GlenAllachie 18 Jahre – Gereifte Fassmischung ohne Kühlfilterung
Der GlenAllachie 18 Jahre ist der Malt, mit dem eine bis vor wenigen Jahren fast nur Blendern bekannte Speyside-Brennerei ihre Fähigkeit zur Langzeitreifung zeigt. Er reift in einer Mischung aus amerikanischer Eiche, Virgin Oak und Sherryfässern (Oloroso und Pedro Ximénez), wird mit 46 % vol. abgefüllt und kommt ohne Kühlfilterung und ohne Farbstoff in die Flasche. Anders als bei einem reinen Sherry-Malt halten sich Süße und Holz die Waage; das Ergebnis wirkt harmonisch statt überladen.
Geschichte: Vom Blend-Lieferanten zur eigenen Marke
GlenAllachie wurde 1967 von Mackinlay McPherson am Fuß des Ben Rinnes bei Aberlour gebaut, vor allem für die Versorgung von Blends. 1985 kaufte Invergordon Distillers die Brennerei und legte sie still, 1989 übernahm Campbell Distillers und nahm die Produktion wieder auf. Später gehörte sie zu Chivas Brothers. Den Wendepunkt brachte 2017 der Verkauf an ein Konsortium aus Billy Walker, Trisha Savage und Graham Stevenson, die die GlenAllachie Distillers Company gründeten. Walker war zuvor bei BenRiach und GlenDronach tätig. Seitdem ist GlenAllachie eine der wenigen unabhängig geführten Speyside-Brennereien.
Ab 2018 erschien eine Kernreihe aus 10-, 12-, 18- und 25-Jährigem, später kamen weitere Altersstufen hinzu. Als Vorteil erwies sich, dass die Brennerei jahrzehntelang für Blends gearbeitet hatte: Beim Verkauf lagerten gut gereifte Fässer, die nie unter eigenem Namen abgefüllt worden waren. Rund 50.000 Fässer liegen in 16 Warehouses, einige reichen bis in die 1970er-Jahre zurück. Seit 2024 tritt die Marke mit einem neuen Erscheinungsbild und der „Wood Collection“ für limitierte Abfüllungen auf. Ausführlicher beschreibt das unser Porträt GlenAllachie Distillery – Speyside.
Der GlenAllachie 18 im Speziellen
Der 18-Jährige erschien 2018 mit der ersten Kernreihe; die erste Edition war nach Händlerangaben mit rund 1.000 Kartons und Fässern aus den 1970er-Jahren ausgesprochen klein. Heute gehört er zum festen Sortiment der Standardreihe. Das Fassprofil wird je nach Quelle unterschiedlich angegeben: Die frühe Edition nennt amerikanische Eiche sowie Oloroso- und PX-Sherry, andere Angaben, auch aktuelle, nennen zusätzlich Virgin Oak. Mit 46 % vol. liegt er über der üblichen Mindeststärke, und laut mehreren Angaben ist er weder kühlgefiltert noch gefärbt. Preislich ist er im Premium-Segment angesiedelt, wirkt für 18 Jahre aber vergleichsweise zugänglich.
Die Kritiken sind gut, aber nicht überschwänglich: Das amerikanische Whisky Advocate vergab 88 Punkte, ein belgischer Blog nur 82 und bemängelte, der Malt bleibe etwas zu sehr „in der neutralen Mitte“ und biete für das Alter nur mäßige Komplexität. Dafür lobte er die Ausgewogenheit zwischen den Fasstypen.
Herstellung: Lange Gärung und gemischte Fässer
Zwei laternenförmige Wash Stills und zwei zwiebelförmige Spirit Stills, ein Semi-Lauter-Maischebottich und sechs Washbacks aus Edelstahl bilden den Kern der Anlage. Auf dem Papier schafft die Brennerei bis zu vier Millionen Liter reinen Alkohol im Jahr; tatsächlich wird nach Angaben der Brennerei deutlich weniger gebrannt, zuletzt rund 500.000 Liter, mit einer bewusst verlängerten Gärzeit. Je nach Quelle ist von mehr als 100 bis zu 160 Stunden die Rede. Die langsame Gärung begünstigt fruchtige Ester, die zu der Fassmischung passen. Das Brauwasser kommt aus Quellen und Bächen am Ben Rinnes; die Kühlung läuft über Weiher, die vom Lour gespeist werden.
Bei den Fässern liegt der Reiz im Zusammenspiel: Sherryholz liefert Rosinen, Marzipan und Schokolade, amerikanische Eiche Vanille und Honig, Virgin Oak Gewürz und eine feste Struktur.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Warmes Bronze bis Mahagoni.
- Nase: Vanille, Toffee und Butterscotch, Honig und Trockenfrüchte, dazu Feigen, Orangenschale und ein Hauch Mokka; manche Tester finden auch Vanillekuchen, grüne Banane und helle Zitrusfrucht.
- Gaumen: Rosinen und Marzipan, dunkle Kirschen, Heidehonig und Zartbitterschokolade, dazu Backpflaumen, Datteln und Mandel; später Ingwer, Nelke und poliertes Eichenholz.
- Abgang: Mittellang bis lang, mit Kirschen und Rosinen, Ingwer und Vanille; am Ende trocknet er leicht und zeigt Muskat und Holzwürze.
Genuss-Empfehlung
Der GlenAllachie 18 wird am besten pur im Tulpenglas bei Zimmertemperatur getrunken, denn die Fassmischung entfaltet sich dann langsam im Glas. Ein paar Tropfen Wasser lockern die Gewürznoten, Eis würde die Süße und die feine Fruchtigkeit dämpfen. Gut passen dunkle Schokolade mit Orange, Mandelgebäck, Nüsse, getrocknete Feigen und gereifter Hartkäse. Als Dessertbegleiter funktioniert er zu einem Kirschkuchen oder einem Schokoladenfondant, weil sich Kirsche und Kakao im Glas wiederfinden.
Fazit
Der GlenAllachie 18 Jahre ist ein runder, süß-fruchtiger Premium-Malt für Whiskyfreunde, die Wert auf offene Angaben legen: Altersangabe, Stärke von 46 %, keine Kühlfilterung, kein Farbstoff. Wer mehr reine Sherrytiefe sucht, greift zum GlenAllachie 15 Jahre, der ausschließlich in Oloroso- und PX-Fässern reift und dabei preislich darunter liegt. Wer den Hausstil günstiger kennenlernen möchte, beginnt mit dem GlenAllachie 12 Jahre, der ebenfalls mit 46 % abgefüllt wird. Der 18-Jährige ist die ausgewogenste Abfüllung der Reihe: kein Überflieger, aber ein sehr solider, gut gemachter Speyside-Malt.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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