Herstellung des Finsbury London Dry Gin:
Finsbury zählt zu den traditionsreichsten Gin-Marken überhaupt: Die Geschichte der Finsbury Distillery reicht bis in das 18. Jahrhundert zurück, als in London im Stadtteil Finsbury eine Brennerei gegründet wurde, die dem Gin bis heute seinen Namen gibt. Damit gehört Finsbury zu den historischen London-Dry-Gin-Marken, die bereits existierten, lange bevor der Gin-Boom der 2010er-Jahre die Kategorie weltweit populär machte, und hat über die Jahrhunderte mehrere Besitzerwechsel durchlaufen, wie es bei vielen der alten britischen Gin-Häuser der Fall war.
Wie bei zahlreichen historischen London-Dry-Gin-Marken üblich, wird auch Finsbury heute nicht mehr zwingend in London selbst destilliert – ein Umstand, der viele Verbraucher überrascht, aber technisch unproblematisch ist: "London Dry Gin" ist rechtlich eine geschützte Herstellungsmethode und keine geografische Herkunftsangabe. Sie schreibt vor, dass sämtliche Aromen ausschließlich durch Destillation natürlicher Botanicals in einem Getreidedestillat gewonnen werden dürfen und dem fertigen Gin nach der Destillation keine zusätzlichen Aromen oder nennenswerte Süßung mehr zugesetzt werden dürfen. Finsbury London Dry Gin erfüllt diese strengen Kriterien und darf die Bezeichnung damit unabhängig vom tatsächlichen Produktionsstandort führen.
Mit 37,5 % vol. liegt Finsbury am unteren Rand der für Gin gesetzlich vorgeschriebenen Mindeststärke in der EU und positioniert sich damit klar im preislich zugänglichen, breitentauglichen Segment des Marktes – ein Ansatz, der sich von den meist deutlich höherprozentigen Premium- und Craft-Gins abhebt und Finsbury zu einer der günstigeren Optionen für den klassischen Gin Tonic macht, ohne dabei auf die charakteristische, wacholderbetonte London-Dry-Struktur zu verzichten.
Verkostung des Finsbury London Dry Gin:
In der Nase präsentiert sich Finsbury London Dry Gin klar und geradlinig wacholderbetont, wie es für den klassischen London-Dry-Stil charakteristisch ist. Zitrusnoten von Zitrone und Orange begleiten den Wacholder und sorgen für Frische, während krautige und würzige Anteile eher zurückhaltend im Hintergrund bleiben. Am Gaumen setzt sich dieses schlanke, unkomplizierte Profil fort: Wacholder dominiert deutlich, ergänzt durch eine leichte Zitrusschärfe und eine dezente, trocken-würzige Note, die typischen Koriander- und Angelikawurzel-Aromen ähnelt. Aufgrund der vergleichsweise niedrigen Trinkstärke wirkt der Gin insgesamt schlanker und weniger gewichtig am Gaumen als viele höherprozentige London Dry Gins. Der Abgang ist kurz bis mittellang, sauber und trocken, mit einem klassischen Wacholder-Zitrus-Nachklang ohne große zusätzliche Komplexität.
Steckbrief Finsbury London Dry Gin:
Alkoholgehalt: 37,5 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Koriander, Angelikawurzel, Zitrusschalen sowie weitere für London Dry Gin klassische Botanicals
Hersteller: Finsbury Distillery, England (traditionsreiche, seit dem 18. Jahrhundert bestehende Gin-Marke)
London Dry Gin: Methode statt Herkunft
Der Fall Finsbury eignet sich besonders gut, um ein weitverbreitetes Missverständnis rund um den Begriff "London Dry Gin" aufzuklären. Anders als etwa bei Champagner oder Parmaschinken handelt es sich bei der Bezeichnung nicht um eine geschützte geografische Angabe, sondern um eine EU-weit definierte Produktionsmethode. Diese schreibt unter anderem vor, dass der Gin ausschließlich aus einem landwirtschaftlichen Ethanol-Destillat mit einem Mindestalkoholgehalt von 96 % vol. hergestellt werden muss, dass sämtliche Aromastoffe durch erneute Destillation mit natürlichen Botanicals in traditionellen Brennblasen gewonnen werden und dass nach der Destillation lediglich Wasser sowie eine minimale Menge Zucker zur Abrundung hinzugefügt werden dürfen. Der Name London Dry Gin bezieht sich also auf einen historischen Stil, der im London des 19. Jahrhunderts als Reaktion auf den süßeren, minderwertigeren Old-Tom-Gin entstand, nicht auf den heutigen Produktionsort. Marken wie Finsbury, die diesen historischen Stil seit Generationen pflegen, können ihn deshalb auch dann führen, wenn die tatsächliche Destillation heute an einem anderen Standort erfolgt – solange die gesetzlichen Vorgaben der Methode eingehalten werden.
Verwendung des Finsbury London Dry Gin
- Gin & Tonic: Der klassische, wacholderbetonte Charakter harmoniert am besten mit einem ebenso klassischen Tonic wie Schweppes Indian Tonic Water oder Fever-Tree Premium Indian Tonic Water, die die traditionelle London-Dry-Struktur unterstreichen, ohne sie zu überlagern.
- Klassiker: Als preisgünstiger London Dry Gin eignet sich Finsbury auch gut für klassische Cocktails wie den Gin Fizz oder den Tom Collins, bei denen der Gin nicht im Vordergrund stehen muss.
Finsbury London Dry Gin richtet sich an Einsteiger und preisbewusste Gin-Trinker, die einen unkomplizierten, klassisch wacholderbetonten London Dry Gin für den alltäglichen Gebrauch suchen, ohne für Premium-Positionierung oder aufwendige Botanicals-Kompositionen einen Aufpreis zu zahlen. Im Vergleich zum ähnlich traditionsreichen, aber deutlich höherprozentigen Gordon's London Dry Gin zeigt sich Finsbury schlanker und leichter, bleibt aber dem gleichen historischen London-Dry-Grundprinzip treu: ein trockener, wacholderdominierter Stil, der auch nach Jahrhunderten nichts von seiner Relevanz als Fundament der gesamten Gin-Kategorie verloren hat.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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