Noah's Mill Small Batch Bourbon – kräftig, nussig und ohne Altersangabe
Der Noah's Mill gehört zu den Bourbons, die man an der Flasche erkennt, bevor man das Etikett gelesen hat: ein grünlich getöntes Glas in Weinflaschenform, ein altmodisches Etikett und der Zusatz „Genuine Bourbon Whiskey". Hinter der Marke steht die Familie Kulsveen aus Bardstown, Kentucky, abgefüllt wird mit 57,15 % vol. (114,3 Proof). Das ist viel Stärke für eine reguläre Abfüllung, und genau davon lebt der Whiskey: Er ist würzig, holzbetont und braucht ein wenig Wasser, um seine Nussnoten freizugeben.
Geschichte: Eine Marke mit fiktivem Namen
Die Marke stammt aus dem Umfeld der Brennerei, die heute als Willett Distillery firmiert. Das Unternehmen wurde 1936 als Willett Distilling Company gegründet und stellte 1937 die erste Charge her. Nach einem Betriebsstopp in den 1970er-Jahren kauften 1984 Even Kulsveen, ein aus Norwegen eingewanderter Unternehmer, und seine Frau Martha, eine geborene Willett, Firma und Gelände und nannten das Unternehmen Kentucky Bourbon Distillers (KBD). Unter diesem Namen füllten sie zunächst Bestände ab, die noch im Lager lagen, und kauften später Fässer anderer Brennereien zu. Erst 2012 kehrte der Name Willett Distillery zurück, und die Anlage nahm den Probebetrieb wieder auf.
Noah's Mill zählt zu den Kleinserien-Marken aus dieser KBD-Zeit, neben Namen wie Rowan's Creek, Kentucky Vintage oder Johnny Drum. Die auf dem Etikett genannte „Noah's Mill Distilling Company" ist ein Firmenname für die Abfüllung, kein eigener Betrieb; das Haus verwendet solche fiktiven Namen häufiger. Woher der Name „Noah's Mill" stammt, ist in den Quellen nicht belegt; eine Herleitung lassen wir deshalb weg.
Der Noah's Mill im Speziellen
Das Etikett nennt kein Alter. Früher trug die Flasche eine Fünfzehnjahresangabe, die später verschwand; Rezensenten berichten, dass der Inhalt seither jünger ausfällt. Was heute im Glas steckt, wird je nach Quelle unterschiedlich beschrieben: Ein US-Vertriebspartner nennt vier bis zehn Jahre, ein Blogger vier bis fünfzehn. Eine Herstellerangabe dazu fanden wir nicht, wir geben daher keine Zahl an.
Auch zur Herkunft des Destillats bleibt die Lage offen. Willett nennt auf der eigenen Produktseite eine Mashbill aus 72 % Mais, 13 % Roggen und 15 % Gerstenmalz; ob jede Charge am eigenen Standort gebrannt wurde oder auch Bestände anderer Brennereien einfließen, sagt das Haus nicht. Wikipedia verweist darauf, dass die Firma die Herkunft ihrer Whiskeys generell nicht offenlegt. Laut einem US-Vertriebspartner ist er die stärkste regulär erhältliche Abfüllung in Willetts Small-Batch-Reihe.
Zur Einordnung der Stärke: Die 57,15 % sind eine feste Größe, nicht chargenabhängig wie bei einem klassischen Fassstärke-Bourbon. Wie das Verhältnis von Fass, Wasser und Abfüllstärke funktioniert, erklärt unser Beitrag zu Cask Strength und Proof.
Herstellung: Sour Mash und neue Eiche
Nach Angaben eines US-Vertriebspartners wird in Bardstown mit Sour-Mash-Verfahren gearbeitet, mit eigener Hefe, anschließender Destillation über Kolonne und Pot Still und Wasser aus dem hauseigenen Kalksteinuntergrund. Wie viele dieser Schritte bei jeder einzelnen Charge zutreffen, bleibt aus den genannten Gründen offen. Gesichert ist dagegen, was für jeden Straight Bourbon gilt: Er reift in neuen, ausgekohlten Eichenfässern, ohne Zusatz von Farbstoffen oder Aromen. Als Eintrittsstärke ins Fass nennt Willett 125 Proof (62,5 % vol.).
Der Zusatz „Small Batch" ist wie in der gesamten Branche nicht rechtlich definiert; wie man ihn einordnet, steht in unserem Überblick zu Small Batch, Single Barrel und Single Cask. Wichtig bleibt, dass die Flaschen aus einer Mischung mehrerer Fässer entstehen, nicht aus einem einzelnen.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Honigbraunes bis kräftiges Bernstein.
- Nase: Alter Eichenbalken, Orangenschale und Vanille, dazu Zimt, Piment und geröstete Nüsse. Der Alkohol steht vorn und lässt nach etwas Luft nach.
- Gaumen: Der Auftakt ist scharf und würzig, dann folgen Toffee, geröstete Pekannüsse und gebrannter Zucker. In der Mitte wird er cremiger, am Ende melden sich Roggenwürze, Minze und ein Hauch dunkler Beeren.
- Abgang: Mittellang bis lang, trocken, mit Eiche, Muskat, Orangenschale und einer leicht bitteren Nussnote.
Das Profil ist eher würzig als süß und deutlich holzgeprägt; fruchtige Töne treten nur als Orange und ein wenig Beere auf, Rauch gibt es nicht. Mit einem Teelöffel Wasser lässt die Schärfe nach, die Süße tritt hervor, zu viel Wasser macht ihn flach. Einzelne Rezensenten empfinden den Gaumen als jung und spitz, was zu der unklaren Altersfrage passt.
Genuss-Empfehlung
Am besten schmeckt er pur im Nosing-Glas oder Tumbler, zunächst unverdünnt, danach mit ein paar Tropfen Wasser. Auf einem großen Eiswürfel wird er ruhiger und eignet sich als Digestif. Dieselbe Quelle schlägt außerdem einen Mint Julep vor, was zur Minzigkeit im Roggenanteil passt. Im Old Fashioned oder Manhattan setzt er sich auch gegen Bitters und Vermut durch, braucht dann aber nur wenig Zucker. Zu Tisch passen Pekannusskuchen, dunkle Schokolade, Rippchen mit Barbecue-Glasur oder ein kräftiger Cheddar.
Einordnung & Alternativen
- Elijah Craig Barrel Proof: noch stärker und je nach Charge schwankend, mit viel Eiche und braunem Zucker.
- Wild Turkey Rare Breed: ähnlich hohe Stärke und ebenfalls Orangenschale und Roggenwürze, dazu ein bekannter Altersmix.
- Booker's Bourbon: unverdünnt und ungefiltert abgefüllt, meist deutlich über 60 % vol.
Fazit
Der Noah's Mill Small Batch Bourbon ist ein würziger, holzbetonter Bourbon für Trinker, die Kraft mögen und gern mit Wasser arbeiten. Seine Nussigkeit und die trockene Orangennote machen ihn eigenständig, die Schärfe am Anfang und die unklare Alters- und Herkunftsangabe halten ihn von der Spitzenklasse fern. Für Bourbon-Fans mit etwas Erfahrung ist er eine überzeugende Wahl, für Einsteiger eher zu kantig. Deshalb 4,2 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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