Longrow 21 Jahre – Wenn Torf erwachsen wird
Der Longrow 21 Jahre gehört zu den seltenen Abfüllungen, bei denen schwer getorftes Destillat über zwei Jahrzehnte Zeit zum Reifen hatte. Die Ausgabe stammt vom Familienbetrieb Springbank in Campbeltown und wird mit 46 % vol. abgefüllt, nach Angaben der Händler ohne Kühlfiltration und ohne Farbstoff. Statt Lagerfeuer-Wucht bietet der Einundzwanzigjährige eine feine Mischung aus Frucht, Salz und Rauch, in der der Torf nicht verschwunden ist, aber längst nicht mehr die Hauptrolle spielt. Die Zusammensetzung der Fässer ändert sich von Edition zu Edition.
Geschichte: Ein Familienbetrieb mit langem Atem
Springbank wurde 1828 lizenziert und befindet sich seit 1837 im Besitz der Familie Mitchell, die das Unternehmen als J&A Mitchell & Company führt. Die Brennerei musste zwischen 1979 und 1989 eine wirtschaftlich bedingte Pause einlegen, überstand diese aber und ist heute eine der wenigen Brennereien Schottlands, die Mälzen, Destillieren, Reifen und Abfüllen am selben Standort vereinen. Das Porträt der Springbank Distillery erzählt mehr über das Haus.
Bei Longrow wird die Geduld des Hauses besonders sichtbar. Die erste Destillation fand 1973 statt,. Nach Angaben von Whiskypedia erschienen schon früh Altersabfüllungen: 1987 ein Vierzehnjähriger, 1990 ein Sechzehnjähriger aus Sherryfässern, 1996 ein Einundzwanzigjähriger, 1997 ein Zehnjähriger. Die aktuelle 21-Jahre-Reihe knüpft daran an. Zuletzt erschienen Editionen 2019, 2020, 2022 und 2023; die Abfüllungen sind limitiert, und mehrere Händler begrenzen die Abgabe pro Kunde. Eine Händlerseite nennt für eine Edition 3.600 Flaschen. 2013 wurde Longrow bei den World Whiskies Awards als bester Campbeltown Single Malt ausgezeichnet.
Der Longrow 21 Jahre im Speziellen
Anders als das Basisprodukt Longrow Peated ist der Einundzwanzigjährige eine Jahresabfüllung mit wechselnder Fassmischung. Die Edition 2023 (Abfüllcode 23/218, abgefüllt am 18. Oktober 2023) kombinierte rund 65 % Sherryfässer mit 35 % Bourbonfässern. Die Edition 2022 bestand dagegen aus 60 % Sherry-, 30 % Bourbon- und 10 % Chardonnayfässern. Weil die Ausgaben ähnlich, aber nie identisch sind, lohnt ein Blick auf Abfülljahr und Chargencode. Alle genannten Editionen liegen bei 46 % vol.
Zu den Phenolen ist die Quellenlage dünn: Eine Rezension nennt 55 ppm, die Brennerei hat nach unserer Recherche keinen offiziellen Wert für diese Abfüllung veröffentlicht. Preislich ordnet sich der 21 Jahre ganz oben im Longrow-Sortiment ein, weit über dem Longrow 100 Proof, und gehört klar zur Super-Premium-Klasse.
Herstellung: Rauch aus der eigenen Mälzerei
Longrow wird, wie in der Hausbeschreibung erwähnt, aus Malz hergestellt, das Springbank selbst auf Malztennen produziert und rund 48 Stunden über Torffeuer trocknet. Das Destillat wird nur zweifach gebrannt und verlässt die Brennblase mit etwa 68 % vol., was einen schwereren, öligeren Brand ergibt als bei dreifacher Destillation. Direkt befeuerte Wash Still und Worm-Tub-Kondensator gehören zur Ausstattung; beides gilt als Teil des öligen, kernigen Hausstils.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Tiefes Gold bis Bernstein, ungefärbt.
- Nase: Herzhafter Auftakt mit Haselnuss und schwarzer Johannisbeere, dazu Zitrone, gegrillte Ananas, Quitte und Meeresgischt. Der Torfrauch bleibt dezent, begleitet von Vanille und geröstetem Eichenholz; der Sherry ist spürbar, aber dominiert nicht.
- Gaumen: Sirupartig und doch fein, mit Zitrus, Ananas und Quitte, dazu Cola-Bonbon, Rosmarin und Thymian, Marzipan und Honig; im Hintergrund Zigarrenkistenrauch. Einige Verkoster beschreiben auch Trockenfrüchte, Karamell und dunkle Schokolade.
- Abgang: Lang und herzhaft: Kieselstrand, Feuerstein und Seetang, dazu Walnuss, Mandarine, feuchter Tabak und feiner Torfrauch.
Genuss-Empfehlung
Bei 46 % vol. und diesem Alter gehört der Longrow 21 pur ins Nosing-Glas, bei Zimmertemperatur und mit etwas Geduld; Wasser ist selten nötig, ein einzelner Tropfen kann die Zitrus- und Kräuternoten stärker hervorheben. Eis wäre Verschwendung. Zu Tisch passt er zu gereiftem Hartkäse, Jakobsmuscheln, Räucheraal oder dunkler Schokolade mit Salz, deren Bitterkeit den Rauch trägt. Wer eine Flasche besitzt, genießt sie am besten als Digestif nach einem Essen und nimmt sich Zeit, denn der Whisky verändert sich im Glas spürbar.
Fazit
Der Longrow 21 Jahre ist der gereifte, elegante Gegenentwurf zu den ruppigen Jungen der Familie. Die Bewertungen sind sehr gut: zwischen 87 und 90 von 100 Punkten bei Rezensenten, 89 im Durchschnitt einer großen Datenbank. Ein Tester hielt sich zurück und bevorzugte andere Chargen sowie den leichter erhältlichen Longrow 18. Der Preis ist hoch und die Verfügbarkeit schwierig, deshalb ist die Flasche eher etwas für Sammler und Genießer als für den Alltag. Wer den Longrow-Stil erst kennenlernen will, beginnt mit dem Longrow Peated und kommt dann zum Springbank 15 Jahre oder zu diesem Einundzwanzigjährigen.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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