Oloroso, PX und Virgin Oak |
| GlenAllachie 15 Jahre | 46 % | Gewürze, Rosinen, Butterscotch und dunkle Schokolade aus reiner Sherryfass-Reifung |
| GlenAllachie 18 Jahre | 46 % | Rosinen, Marzipan, Honig, Kirsche und dunkle Schokolade |
| GlenAllachie 25 Jahre | 48 % | Sultaninen, Ananas, dunkle Schokolade und Weihnachtsgebäck |
Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: GlenAllachie 8 Jahre, GlenAllachie 10 Jahre Cask Strength, GlenAllachie 12 Jahre und GlenAllachie 15 Jahre.
Stil & Wiedererkennungswert
Der Hausstil ist süß, fruchtig und sherrygeprägt: Honig, Butterscotch, Rosinen und dunkle Schokolade tauchen quer durch die Reihe auf. Das Fundament liefert der lange gärende, vergleichsweise ölige Rohbrand, den die Fässer eher untermalen als überdecken. Hinzu kommt eine Transparenz, die bei Kernabfüllungen nicht selbstverständlich ist: Altersangabe, Fasstypen und Mindeststärke von 46 % stehen offen auf der Flasche, ohne Kühlfilterung und Farbstoff.
Unverwechselbar macht GlenAllachie außerdem die Geschichte der Lagerbestände. Weil die Brennerei lange nur für Blends arbeitete, lagen bei der Übernahme gut gereifte Fässer bereit, die nie unter eigenem Namen abgefüllt worden waren.
Fazit
GlenAllachie zeigt, wie schnell sich eine Blend-Zulieferin zur gefragten Marke entwickeln kann, wenn Fassbestand, Know-how und eine klare Linie zusammenkommen. Interessant ist die Brennerei für alle, die den süßen, fruchtigen Sherry-Stil der Speyside mögen und Wert auf offene Angaben legen. Die Schwäche liegt eher im schnellen Wachstum des Sortiments: Wer einsteigen will, hält sich am besten an die Kernreihe vom 8- bis zum 15-Jährigen und entscheidet dann, ob es mehr Fassstärke oder mehr Alter sein soll.

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