Highland Park Cask Strength – Heidetorf und Sherry ohne Wasserzusatz
Der Highland Park Cask Strength zeigt die nördlichste schottische Single-Malt-Brennerei ungefiltert und unverdünnt: Der Whisky wird in Fassstärke abgefüllt, die aktuell gelistete Edition „Heather“ mit 63,6 % vol. Sie stammt aus erstbefüllten Sherry-Fässern aus europäischer und amerikanischer Eiche, ergänzt durch ausgewählte Refill-Fässer, und die gesamte Gerste ist mit Orkney-Torf geräuchert. Das Besondere ist die Verbindung aus Stärke und einem Rauch, der eher an verbrennendes Heidekraut als an Islay-Jod erinnert.
Geschichte: Vom Schmugglerversteck zur nördlichsten Brennerei
Highland Park nennt als Gründungsjahr 1798. Damals soll der Kirchendiener und Schmuggler Magnus Eunson in einer Hütte auf der Anhöhe High Park oberhalb von Kirkwall illegal gebrannt haben; die Zollbehörden gingen ab 1805 verstärkt gegen die Orkney-Schwarzbrenner vor. Nach 1813, als ein Konsortium das Anwesen kaufte – zu den Käufern zählte laut einer Darstellung ausgerechnet der Beamte John Robertson, der Eunson zuvor festgenommen hatte –, wurde aus dem Versteck eine legale Brennerei. 1895 stieg James Grant als Partner ein, 1937 ging das Haus an die Highland Distillers, die ihrerseits 1999 von der Edrington Group übernommen wurden. Erst 1979 brachte Highland Park mit dem Zwölfjährigen eine eigene Marke heraus; zuvor kauften Blender wie Chivas Brothers und Dewar’s den Whisky.
Die Cask-Strength-Reihe startete im Oktober 2020 mit Release No. 1 (63,3 % vol.), später folgten Chargen mit 64,3 % (Release No. 4, 2023, erstmals mit Port-Fässern) und 64,7 % (Release No. 5). Im November 2025 erschien als erste Edition der neu aufgelegten Reihe der „Heather“ unter Master Whisky Maker Marc Watson. Mehr zur Brennerei steht im Porträt Highland Park Distillery – Orkney Islands.
Der Highland Park Cask Strength im Speziellen
Der „Heather“ trägt keine Altersangabe und ist als limitierte Edition angelegt, eine Dauerlösung ist er nach Herstellerangaben nicht. Er ist nicht kühlfiltriert und mit natürlicher Farbe abgefüllt. Die Stärke schwankt je Edition: Frühere Chargen lagen zwischen 63 und knapp 65 % vol., der „Heather“ mit 63,6 % bewegt sich im selben Bereich. Preislich liegt er in der Premium-Klasse – weit unter den gereiften Highland-Park-Abfüllungen wie dem Highland Park 21 Jahre, aber über dem Zwölfjährigen.
Herstellung: Heidetorf, Mälzboden und salzige Luft
Der Torf kommt vom Hobbister Moor nahe der Brennerei. Weil es auf Orkney kaum Bäume gibt, besteht er überwiegend aus zersetztem Heidekraut, was dem Rauch eine florale Note gibt. Ein Teil des Malzes, rund 20 Prozent des Bedarfs, wird auf dem eigenen Mälzboden hergestellt; die Brennerei gehört zu den wenigen, die das noch tun. Für den „Heather“ ist die gesamte Gerste torfgeräuchert. Einen ppm-Wert nennt die Brennerei dazu nicht; für die Standardmischung der Brennerei wird nach einer Beschreibung auf rund 20 ppm getorftes mit ungetorftem Malz verschnitten, sodass im Destillat nur etwa 4 bis 6 ppm bleiben. Das harte Wasser stammt aus einer Quelle (Cattie Maggie’s), im Brennhaus stehen zwei Wash und zwei Spirit Stills. Etwa 90 Prozent der Fässer sind sherry-geseasoned, der Großteil reift auf der Insel – in Lagerhäusern mit salzhaltiger Luft.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Tiefes Bernstein, natürlich belassen.
- Nase: Lagerfeuerrauch, Vanilleschote und Brandy Butter; andere Verkoster nennen Butterscotch und Praline, auch moosige, erdige Töne.
- Gaumen: Ölig und reich, mit Marshmallow-Süße, Macadamia, Pfeffer und floralem Rauch. Pur ist er heiß und kräftig; einzelne Notizen nennen Pecan Pie und braune Butter. Mit etwas Wasser treten die Sherry-Töne und Kräuter hervor.
- Abgang: Lang, mit Vanillesüße und parfümiertem Rauch; der Torf wird zum Ende hin deutlicher, mit einem Hauch oxidiertem Sherry.
Unabhängige Bewertungen liegen im guten bis sehr guten Bereich (zwischen etwa 85 und 92 Punkten), vorhergehende Chargen wurden teils etwas höher bewertet; einzelne Verkoster fanden den Torf für ein Cask-Strength-Profil vergleichsweise dezent.
Genuss-Empfehlung
Am besten im Glencairn bei Zimmertemperatur, nach ein paar Minuten Ruhe im Glas. Bei 63,6 % vol. empfiehlt sich ein Spritzer stilles Wasser, schrittweise dosiert, bis der Alkohol zurücktritt und Frucht und Sherry hervortreten – bei rund 46 % treten laut einem Rezensenten die Sherry-Fässer am deutlichsten hervor. Eis ist nicht nötig. Zu Speisen passen Haggis mit Rübenstampf (die Edition erschien rund um die Burns Night), gegrillte Entenbrust, geräucherter Käse oder Zartbitterschokolade mit Meersalz: Fett und Salz fangen die Stärke auf, die Süße des Gerichts spiegelt die Marshmallow-Note.
Fazit
Der Highland Park Cask Strength ist ein kräftiger, süß-rauchiger Orkney-Malt für alle, die ihren Whisky selbst verdünnen wollen. Wer es milder und runder sucht, ist beim Highland Park 12 Jahre besser aufgehoben; wer mehr Reife und Sherry-Tiefe in dunklerer Ausprägung möchte, greift zum Highland Park 18 Jahre Viking Pride. Weil jede Edition der Reihe leicht anders ausfällt, ist er eher ein Jahrgangsdram als eine feste Konstante – solide, mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, aber ohne Überfliegerstatus.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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