Die Paul John Distillery in Goa an Indiens Westküste gehört zu John Distilleries, einem Konzern mit Sitz in Bengaluru (früher Bangalore). Namensgeber ist der Firmengründer Paul P. John. Während das Unternehmen schon früher Blends herstellte, wird in Goa seit 2008 Single Malt gebrannt, international erschien der erste Whisky 2012. Besonders macht die Marke die Verbindung aus indischer Sechszeilengerste und Tropenreifung, die zu kräftigen, süßen und würzigen Malts in vergleichsweise kurzer Zeit führt.
Überblick
- Name: Paul John Distillery (Marke: Paul John)
- Ort: Goa, Indien (nach Herstellerangaben bei Cuncolim)
- Gegründet: Single-Malt-Brennerei 2008; Mutterkonzern John Distilleries 1992 oder 1996 (je nach Quelle)
- Region: Indien
- Besitzer: John Distilleries Pvt. Ltd., Bengaluru
- Typ: Indischer Single Malt Whisky, ungetorft bis stark getorft, nicht kühlgefiltert
Historische Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1992 / 1996 | John Distilleries entsteht in Bengaluru, die Quellen nennen beide Jahre |
| 2008 | In Goa beginnt die Herstellung von Single Malt, erste Fässer werden eingelagert |
| 2012 | Am 4. Oktober erscheint in London mit der Paul John Single Cask 161 der erste Single Malt in Europa |
| 2013 | Im Mai folgt die Kernreihe Brilliance, Edited und Bold |
| 2016 | Der Whisky kommt auch auf den indischen Markt |
| 2018 | Besondere Editionen wie die Mars-Orbiter-Abfüllung und die jährliche Christmas Edition erscheinen |
Besonderheiten bei der Herstellung
Sechszeilengerste aus dem Himalaya-Vorland
Die Brennerei verarbeitet sechszeilige Gerste aus Nordindien, die nach Herstellerangaben aus Rajasthan, Haryana und dem Vorland des Himalaya stammt. Gegenüber der in Schottland üblichen zweizeiligen Gerste enthält sie mehr Eiweiß und Faser, was dem Brand nach Herstellerangaben einen kräftigeren, öligeren Charakter gibt. Für die getorften Varianten kommt Torf aus Schottland zum Einsatz. Die Edited-Linie gilt als leicht, die Bold-Linie als stark getorft.
Brennblasen und Wasser
Destilliert wird in Kupferbrennblasen indischer Fertigung. Zur genauen Zahl widersprechen sich die Fachquellen, manche nennen je eine Wash und eine Spirit Still, andere zwei Sätze. Die Kapazität wurde nach Berichten zuletzt verdoppelt, belastbare Zahlen fehlen. Das Wasser kommt nach Herstellerangaben aus Goa und zählt zu den Gründen, warum die Brenner den Standort wählten.
Tropenreifung
Das heiße, feuchte Klima Goas beschleunigt die Reifung und lässt deutlich mehr Alkohol und Wasser aus den Fässern verdunsten als in Schottland. Der Master Distiller schätzt, dass vier bis fünf Jahre in Goa dem Einfluss von rund 15 Jahren in Schottland nahekommen. Das ist eine Selbstauskunft und kein Messwert. Gelagert wird in Lagerhäusern über der Erde und einem unterirdischen, kühleren Keller, zusammen etwa 10.000 Fässer. Meist reift der Whisky in ex-amerikanischen Bourbonfässern, einzelne Linien in Sherry-Fässern.
Produkte & Charakter
| Produkt | Alkoholvolumen | Charakteristik |
|---|---|---|
| Paul John Brilliance | 46 % | Ungetorfter Kern der Reihe, ex-Bourbon, süß und würzig mit Honig und Orangenschale |
| Paul John Edited | 46 % | Leicht getorfte Variante, rauchiger als Brilliance |
| Paul John Bold | 46 % | Stark getorfte Variante der Kernreihe |
| Paul John Select Cask | über 46 % (je Abfüllung) | Ausgesuchte Einzelfassreihe, etwa als Classic, Peated, Oloroso oder PX |
Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Paul John Brilliance.
Stil & Wiedererkennungswert
Paul John steht für einen kräftigen Hausstil: Getreide mit leicht rustikalem Charakter, dazu Honig, Gewürze, Orange und eine deutliche Fassnote. Trotz des jungen Alters zeigt der Whisky eine deutliche Fassprägung. Die Marke verzichtet nach Eigenauskunft auf Kühlfiltration und Zusatzstoffe, alle Abfüllungen haben mindestens 46 % vol.
Der wichtigste indische Vergleich ist Amrut aus Bengaluru, ebenfalls mit warmem Reifeklima, aber mit eigener Handschrift. Wer weitere Brennereien des Landes sucht, kann zusätzlich das Porträt von Indri lesen. Wer wissen möchte, wie sich unterschiedliche Klimazonen und Fassarten auf Whisky auswirken, findet die Grundlagen im Beitrag Whisky-Fassreifung erklärt; für Torfstufen hilft der Artikel zum Phenolwert in ppm.
Fazit
Paul John eignet sich für alle, die neben Schottland und Japan eine weitere Whiskywelt entdecken wollen. Der Brilliance ist die naheliegende Einstiegsabfüllung, weil er ohne Torf auskommt und Süße und Würze gut ausbalanciert. Wer Rauch mag, greift zu Edited oder Bold. Einschränkungen: Viele Angaben zu Reifezeit, Anlage und Wirkung der Tropenreifung stammen vom Hersteller, die Quellen zu den Gründungsjahren des Konzerns weichen ab, und junge Abfüllungen zeigen gelegentlich noch hefige Töne.

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