Longrow 100 Proof – Der starke Torf mit einem Hauch Rotwein
Der Longrow 100 Proof ist die kräftigere Ergänzung zum Standard-Longrow aus der Brennerei Springbank in Campbeltown: schwer getorft, ohne Altersangabe und mit 57,1 % vol. abgefüllt, was genau 100 britischen Proof entspricht (114,2 nach US-Zählung). Der Zusatz im Namen ist also keine Fantasiebezeichnung, sondern die alte britische Stärkeangabe. Die Besonderheit liegt im Fass: Nach knapp vier Jahren in gebrauchten Bourbonfässern folgten über zwei Jahre in gebrauchten Pinot-Noir-Fässern. Die Abfüllung erscheint als Jahresausgabe (gelistet sind 2025 und 2026); ein Rezensent hofft auf künftige Editionen mit anderen Fasstypen.
Geschichte: Ein Name aus einer vergessenen Brennerei
Der Name Longrow stammt von einer Campbeltowner Brennerei, die 1824 von John Ross gebaut wurde und 1896 den Betrieb einstellte; nach Angaben von Springbank stand sie unmittelbar neben der heutigen Anlage, und das einstige Lagerhaus beherbergt heute die Abfüllhalle von Springbank. Springbank selbst wurde 1828 lizenziert und gehört seit 1837 der Familie Mitchell. Die erste Destillation der heutigen Marke Longrow erfolgte 1973, als das Haus eine rauchige, ölige Komponente für einen Blend brauchte; reguläre Produktion gibt es nach Herstellerangaben seit den 1990er-Jahren. Die Brennerei selbst stellt der Beitrag zur Springbank Distillery ausführlicher vor.
Interessant ist die jüngere Geschichte der Reihe. Ab 2015 erschien jährlich der Longrow Red, ein Longrow mit Rotweinfass-Finish, dessen erste Ausgabe von 2015 mit Pinot Noir nach Angaben der Datenbank Whiskypedia als erster Scotch im neuseeländischen Weinfass gilt. Die Serie war in der Fachpresse nicht unumstritten – ein Rezensent nannte sie „hit and miss“. 2025 löste der 100 Proof sie ab: Er trägt weiterhin ein rotes Etikett, nennt den Wein aber nicht mehr als Thema auf der Vorderseite. Die erste Ausgabe trägt den Abfüllcode 25/01 und wurde im Januar 2025 abgefüllt; für 2026 ist eine weitere Edition gelistet.
Der Longrow 100 Proof im Speziellen
Laut Springbank-Website reift der Whisky knapp vier Jahre in Refill-Bourbonfässern und danach über zwei Jahre in Refill-Pinot-Noir-Fässern. Andere Rezensionen sprechen von etwa sechs plus zwei Jahren; wir folgen der Brennerei. Eine Altersangabe fehlt, der Whisky ist also ein sehr junger Longrow. Eine Rezension nennt die Abfüllung ungefärbt und nicht kühlgefiltert, was zur Linie von Springbank passt, die Brennerei selbst erwähnt es auf der betreffenden Seite nicht. Im Vergleich mit dem Longrow Peated bei 46 % vol. wirkt der 100 Proof kantiger, schärfer und deutlich fassstärker; gegenüber dem Longrow 21 Jahre ist er jugendlich und ungeschliffen.
Herstellung: Sanfter Wein, ungebremster Rauch
Wie bei jedem Longrow wird das Malz in der hauseigenen Mälzerei rund 48 Stunden über Torffeuer getrocknet und zweifach destilliert; das Destillat verlässt die Brennblase bei etwa 68 % vol. Die erste Longrow-Abfüllung hatte nach einer Datenbank-Quelle bis zu 50 ppm Phenol, ein offizieller Wert für den 100 Proof ist nicht veröffentlicht. Die Pinot-Noir-Fässer sind im Glas dezent: Tester beschreiben sie als zurückhaltend, mit roten Beeren statt deutlichem Weincharakter.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Gold bis Bernstein, nach Angaben der Quellen ungefärbt.
- Nase: Medizinischer, an TCP erinnernder Torfrauch und rote Johannisbeere, dazu Maschinenöl, Kohlenstaub und geräucherte Mandeln; manche Tester finden Erdbeermarmelade und Tabak.
- Gaumen: Dick und ölig, weicher als die Nase. Crème brûlée, Vanille und Mandel, dann erdiger, leicht muffiger Torf, schwarzer Pfeffer und geräuchertes Fleisch; dunkle Kirsche wechselt mit Bitterkaffee.
- Abgang: Lang, mit Rauch, Salz, Marzipan und süßen Cola-Würfeln, am Ende trocken, aschig und pfeffrig.
Genuss-Empfehlung
Bei über 57 % vol. schmeckt der Longrow 100 Proof pur im Tulpenglas mit einem Schuss stillem Wasser am besten; ein Rezensent bemerkte zudem, dass er nach einigen Wochen offener Flasche besser wurde. Mit Eis verliert er Textur und Torf. Zu Speisen passen gegrillte Lammkoteletts, Räucherschinken, kräftiger Blauschimmelkäse oder dunkle Schokolade mit Meersalz; die rote Frucht im Whisky greift Beerensaucen und Wildgerichte auf. Zum Cocktail, etwa als rauchiger Twist im Old Fashioned, taugt er ebenfalls, weil die Stärke gegen Zucker und Bitters bestehen kann.
Fazit
Der Longrow 100 Proof ist ein aufregender, aber nicht makelloser Neuzugang: Sein Rauch ist ehrlich, das Fass zurückhaltend und der Charakter herrlich ruppig. Reviews bewegen sich zwischen 84 und 86 von 100 Punkten, wobei ein Rezensent ihn als „not a must-have“ bezeichnete und ein anderer ihn als einen der stärksten Value-Tipps unter den jüngeren getorften Campbeltown-Abfüllungen sah. Wer den Hausstil sanft kennenlernen will, beginnt mit dem Longrow Peated oder dem Springbank 12 Jahre Cask Strength; wer das gereifte Ende sucht, schaut auf den Longrow 21 Jahre. Preislich liegt der 100 Proof in der gehobenen Mittelklasse.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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