Herstellung des Gordon's Export Strength Gin:
Die Geschichte von Gordon's beginnt 1769, als der Londoner Alexander Gordon eine Destillerie in Southwark gründete, die später nach Clerkenwell und nach der Fusion mit Charles Tanqueray & Co. 1898 an den Goswell Road umzog; heute wird Gordon's in Cameronbridge und Fife, Schottland, für den Diageo-Konzern produziert. Während die in Großbritannien verkaufte Standardvariante seit 1992 mit 37,5 % vol. abgefüllt wird, existiert für den Export nach Kontinentaleuropa sowie für den Duty-free-Handel seit jeher eine stärkere Version mit 47,3 % vol., die dem historischen Alkoholgehalt der Marke näherkommt. Die Rezeptur selbst gilt als weitgehend unverändert und basiert auf Wacholder, Koriander, Angelikawurzel, Süßholz, Oriswurzel sowie Orangen- und Zitronenschale. Gordon's gilt neben Booth's als einer der ältesten heute noch produzierten Gins und wird traditionell dreifach destilliert, ganz ohne nachträgliche Zugabe von Zucker. Mit weltweiten Absatzzahlen, die die meisten anderen Gin-Marken deutlich übertreffen, zählt Gordon's zudem seit Jahrzehnten zu den meistverkauften Spirituosenmarken überhaupt – ein Umstand, der maßgeblich zur weltweiten Popularisierung des Gin & Tonic als Longdrink beigetragen hat.
Verkostung des Gordon's Export Strength Gin:
In der Nase zeigt sich die Export-Strength-Variante intensiver und voller als der klassische 37,5-%-Gordon's: kräftiger Wacholder trifft auf frische Zitrusnoten von Orange und Zitrone. Am Gaumen entfaltet der höhere Alkoholgehalt spürbar mehr Fülle und Würze – Koriander und Angelikawurzel treten deutlicher hervor, im Hintergrund schwingt eine leichte Süßholznote mit. Der Abgang ist trocken und angenehm lang, getragen von Zitrusschale und einer wärmenden, aber nicht aggressiven Alkoholnote. Insgesamt wirkt der Gordon's Export Strength konzentrierter und robuster als das Original und eignet sich damit besonders gut für Drinks, die etwas mehr Substanz und Standfestigkeit vertragen. Wer Gin & Tonic mit reichlich Eis serviert, profitiert bei dieser Stärke zudem davon, dass die Botanicals auch nach dem Schmelzen des Eises noch spürbar bleiben, statt schnell zu verwässern.
Steckbrief Gordon's Export Strength Gin:
Alkoholgehalt: 47,3 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Koriander, Angelikawurzel, Süßholz, Oriswurzel, Orangenschale, Zitronenschale
Hersteller: Diageo, Cameronbridge, Fife, Schottland (Ursprung: London, England, 1769)
Herstellung im Detail: Warum es zwei Alkoholstärken von Gordon's gibt
Bis 1992 wurde Gordon's in Großbritannien durchgehend mit deutlich höherem Alkoholgehalt verkauft, wie es auch für die meisten traditionellen London Dry Gins der damaligen Zeit üblich war. Als Diageo (beziehungsweise dessen Vorgängerunternehmen) die britische Standardabfüllung aus steuerlichen und preispolitischen Gründen auf 37,5 % vol. absenkte, blieb die stärkere 47,3-%-Variante für den Export nach Kontinentaleuropa sowie für den zollfreien Handel an Flughäfen erhalten. Für viele Kenner gilt diese Export-Strength-Version daher als die authentischere Interpretation des ursprünglichen Gordon's-Charakters, da der höhere Alkoholgehalt den Botanicals mehr Kraft verleiht und die Rezeptur intensiver zur Geltung bringt, als es bei der auf den britischen Heimatmarkt zugeschnittenen Standardstärke der Fall ist. In Deutschland und weiten Teilen Kontinentaleuropas ist die Export-Strength-Version deshalb die gängigere und im Handel präsentere der beiden Gordon's-Varianten.
Die geheime Botanical-Rezeptur von Gordon's gilt als eine der bestgehüteten der gesamten Spirituosenbranche: Sie wird traditionell nur einer sehr kleinen Zahl von Personen innerhalb des Unternehmens gleichzeitig anvertraut, und Veränderungen an der Formel wurden über die Jahrhunderte hinweg bewusst vermieden. Diese Kontinuität erklärt auch, warum Gordon's trotz seiner enormen Verkaufszahlen als vergleichsweise puristischer, geradliniger Gin wahrgenommen wird: Die Marke hat nie versucht, sich durch modische Botanical-Experimente neu zu erfinden, sondern setzt seit über 250 Jahren auf dieselbe wacholderbetonte Grundformel – ein Kontrast zur heutigen Craft-Gin-Bewegung, in der neue Botanicals und ungewöhnliche Aromenkombinationen oft im Zentrum der Markenkommunikation stehen.
Verwendung des Gordon's Export Strength Gin
- Gin & Tonic: Der klassische, zitrusfrische Wacholder-Charakter passt hervorragend zu traditionellem Tonic Water. Schweppes Indian Tonic Water oder Thomas Henry Tonic Water bringen die Botanicals gut zur Geltung, ohne von der höheren Alkoholstärke überlagert zu werden – ideal mit reichlich Eis serviert.
- Cocktail: Der höhere Alkoholgehalt macht den Export Strength zu einer hervorragenden Basis für gerührte Cocktail-Klassiker wie Martini oder Negroni, da der Gin auch bei Verdünnung durch Eis seine Wacholder- und Gewürznote behält und nicht in den Hintergrund tritt.
Im direkten Vergleich zur britischen Standardabfüllung, dem Gordon's London Dry Gin mit 37,5 % vol., zeigt sich der Export Strength als die kräftigere, konzentriertere Variante derselben Grundrezeptur. Wer Gordon's bislang nur in der milderen Standardstärke kennt, wird beim Export Strength eine spürbar intensivere Wacholder- und Gewürzstruktur entdecken – ein Unterschied, der bei einem so geradlinig komponierten Gin wie Gordon's deutlicher ausfällt als bei komplexeren, botanisch vielschichtigeren Rezepturen. Für alle, die den klassischen, robusten London-Dry-Stil in seiner ursprünglichsten Form erleben möchten, ist der Export Strength daher die empfehlenswertere Wahl. Preislich bleibt er dabei trotz des höheren Alkoholgehalts in der Einstiegsklasse angesiedelt und liefert damit mehr Substanz fürs Geld als die mildere Standardabfüllung.
Einordnung & Alternativen
- Beefeater London Dry Gin – ebenfalls ein günstiger, breit verfügbarer Klassiker, aber mit spürbar mehr Zitrus- und Kräuternote als der wacholderfokussierte Gordon's.
- Tanqueray London Dry Gin – ähnlich preiswert und wacholderbetont, jedoch mit etwas mehr Würze durch Angelikawurzel und Veilchenwurzel.
- Bombay Original Dry Gin – vergleichbares Einstiegssegment, dafür ein weicheres, weniger kräftiges Geschmacksbild als die Export-Strength-Variante.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
Ähnliche Gins

