Highland Park 18 Jahre Viking Pride – nordische Balance von den Orkney-Inseln
Highland Park liegt auf den schottischen Orkney-Inseln und ist damit eine der nördlichsten Destillerien der Welt – ein Umstand, den die Marke bewusst in ihre "Viking"-Erzählung einbindet. Der 18 Jahre alte "Viking Pride" gilt seit Jahren als eine der meistprämierten Standardabfüllungen der Whiskywelt und reift ausschließlich in Ex-Sherry-Fässern aus europäischer und amerikanischer Eiche.
Charakteristisch für Highland Park ist der milde, aromatische Torfrauch der Orkney-Inseln, der deutlich zurückhaltender ausfällt als bei den Islay-Malts und stattdessen mit Honig- und Heidekrautnoten harmoniert – eine Balance, die der 18-Jährige in besonders ausgereifter Form zeigt.
Geschichte: Von illegaler Brennerei zur nördlichsten Destillerie der Welt
Der Überlieferung nach begann die Geschichte der Destillerie um 1798 mit Magnus Eunson, einem Metzger und Kirchendiener, der in Kirkwall illegal Whisky brannte und dabei Berichten zufolge einigen Erfindungsreichtum bewies, um sein Fassgut vor den Zöllnern zu verstecken, ehe der Betrieb 1826 offiziell lizenziert wurde. Als nördlichste Single-Malt-Destillerie der Welt liegt Highland Park einem rauen, fast baumlosen Klima ausgesetzt, das die Fassreifung über die Jahrzehnte spürbar mitprägt. 1937 ging das Unternehmen an James Grant & Sons of Glasgow, bevor es 1979 von der Edrington Group übernommen wurde – demselben Konzern, dem auch The Macallan gehört und der Highland Park bis heute als eigenständige, unabhängig positionierte Marke führt.
Der Highland Park 18 im Speziellen
Der 18-Jährige trägt den Beinamen "Viking Pride" und markiert innerhalb der Kernserie die gehobene Altersstufe oberhalb des 12-Jährigen, unterhalb der noch selteneren 21- und 25-jährigen Sonderabfüllungen. Er reift ausschließlich in sherrygewürzten Fässern aus europäischer und amerikanischer Eiche, die zuvor mit Oloroso-Sherry aus Jerez befüllt waren, und wird mit 43 % vol. leicht kräftiger abgefüllt als die Kernabfüllung. Über Jahre hinweg sammelte der 18-Jährige zahlreiche internationale Auszeichnungen und gilt bei vielen Fachjournalisten als eine der ausgewogensten Standardabfüllungen im gesamten schottischen Whiskymarkt – ein Ruf, den auch die konsequente Namensgebung der Reihe rund um "Viking Honour", "Viking Pride" und "Viking Legend" bewusst unterstreicht.
Herstellung: Heidekraut-Torf statt maritimer Jodnote
Anders als die Islay-Destillerien, deren Torf stark von maritimen, jodigen Aromen geprägt ist, stammt der bei Highland Park verwendete Torf aus Mooren der Orkney-Inseln mit einem ungewöhnlich hohen Heidekraut-Anteil. Das verleiht dem Rauch eine deutlich mildere, würzig-blumige statt medizinische Note. Dazu kommt ein handwerkliches Detail, das heute selten geworden ist: Die Destillerie mälzt einen Teil ihrer Gerste noch immer selbst auf den eigenen Mälzböden. Dieser Aufwand an Handarbeit, den nur wenige schottische Brennereien auf sich nehmen, lässt sich mit dem Zukauf von Industriemalz nicht vergleichen. In Kombination mit den langjährigen Sherryfässern entsteht so über 18 Jahre eine Tiefe, die die milde Rauchigkeit und die Sherry-Süße nahezu perfekt ausbalanciert.
Das raue, subarktische Klima der Orkney-Inseln – kaum Bäume, ständiger Wind vom Nordatlantik, wenig Temperaturschwankung über das Jahr – beeinflusst zusätzlich das Reifungsverhalten in den Lagerhäusern. Der konstante Luftaustausch sorgt für einen vergleichsweise gleichmäßigen, langsamen Reifeprozess, der über eine Reifezeit von 18 Jahren zu einer besonders ausgeglichenen, tiefen Aromenstruktur führt, ohne dass einzelne Komponenten – weder der Rauch noch die Sherry-Süße – zu dominant werden.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Tiefes Bernstein.
- Nase: Honig, dezenter Torfrauch und getrocknete Orangenschale, unterlegt von einer feinen Sherry-Würze und reifen Trockenfrüchten.
- Gaumen: Ausgewogen und komplex – Sherry-Süße, Rauch und eine feine Würze, mit einer angenehmen Cremigkeit, die der langen Fasslagerung entspringt.
- Abgang: Lang, warm-rauchig, mit nachklingender Honignote und einem letzten Hauch dunkler Schokolade.
Genuss-Empfehlung
Der Highland Park 18 Jahre zeigt sich am eindrucksvollsten pur, bei Zimmertemperatur und mit ausreichend Zeit, seine wechselnden Aromenschichten zu verfolgen. Ein tulpenförmiges Nosing-Glas konzentriert die feinen Aromen deutlich besser als ein breiter Tumbler. Kulinarisch passt er zu dunkler Schokolade, reifem Blauschimmelkäse oder einem würzigen Lebkuchengebäck – Begleiter, die seiner Sherry-Tiefe und milden Rauchigkeit ebenbürtig sind. Als Digestif nach einem festlichen Essen entfaltet er seine volle Komplexität besonders gut, wenn man sich mindestens 20 bis 30 Minuten Zeit für das Glas nimmt.
Einordnung & Alternativen
- Highland Park 12 Jahre Whisky – günstigerer, frischerer Einstieg in denselben Hausstil mit weniger Sherry-Tiefe.
- The Macallan 15 Jahre Double Cask Whisky – ähnlich sherrygeprägt, dafür ganz ohne Rauch.
- Talisker 18 Jahre Whisky – ebenfalls ein gereifter Islands-Malt, aber maritimer, pfeffriger und weniger süß.
Fazit
Der Highland Park 18 Jahre Viking Pride gilt zu Recht als einer der ausbalanciertesten Single Malts Schottlands – rauchig, aber nie dominant, süß, aber nie plump. Preislich zählt er zum gehobenen Premium-Segment, rechtfertigt den Aufpreis gegenüber dem 12-Jährigen aber durch die über Jahre gesammelten Auszeichnungen und die zusätzliche Tiefe der langen Sherry-Reifung. Wer die Stilistik der Destillerie zunächst günstiger kennenlernen möchte, findet im Highland Park 12 Jahre einen frischeren Einstieg; für Hintergründe zur Destillerie lohnt sich das Porträt der Highland Park Distillery. Der 18-Jährige bleibt dabei ein Whisky für besondere Momente, pur genossen.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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