Scotch Whisky

Lindores Abbey MCDXCIV Whisky

3,9/5 Redaktionsbewertung
46 % vol.MittelklasseEx-Bourbon-Fässer, Ex-Sherry-Butts und Rotwein-Barriques (nach Handelsangaben STR ex-Burgundy)Newburgh, Fife, Lowlands, Schottland
Scotch WhiskySingle MaltWhisky
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Lindores Abbey MCDXCIV – Ein junger Malt mit sehr altem Namen

Die römische Zahl auf dem Etikett steht für 1494: In jenem Jahr verzeichnen die schottischen Steuerakten erstmals Malz für die Herstellung von Aqua Vitae – am Standort der Abtei Lindores bei Newburgh in Fife. Der MCDXCIV ist das erste Whisky-Statement der 2017 wiedereröffneten Brennerei: ein Lowland-Single-Malt mit 46 % vol., ohne Kühlfilterung und ohne Farbstoff, der bewusst jung abgefüllt wurde und mehr aus der Geschichte als aus seiner Reifezeit erzählt.

Geschichte: Von Bruder Cor zur Familienbrennerei

Der Eintrag im Exchequer Roll ist das älteste bekannte schriftliche Zeugnis für schottische Whisky-Destillation: König Jakob IV. ließ dem Mönch John Cor „acht Bolls Malz“ zur Herstellung von Aqua Vitae übergeben. Cor gehörte zum Tironensian-Orden, dessen Abtei im späten 12. Jahrhundert gegründet worden war. Von der Abtei sind heute Ruinen erhalten, die neben der Brennerei besichtigt werden können.

Das Land kam Anfang des 20. Jahrhunderts – je nach Quelle 1912 oder 1913 – in den Besitz der Familie von Drew McKenzie Smith, dessen Großvater Farm und Abteireste kaufte. Drew und seine Frau Helen entwickelten daraus das Brennereiprojekt: Die Planung begann nach Angaben der Betreiber schon 2013, gebaut wurde ab 2016, die Wiedereröffnung samt Besucherzentrum folgte 2017. Betreiber ist die Lindores Distilling Co. Die Brennerei entstand in umgebauten Farmgebäuden aus Originalsteinen der Abtei. Für das erste Fass musste man trotzdem warten, denn ein Single Malt darf sich erst nach drei Jahren Fassreifung so nennen.

Der MCDXCIV im Speziellen

Die Erstabfüllung erschien im Sommer 2021, damals mit gut dreieinhalb Jahren. Es gab zwei Etiketten – die „Commemorative First Release“ und die dauerhafte Kernabfüllung –, gefüllt wurde laut Master of Malt in beiden Fällen dieselbe Flüssigkeit. Eine Altersangabe trägt die Flasche nicht, der Whisky zählt also zur Kategorie NAS; wie das zu bewerten ist, behandelt der Artikel NAS-Whisky ohne Altersangabe. Das Fassgefüge besteht nach Herstellerangabe aus ex-Bourbon-Fässern, ex-Sherry-Butts und Rotwein-Barriques; Händler nennen STR-Fässer (shaved, toasted, re-charred) vom Burgunder. Der Whisky wurde 2022 mit Double Gold bei der San Francisco World Spirits Competition ausgezeichnet.

Herstellung: Drei Brennblasen und lange Gärung

Der Aspekt, der Lindores von vielen Newcomern abhebt, ist die Brennanlage. Statt der üblichen Paarung aus einer Wash Still und einer Spirit Still arbeitet man mit einer Wash Still und zwei kleineren Spirit Stills, die parallel laufen. Für den Stil bedeutet das viel Kupferkontakt; nach Angaben von Whiskypedia hat die Wash Still etwa 10.000 Liter, die beiden Spirit Stills je rund 3.500 Liter, jeweils mit Kochkugel. Gegoren wird in vier Bottichen aus Douglasie, die Gärzeiten fallen nach Herstellerangaben lang aus (je nach Quelle zwischen 72 und bis zu 117 Stunden). Das Malz stammt laut Whiskypedia von Muntons und ist praktisch ungetorft. All das soll ein fruchtiges, nicht allzu schweres Destillat ergeben, das die Fässer eher begleiten als dominieren.

Für junge Brennereien ist so etwas wichtig. Ein Spirit, der nach drei bis vier Jahren noch nicht fertig ist, braucht entweder Holzkraft oder sauberes Handwerk – Gründer Drew McKenzie Smith betonte, ein gutes Fass könne manches verdecken, aber kein schlecht gemachtes Destillat retten.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Helles Gold, naturfarben.
  • Nase: Vanille, Karamell und weiche Toffeenoten, dazu Birne, Apfel und etwas Haselnuss; teils kommt ein Hauch Malz und Honig hinzu.
  • Gaumen: Cremig bis leicht ölig, mit Vanillefudge, getrockneten Früchten und Zitrus, gefolgt von zarter Würze.
  • Abgang: Mittellang, mit trocknender Eiche, Anis und nachklingender Obstgartenfrucht.

Genuss-Empfehlung

Pur und ohne Eile entfaltet der MCDXCIV seine milden Obst- und Vanillenoten am besten; ein kleiner Schluck stilles Wasser macht die Frucht zugänglicher, ohne die cremige Textur zu verlieren. Ein Tulpenglas konzentriert die zarten Aromen besser als ein Tumbler. Als Highball mit Soda und Zitronenzeste funktioniert der Whisky erstaunlich gut, weil sein leichter Körper dabei nicht untergeht. Zum Essen passen Birnentarte, mildes Gebäck mit Honig oder ein junger Hartkäse.

Einordnung & Alternativen

  • Kingsbarns Dream to Dram – ebenfalls aus Fife und ähnlich jung, aber floraler und tropischer, mit Ananas und Sommerbeeren statt Vanillecreme.
  • Glenkinchie 12 Jahre – der klassische Lowlander, grasig und trockener, dafür deutlich älter und weniger fruchtig-cremig.
  • Auchentoshan Three Wood – ebenfalls aus mehreren Fassarten, dreifach destilliert und süßer, mit kräftigerer Sherrynote.

Fazit

Der Lindores Abbey MCDXCIV ist ein sauberer, angenehm zugänglicher Lowland-Malt, der Geschichte und Handwerk überzeugend verbindet. Er zeigt, dass eine junge Brennerei mit gutem Destillat und einer sinnvollen Fassmischung schon früh Charakter beweisen kann; echte Tiefe und Komplexität dürfen Käufer bei der jungen Reife aber nicht erwarten. Als Einstieg in die Lowlands oder Whisky-Geschichte ist er hervorragend geeignet; wer ältere Malts gewohnt ist, wird ihn als frisch und unfertig empfinden. Die 3,9 Punkte spiegeln einen gelungenen Start mit klarem Entwicklungspotenzial wider.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße3/5
Rauch/Torf1/5
Fruchtigkeit3/5
Würze/Eiche2/5

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