Old Forester Statesman – die älteste durchgängig produzierte Bourbon-Marke der USA
Old Forester wurde 1870 gegründet und gilt als die erste Bourbon-Marke, die ausschließlich in versiegelten Flaschen statt aus dem Fass verkauft wurde – ein Qualitätsversprechen, das bis heute Teil des Markenkerns ist. Zudem überstand die Marke als eine von nur wenigen die Prohibition durchgängig, da sie eine Lizenz für "medizinischen Whiskey" besaß.
Geschichte: Vom Pharmavertreter zur ältesten Bourbon-Marke Amerikas
Gegründet wurde Old Forester 1870 von George Garvin Brown, einem ehemaligen Pharmavertreter, der zu einer Zeit, in der Bourbon meist direkt aus dem Fass verkauft und häufig mit minderwertigem Alkohol gestreckt wurde, bewusst auf versiegelte, markengeschützte Flaschen setzte. Dieses Qualitäts- und Herkunftsversprechen machte Old Forester zur ersten durchgängig in Flaschen abgefüllten Bourbon-Marke der USA und legte den Grundstein für das bis heute bestehende Familienunternehmen Brown-Forman. Während der Prohibition von 1920 bis 1933, als die Herstellung von Alkohol in den gesamten Vereinigten Staaten verboten war, gehörte Brown-Forman zu nur sechs Unternehmen, denen eine staatliche Lizenz zur Produktion von "medizinischem Whiskey" erteilt wurde – eine der wenigen legalen Möglichkeiten, in dieser Zeit überhaupt noch Whiskey herzustellen und zu verkaufen. In dieser Phase wandelte sich Old Forester zudem von einem ursprünglich blended Whiskey zu einem reinen Straight Bourbon mit 100 Proof (50 % vol.). Brown-Forman ist bis heute an der New Yorker Börse notiert, wobei die Gründerfamilie Brown auch im 21. Jahrhundert noch mehr als 70 Prozent der Stimmrechte hält – eine seltene Kontinuität in einer Branche, die von zahlreichen Übernahmen internationaler Konzerne geprägt ist. Mehr zum Haus hinter der Marke steht in unserem Porträt: Old Forester Distillery.
Der Old Forester Statesman im Speziellen
Der Statesman wird ausschließlich für den internationalen Reisemarkt ("Travel Retail") abgefüllt und in höherer Trinkstärke als die Standard-Abfüllung präsentiert. Mit 47,5 % vol. (95 Proof) liegt er deutlich über der klassischen Old-Forester-Signature-Abfüllung mit 43 % vol. und zeigt damit die traditionelle Rezeptur des Hauses in einer intensiveren, kräftigeren Variante. Der Name und die Aufmachung der Abfüllung wurden nach eigenen Angaben von den Figuren des Kinofilms "Kingsman: The Golden Circle" inspiriert, in dem Old Forester als fiktive Hausmarke eines exklusiven Gentleman-Clubs auftauchte – eine ungewöhnliche Verbindung zwischen Popkultur und einer der traditionsreichsten Bourbon-Marken Amerikas.
Herstellung: Master Distiller Chris Morris und die Louisville-Tradition
Produziert wird Old Forester weiterhin am historischen Standort in und um Louisville, Kentucky, unter der Leitung von Master Distiller Chris Morris, der die Marke seit 2006 verantwortet. Die traditionelle Mashbill des Hauses setzt auf Mais, Roggen und Gerstenmalz und wird in neuen, innen ausgebrannten amerikanischen Weißeichenfässern gereift, wie es das US-Recht für Straight Bourbon vorschreibt. Für den Statesman wählt die Destillerie gezielt kräftigere, konzentriertere Fässer aus dem eigenen Bestand aus, um die höhere Abfüllstärke geschmacklich zu tragen, ohne dass der Bourbon dabei unausgewogen oder zu alkoholbetont wirkt.
Als "Travel Retail Exclusive" ist der Statesman bewusst nicht im regulären Einzelhandel der USA erhältlich, sondern richtet sich vor allem an internationale Reisende, die die Marke an Flughäfen oder in Duty-Free-Shops außerhalb Amerikas entdecken. Diese Vertriebsstrategie erlaubt es Brown-Forman, mit dem Statesman gezielt neue, whiskyaffine Zielgruppen jenseits des klassischen US-Heimatmarktes anzusprechen, ohne das etablierte Sortiment der Kernmarke zu verändern.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Tiefes Kupfer-Bernstein.
- Nase: Karamell, reife Kirschen und eine deutliche Röstaromen-Note, dazu ein Hauch dunkler Toffee und Nelke.
- Gaumen: Kraftvoll und würzig – Karamell, Nelke und eine spürbare Getreidewürze, unterlegt von einer warmen, holzbetonten Tiefe.
- Abgang: Lang, warm und würzig, mit nachklingender Eiche und einem leicht rauchigen Röstaroma.
Genuss-Empfehlung
Aufgrund der höheren Trinkstärke lohnt es sich, den Statesman zunächst pur zu verkosten, bevor Eis oder Wasser hinzukommen, um die volle Röst- und Gewürzintensität kennenzulernen. Der Old Forester Statesman zeigt sich pur ebenso überzeugend wie auf Eis, wo die höhere Trinkstärke auch bei etwas Verdünnung noch ausreichend Aroma behält. Als robuste Basis für einen klassischen Manhattan entfaltet er dank seiner Würze und Fülle besonderes Potenzial. Kulinarisch passt er hervorragend zu gegrilltem Rindfleisch, dunkler Schokolade oder würzigen Kirschdesserts – kräftige Begleiter, die der intensiven Eichen- und Gewürznote standhalten.
Einordnung & Alternativen
- Woodford Reserve Kentucky Bourbon – milder und zugänglicher, dafür ganzjährig im regulären Handel statt nur im Duty-Free verfügbar.
- Four Roses Single Barrel – fruchtiger und weniger röstig, mit stärkerem Fokus auf Einzelfass-Charakter statt Travel-Retail-Exklusivität.
- Wild Turkey 101 Bourbon – ähnlich hohe Trinkstärke, aber schärfer und rustikaler statt so abgerundet würzig.
Fazit
Der Old Forester Statesman zeigt die traditionsreiche Rezeptur einer der ältesten amerikanischen Bourbon-Marken in kraftvoller, konzentrierter Form. Pur, auf Eis oder als robuste Basis für einen Manhattan. Als Mittelklasse-Bourbon liefert er für sein Preissegment eine überdurchschnittliche Intensität, die man im regulären Einzelhandel oft erst in höheren Preisklassen findet. Wer die etwas mildere, klassische Interpretation derselben Rezeptur kennenlernen möchte, findet in der regulären Old-Forester-Signature-Abfüllung mit 43 % vol. den zugänglicheren Ausgangspunkt, während der Statesman durch seine höhere Fassstärke gezielt erfahrenere Bourbon-Trinker anspricht.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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