Die Amrut Distilleries in Bengaluru im südindischen Karnataka gelten als die Brennerei, die den indischen Single Malt international sichtbar gemacht hat. Gegründet wurde das Familienunternehmen 1948, die eigentliche Malt-Brennerei entstand jedoch erst 1987 in Kambipura vor den Toren der Stadt. 2004 stellte Amrut seinen ersten Single Malt in Glasgow vor, mitten im Land des Scotch. Prägend ist das tropische Klima: Der Whisky reift deutlich schneller als in Schottland, verliert dafür aber mehr durch Verdunstung. Dazu kommt indische Gerste als wichtigen Rohstoff, ergänzt um getorftes Malz aus Schottland für die rauchigen Abfüllungen.
Überblick
- Name: Amrut Distilleries (Amrut Distillery); „Amrut“ bedeutet „Nektar der Götter“
- Ort: Bengaluru (Bangalore), Karnataka, Indien – Malt-Brennerei in Kambipura, rund 20 Kilometer außerhalb der Stadt
- Gegründet: 1948 (die Malt-Brennerei folgte 1987)
- Region: Karnataka, Südindien, Hochland auf rund 900 bis 1.000 Metern
- Besitzer: Familienunternehmen der N.R. Jagdale Group
- Typ: Single Malt (unvertorft und vertorft), daneben Blends, Rum und Gin
Historische Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1948 | J.N. Radhakrishna Rao Jagdale gründet das Unternehmen in Bangalore, nach einer Darstellung zunächst als „Amrut Laboratories“ |
| 1960er–1980er | Das Haus erweitert sich um Rum, Brandy und schließlich Malt-Destillation |
| 1976 | Nach dem Tod des Gründers übernimmt sein Sohn Neelakanta Rao Jagdale die Führung |
| 1987 | Die Brennerei in Kambipura wird errichtet |
| 2004 | Amrut stellt seinen Single Malt in Glasgow vor, als erster indischer Single Malt für den europäischen Markt |
| 2009–2010 | Der Amrut Fusion kommt auf den Markt; Jim Murray reiht ihn in der Whisky Bible 2010 unter die besten Whiskys der Welt |
| 2018 | Nach Angaben eines Händlers kommen vier neue Brennblasen und ein Lager für 5.000 Fässer hinzu |
| Heute | Familiengeführt, mit einem Sortiment aus Single Malts, Blends, Rum und Gin |
Besonderheiten bei der Herstellung
Indische Gerste
Amrut verarbeitet für die unvertorften Abfüllungen überwiegend indische Gerste, die nach mehreren Quellen aus dem Punjab und aus Rajasthan stammt. Sie wird als sechszeilige Sorte mit kleineren Körnern, aber mehr Eiweiß und Enzymen als schottische Gerste beschrieben. Für die rauchigen Abfüllungen wird getorftes Malz aus Schottland zugekauft; Angaben zum Torfgrad macht das Haus nicht.
Brennblasen und Destillation
Die Maische wird zweifach in kupfernen Pot Stills gebrannt. Für die ältere Anlage werden ein Wash Still mit rund 6.500 Litern und ein Spirit Still mit rund 8.000 Litern genannt. Die heutige Zahl der Blasen nennen Quellen unterschiedlich, weil das Haus erweitert hat.
Tropische Reifung
Master Blender Surinder Kumar zufolge entspricht ein Jahr Fasslagerung in Indien ungefähr drei Jahren in Schottland. Der Preis ist die Verdunstung: Der Angel's Share liegt nach Wikipedia bei etwa 11 bis 12 Prozent pro Jahr, andere Quellen nennen bis zu 16 Prozent, in Schottland sind es rund 2 Prozent.
Fassvielfalt
Eingesetzt werden vor allem Ex-Bourbon-Fässer, dazu neue Eiche und Sherryfässer. Hinzu kommen Experimente wie Orangenschale im Sherryfass oder ein Sherry-Zwischenschritt mit Rückkehr ins Bourbonfass.
Produkte & Charakter
| Produkt | Alkoholvolumen | Charakteristik |
|---|---|---|
| Amrut Indian Single Malt | 46 % | Der unvertorfte Kern der Reihe, fruchtig-tropisch mit deutlicher Eichenprägung |
| Amrut Peated | 46 % | Wie der Single Malt, aber mit getorftem Malz für eine rauchige Würze |
| Amrut Fusion | 50 % | Etwa drei Viertel unvertorfte indische und ein Viertel getorfte schottische Gerste – Frucht, Honig und leichter Rauch |
| Amrut Cask Strength | rund 61,8 % | Unverdünnte Variante des Single Malt, je nach Charge leicht schwankend |
| Amrut Intermediate Sherry | 57,1 % | Bourbon-, Sherry- und erneut Bourbonfass nacheinander – dunkle Frucht, Gewürz und Eiche |
| Amrut Naarangi | 50 % | Reifung in einem Sherryfass mit Orangenschale – Feige, Sirup und viel Orange |
Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Amrut Fusion und Amrut Intermediate Sherry.
Stil & Wiedererkennungswert
Amruts Hausstil ist kräftig, fruchtig und holzbetont. Weil die Reifung im warmen Klima schnell abläuft, gewinnen die Whiskys früh Farbe, Tiefe und Würze. Typisch sind tropische Früchte, Honig, Gewürze und eine ausgeprägte Eichennote.
Unverwechselbar macht die Brennerei außerdem ihre Experimentierfreude. Mit dem Fusion mischt sie indische und schottische Gerste, mit dem Intermediate Sherry und dem Naarangi arbeitet sie mit Fassfolgen, die in dieser Form wenig verbreitet sind.
Fazit
Amrut ist die Referenzadresse für alle, die wissen wollen, was indischer Single Malt kann. Das Haus liefert Whiskys, die kräftiger und fruchtiger ausfallen, als ihr Alter vermuten lässt. Sondereditionen sind allerdings nicht immer leicht zu bekommen. Wer einsteigen will, beginnt am besten mit dem Fusion oder dem Indian Single Malt und tastet sich dann zu den Fassexperimenten vor.

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