Scotch Whisky

Longmorn 18 Jahre Whisky

4,4/5 Redaktionsbewertung
57.6 % vol.PremiumAmerikanische Eichenfässer (Barrels) und Hogsheads, überwiegend BourbonLongmorn bei Elgin, Speyside, Schottland
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Longmorn 18 Jahre – Fruchtiger Speysider in Fassstärke

Longmorn war lange ein Name, den vor allem Blender kannten. Heute bildet der 18 Jahre Single Batch die Spitze der Kernreihe der Destillerie bei Elgin: ein nicht kühlgefilterter Cask-Strength-Malt aus amerikanischer Eiche, der Obst, Schokolade und tropische Noten in den Mittelpunkt stellt. Die aktuelle Charge kommt mit 57,6 % vol. ins Glas; frühere Chargen können in der Stärke abweichen.

Geschichte: Vom Blender-Favoriten zur eigenen Marke

Gegründet wurde Longmorn von John Duff (laut Wikipedia gemeinsam mit Charles Shirres und George Thomson). Je nach Quelle wird 1893 oder 1894 genannt; sicher ist, dass die Destillation im Dezember 1894 begann. Duff soll sich mit dem Projekt finanziell überhoben haben, und James R. Grant übernahm die Anlage einige Jahre später. 1970 schloss sich Longmorn mit Glenlivet und Glen Grant zusammen, 1978 folgte der Verkauf an Seagram's/Chivas Brothers. Seit der Übernahme von Chivas Brothers im Jahr 2001 gehört die Brennerei zu Pernod Ricard.

Der Großteil der Produktion fließt bis heute in Blends; Quellen nennen unter anderem Chivas Regal, wie ihn der Chivas Regal 12 Jahre vertritt. Als Single Malt erschien zunächst ein 15-Jähriger (1993), den 2007 ein 16-Jähriger ablöste. Die Marke wurde mit dem Relaunch 2007 sichtbarer, doch der Begriff „Blender's Favourite“ blieb lange an ihr kleben.

Der Longmorn 18 Jahre im Speziellen

Der 16-Jährige war bis vor wenigen Jahren die bekannteste Flasche der Marke, ist aber nach der Quellenlage nicht mehr Teil des aktuellen Sortiments: Die offizielle Markenseite führt derzeit 18, 22 und 30 Jahre. Der 18-Jährige erscheint als Single Batch und wird laut Fachpresse nicht kühlgefiltert abgefüllt. Als Fassmix nennen Händler und Hersteller amerikanische Eichen-Barrels und Hogsheads; eine Fachquelle spricht von überwiegend Bourbonfässern, während der Hersteller selbst keinen genaueren Mix angibt. Sherryeinfluss spielt hier also keine Hauptrolle.

Wichtig für die Einordnung: Der Hersteller beschreibt den 18-Jährigen als jährliche Single-Batch-Abfüllung, also als Charge, die sich von Jahr zu Jahr leicht unterscheiden kann. Eine frühere Charge von 2022 wurde laut Datenbankeintrag noch mit 48 % vol. abgefüllt, die aktuellen Veröffentlichungen liegen dagegen bei Fassstärke. Beim Kauf lohnt deshalb ein Blick auf das Etikett. Fachjournalisten haben die Abfüllung 2024 hoch bewertet, der Hersteller selbst nennt sie den Malt, der dem klassischen Speyside-Profil am nächsten kommt.

Dass Longmorn damit in den Premiumbereich vorstößt, merkt man an der Aufmachung wie auch am Charakter: Der Malt ist kein leiser Alltagsmalt, sondern ein konzentrierter Speysider, der sich Zeit nimmt.

Herstellung: Acht Brennblasen und Bourbon-Eiche

Longmorn arbeitet mit vier Wash Stills und vier Spirit Stills. Die Brennerei wurde in den 1970er-Jahren erweitert, und die Kapazität spiegelt die Rolle als Blend-Lieferant wider. Ungewöhnlich ist, dass hier kein einzelner Aromaträger dominiert: Verkostungsnotizen beschreiben das Destillat als malzig, fruchtig und leicht wachsig, was sich gut für lange Reifung in Bourbonholz eignen dürfte. Die Eiche aus Ex-Bourbon-Fässern gibt Vanille, Kokos und Gewürznoten ab, ohne den Fruchtcharakter zuzudecken. Warum die Fassherkunft so prägt, ist im Beitrag Whisky-Fassreifung erklärt nachzulesen. Dass 57,6 % statt 46 % im Glas stehen, bringt zusätzlich Intensität und Öligkeit.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Tiefes Gold bis Bernstein.
  • Nase: Gestoofte Birnen und Kakaonibs, dazu Toffee-Äpfel, Aprikose, frische tropische Früchte und Spuren von Lavendel und Backgewürz.
  • Gaumen: Geraspelte Kokosnuss, Zitrusschale und kandierte Früchte, begleitet von Zimt und einer cremigen, öligen Textur.
  • Abgang: Lang, mit Backgewürz, Milchschokolade und feiner Eichenwürze.

Genuss-Empfehlung

Bei dieser Stärke empfiehlt sich ein Tulpenglas und ein bisschen Wasser, erst tropfenweise: Schon wenige Tropfen öffnen die Frucht und nehmen der Alkoholschärfe den Biss, ohne die Dichte zu verlieren. Eiswürfel sind für diesen Malt eher verschenkt, ein Highball scheidet aus. Gut passt er zu dunkler Schokolade mit hohem Kakaoanteil, Aprikosen-Tarte oder einem milden Hartkäse. Als Digestif nach einem üppigen Essen kommt die Süße der Frucht besonders gut zur Geltung, und wer mehrere Whiskys nacheinander probiert, stellt den Longmorn besser an den Anfang, bevor kräftigere Sherry- oder Torfmalts den Gaumen überlagern. Wegen der Stärke gilt wie immer: in kleinen Mengen und mit Genuss.

Einordnung & Alternativen

  • Glenfarclas 105 Cask Strength – ebenfalls Fassstärke aus der Speyside, aber stärker von Sherry geprägt und mit mehr Gewürz.
  • The Glenlivet 18 Jahre – Speyside-Nachbar aus demselben Konzern, deutlich zurückhaltender und weicher bei niedrigerer Abfüllstärke.
  • Strathisla 12 Jahre – ebenfalls ein Chivas-Brothers-Malt mit Blender-Vergangenheit, jünger und süßer-fruchtiger.

Fazit

Der Longmorn 18 Jahre Single Batch ist ein stark fruchtiger, öliger Speysider für alle, die Fassstärke mögen, aber keine schwere Sherrybombe suchen. Die Abfüllung hat viel Substanz und Eleganz zugleich, verlangt aber etwas Wasser und Geduld. Dass die ältere 16-Jahre-Flasche nicht mehr aktuell ist, ist schade, doch der 18-Jährige bietet eine überzeugende Fortsetzung. Für das Gebotene sind 4.4 Punkte gerechtfertigt, auch wenn er in der Premiumklasse eine gewisse Investition verlangt. Wer Stilunterschiede zur Insel kennenlernen will, findet sie im Beitrag Speyside vs. Islay.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße3/5
Rauch/Torf1/5
Fruchtigkeit4/5
Würze/Eiche3/5

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