Herstellung des Bathtub Gin:
Bathtub Gin wurde 2011 unter dem Namen "Professor Cornelius Ampleforth's Bathtub Gin" eingeführt und wird heute unter der Marke Ableforth's in Kent, England, vertrieben. Der Name spielt bewusst auf die Zeit der amerikanischen Prohibition an, als selbstgebrannter oder nachträglich aromatisierter Gin oft heimlich in Badewannen hergestellt wurde, weil dort die größten verfügbaren Gefäße für die improvisierte Produktion standen. Statt jedoch tatsächlich in einer Badewanne zu entstehen, wird Bathtub Gin zunächst als Basisspirit in einer traditionellen Kupferbrennblase destilliert und anschließend nach dem sogenannten Cold-Compounding-Verfahren weiterverarbeitet: Nach der Destillation lässt man den Gin über sieben Tage kalt mit Orangenschale und fünf weiteren, sorgfältig ausgewählten frischen Botanicals ziehen, statt sie erneut zu destillieren. Dieses zweistufige Verfahren aus klassischer Destillation und anschließender Kalt-Mazeration unterscheidet den Gin von den meisten anderen englischen Dry Gins, bei denen sämtliche Botanicals gemeinsam destilliert werden.
Mit 43,3 % vol. liegt Bathtub Gin im oberen Bereich klassischer Gin-Stärken. Jede Flasche wird von Hand in braunes Papier gewickelt, verschnürt und mit Wachs versiegelt – eine bewusste Anspielung auf die improvisierte, halblegale Ästhetik der Prohibitionszeit, die zugleich als unverwechselbares Erkennungsmerkmal der Marke im Regal dient. Bathtub Gin hat seit der Einführung über 40 Auszeichnungen bei internationalen Spirituosenwettbewerben gesammelt, darunter Goldmedaillen bei den World Gin Awards 2020 und 2022. Neben dem klassischen Bathtub Gin produziert Ableforth's inzwischen auch eine Old-Tom- und eine Navy-Strength-Variante, die auf demselben Cold-Compounding-Prinzip beruhen, aber jeweils eigene Botanical-Schwerpunkte setzen.
Verkostung des Bathtub Gin:
In der Nase zeigt sich Bathtub Gin würzig und warm, mit einer deutlichen Orangenschalen-Note im Zentrum, die von Zimt und Nelken begleitet wird und dem Gin eine fast weihnachtliche, winterliche Anmutung verleiht. Wacholder ist als Fundament klar wahrnehmbar, tritt aber nicht so dominant auf wie bei klassischen London-Dry-Gins. Am Gaumen entfaltet sich die Würze weiter, mit Kardamom als prägender Note im Zentrum des Geschmacksbilds, ergänzt durch die wärmenden Aromen von Zimt und Nelken sowie einer soliden Orangenschalen-Bitterkeit. Diese Kombination macht den Gin zu einem vergleichsweise kräftigen, winterlich-würzigen Vertreter seiner Kategorie. Im Abgang bleibt vor allem die Kardamomnote hängen, begleitet von einer sanften Restwärme, die typisch für das Cold-Compounding-Verfahren mit intensiven Gewürzbotanicals ist.
Steckbrief Bathtub Gin:
Alkoholgehalt: 43,3 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Koriander, Orangenschale, Zimt, Gewürznelken, Kardamom
Hersteller: Ableforth's, Kent, England
Herstellung im Detail: Cold Compounding statt klassischer Destillation
Das sogenannte Cold Compounding unterscheidet sich grundlegend von der klassischen Gin-Destillation, bei der Botanicals gemeinsam mit dem Alkohol erhitzt und destilliert werden. Stattdessen wird bei Bathtub Gin ein bereits fertig destillierter Basisspirit im Anschluss mehrere Tage lang bei Raumtemperatur mit frischen Botanicals mazeriert, wobei das Team die Infusion regelmäßig verkostet, um den optimalen Zeitpunkt für das Filtrieren zu bestimmen. Dieses Verfahren erlaubt es, empfindlichere aromatische Verbindungen zu erhalten, die bei einer erneuten Destillation unter Hitzeeinwirkung verloren gehen könnten, und erklärt die vergleichsweise kräftige, direkte Würznote des fertigen Gins. Historisch betrachtet ist dieses Vorgehen dem tatsächlichen "Bathtub Gin" der Prohibitionszeit nicht unähnlich, bei dem improvisierte Hersteller mangels geeigneter Brennanlagen ebenfalls auf das Aromatisieren eines neutralen Grundalkohols statt auf eine vollständige Destillation zurückgriffen – ein historischer Bezug, den die Marke bewusst in Namen, Verpackung und Herstellungsverfahren aufgreift, ohne dabei auf moderne Qualitätskontrolle und sorgfältig ausgewählte Botanicals zu verzichten.
Verwendung des Bathtub Gin
- Gin & Tonic: Der Hersteller selbst empfiehlt die Kombination mit einem milden, wenig bitteren Tonic wie Fever-Tree Mediterranean Tonic Water und einer Orangenscheibe, um die zitrusbetonte Würze des Gins zu unterstreichen.
- Winterliche Variante: Zur Betonung der Gewürznoten passt auch ein aromatisches Tonic wie Fever-Tree Aromatic Tonic Water, dessen Bitterorangen- und Gewürzcharakter mit Kardamom, Zimt und Nelken harmoniert.
- In Rührcocktails: Aufgrund seiner Würzigkeit eignet sich Bathtub Gin auch für kräftige, winterliche Rührcocktails, in denen sich Kardamom und Zimt gegen andere Zutaten behaupten können.
Bathtub Gin richtet sich an alle, die einen kräftigen, gewürzbetonten Gin mit erkennbarem historischem Bezug suchen, ohne dabei auf eine moderne, mehrfach ausgezeichnete Produktion zu verzichten. Im Vergleich zum ebenfalls traditionell-historisch geprägten Hayman's Old Tom Gin setzt Bathtub Gin weniger auf Süße als vielmehr auf Würze und Wärme: Während Old Tom Gin historisch durch eine leichte Süßung charakterisiert ist, bleibt Bathtub Gin trocken und lässt stattdessen Kardamom, Zimt und Nelken die Hauptrolle spielen. Beide Marken zeigen jedoch, wie lebendig historische Gin-Stile und -Erzählungen in der heutigen Craft-Gin-Szene weiterleben, ohne bloße Nostalgie zu sein. Für die aufwendige Handarbeit bei Verpackung und Cold Compounding ist Bathtub Gin in seiner Mittelklasse-Preislage angemessen positioniert.
Einordnung & Alternativen
- Hayman's Old Tom Gin – historisch ebenso verwurzelt, aber durch die leichte Süßung spürbar milder statt trocken-würzig.
- Opihr Oriental Spiced London Dry Gin – für alle, die noch mehr orientalische Gewürzwärme suchen, dafür aber mit stärkerem Wacholderkern statt Cold-Compounding-Frische.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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