Gordon's London Dry Gin
Knackig-trockener, reiner Wacholdercharakter mit dezenter Würze — der unaufgeregte Referenzpunkt, an dem sich viele London Dry Gins messen lassen.

Greenall's Original London Dry Gin
Trocken-geradliniger Wacholder mit pudrig-floraler Iriswurzel-Note und warmer Süßholz-Rundung — puristisch und vielseitig einsetzbar.

Hampstead London Dry Gin
Klar-harzige Wacholdernote mit dezenter Orangen-Zitronen-Frische — zurückhaltend und geradlinig, ohne einzelne Botanicals hervorzuheben.

Hayman's London Dry Gin
Klassisch trocken mit ungewöhnlich präsenter Zitrusfrische und feiner Muskatwürze — die frühe Zitrus-Handschrift der Familie Hayman bis heute spürbar.
Dazu passendes Tonic Water

Weisswange Indian Tonic Water
Kräuterig-würzige Komposition aus Thymian, Rosmarin und Estragon, getragen von breiter Chinin-Bitterkeit und heller Zitrusfrische.

Windspiel Tonic Water
Spritzig-leichte Bitterkeit mit floral-zitrischer Frische — die zugänglichste Wahl der Eifel-Manufaktur.

1724 Tonic Water
Zurückhaltend-trocken mit feiner Mandarinennote und weniger Süße als Massenmarken-Tonics — für komplexe, mediterrane Gins konzipiert.

Klassische Gins
London Dry Gin ist ein rechtlich geschütztes Verfahren, nicht die Herkunft — streng wacholderbetont, der Maßstab für alle New-Western-Gins.

Navy Strength Gin: Warum 57 % vol.?
57 % vol. sind kein Marketing, sondern das Erbe des Schießpulver-Tests der Royal Navy – zum Markennamen wurde der Wert erst 1993 durch Plymouth.

Die häufigsten Gin-Botanicals: Auswertung von 191 Gins
191 Gins im Zahlenvergleich: Wacholder fast überall, Koriander und Angelika im Kern, darüber hinaus entscheidet die Handschrift der Brennerei.