Herstellung des Hendrick's Gin:
Hendrick's Gin wurde 1999 von William Grant & Sons eingeführt, jenem schottischen Familienunternehmen, das auch die Whisky-Marken Glenfiddich und Balvenie besitzt. Produziert wird er in der Girvan Distillery an der schottischen Westküste, wo Master Distillerin Lesley Gracie seit der Einführung der Marke für die Rezeptur verantwortlich zeichnet. Das Besondere an Hendrick's ist die Verwendung zweier grundverschiedener Brennblasen, deren Destillate erst am Ende zusammengeführt werden: eine Bennett-Pot-Still aus dem Jahr 1860, in der die Botanicals 24 Stunden im Alkohol eingeweicht und anschließend durch direkte Dampfhitze destilliert werden, wodurch ein kräftiger, öliger Charakter mit ausgeprägter Wacholdernote entsteht, sowie eine Carter-Head-Still von 1948, bei der die Botanicals in einem Korb oberhalb des Kessels sitzen und nur von den aufsteigenden Alkoholdämpfen durchzogen werden – ein schonenderes Verfahren, das feinere, floralere Aromen liefert.
Nach der Destillation werden die beiden Grunddestillate zu Hendrick's Gin vereint, bevor dem fertigen Gin natürliche Essenzen von Rosen und Gurken zugesetzt werden. Diese Kombination aus zwei technisch unterschiedlichen Destillationsverfahren und der nachträglichen Zugabe von Rosen- und Gurkenessenz war zum Zeitpunkt der Markteinführung ungewöhnlich und machte Hendrick's zu einem der ersten Gins, die bewusst gegen den damals vorherrschenden, wacholderbetonten London-Dry-Mainstream positioniert wurden. Auch die Vermarktung setzte von Beginn an auf Andersartigkeit: Die charakteristische dunkle Apothekerflasche und die Empfehlung, den Gin & Tonic mit einer Gurkenscheibe statt der klassischen Zitrone zu garnieren, unterstrichen den bewusst exzentrischen, britisch-viktorianisch anmutenden Markenauftritt, der Hendrick's bis heute von den meisten anderen Gin-Marken unterscheidet.
Verkostung des Hendrick's Gin:
In der Nase zeigt sich Hendrick's Gin zunächst blumig und floral, mit einer deutlichen Rosennote, die von einem zarten, eher angedeuteten als offensichtlichen Gurkenaroma begleitet wird. Wacholder tritt hier bewusst in den Hintergrund und bildet eher ein leises Fundament als das Leitaroma, wie es bei den meisten anderen Gins der Fall ist. Am Gaumen ist Hendrick's mild und samtig, mit floralen Noten, die von einer feinen, kaum wahrnehmbaren Pfefferwürze begleitet werden; die Gurke bleibt auch hier eher eine subtile, erfrischende Assoziation als ein deutlich herausschmeckbares Einzelaroma. Angelikawurzel und Zitrusschalen sorgen für eine leichte erdig-frische Struktur im Hintergrund, ohne das florale Gesamtbild zu stören. Im Abgang dominieren die blumigen Aromen, mit einem sanften, lang anhaltenden Rosenhauch, der den Gin auch nach dem letzten Schluck noch erkennbar macht.
Steckbrief Hendrick's Gin:
Alkoholgehalt: 44 % vol.
Verwendete Botanicals: Koriander, Angelikawurzel, Zitronenschalen, Orangenschalen, Kubebenpfeffer, Holunderblüten, Kamille, Mädesüß, Kümmel, Veilchenwurz; nach der Destillation verfeinert mit Rosen- und Gurkenessenz
Hersteller: William Grant & Sons Ltd, Girvan Distillery, Schottland (Master Distillerin: Lesley Gracie)
Herstellung im Detail: Zwei Brennblasen, ein Gin
Die Kombination zweier technisch grundverschiedener Brennblasen ist das eigentliche Herzstück der Hendrick's-Produktion. Die Bennett-Still aus dem Jahr 1860 arbeitet nach dem klassischen Pot-Still-Prinzip: Die Botanicals werden direkt im Alkohol mazeriert und anschließend über offene Dampfhitze erhitzt, was zu einem kräftigeren, ölig-intensiveren Destillat mit ausgeprägtem Wacholdercharakter führt. Die Carter-Head-Still von 1948 funktioniert dagegen nach dem Vapor-Infusion-Prinzip: Die Botanicals liegen in einem Korb im oberen Teil der Brennblase und werden nur von aufsteigenden Alkoholdämpfen durchströmt, ohne direkten Kontakt zur Flüssigkeit – ein Verfahren, das deutlich zartere, florale Aromen extrahiert, wie sie später auch für Blüten-Essenzen typisch sind. Erst das Zusammenführen dieser beiden gegensätzlichen Destillate ergibt den charakteristischen Hendrick's-Stil: kräftig genug, um als Gin erkennbar zu bleiben, aber fein und floral genug, um sich deutlich von klassischen, wacholderbetonten London-Dry-Rezepturen abzusetzen. Master Distillerin Lesley Gracie experimentiert bis heute mit ungewöhnlichen Botanicals für Sonderabfüllungen der Marke, wobei der klassische Hendrick's seit der Einführung 1999 im Kern unverändert geblieben ist.
Verwendung des Hendrick's Gin
- Gin & Tonic: Der Hersteller empfiehlt, den Hendrick's Gin & Tonic mit einer dünnen Gurkenscheibe statt der klassischen Zitronenzeste zu garnieren – ein mittlerweile weithin bekannter Markenkniff, der optisch wie geschmacklich die florale, erfrischende Seite des Gins unterstreicht. Als Tonic Water empfiehlt sich ein aromatisches, aber nicht zu bitteres Tonic wie Fentimans Tonic Water oder Aqua Monaco Tonic Water, das die floralen Noten unterstützt, statt sie zu übertönen. Wer es neutraler mag, kann alternativ auf ein klassisches Fever-Tree Premium Indian Tonic Water zurückgreifen.
- Dry Martini: In einem Dry Martini entfaltet das milde, florale Aroma des Hendrick's Gin eine ungewöhnliche, für viele überraschende Note – eine ausdrückliche Empfehlung für experimentierfreudige Martini-Liebhaber, die abseits klassischer, wacholderbetonter Rezepturen etwas Neues ausprobieren möchten.
Hendrick's Gin gilt vielen Branchenbeobachtern als einer der wichtigsten Vorreiter der modernen New-Western-Style-Gin-Bewegung: Die bewusste Abkehr vom wacholderdominierten London-Dry-Stil zugunsten floraler, ungewöhnlicher Aromen inspirierte in den Jahren nach der Markteinführung zahlreiche jüngere Gin-Marken. Im Vergleich zu anderen milden, kräuterbetonten Gins wie dem deutschen Ferdinand's Saar Dry Gin bleibt Hendrick's dabei unverkennbar eigenständig: Statt auf Wein oder regionale Früchte zu setzen, prägen Rose und Gurke ein Aromenprofil, das bis heute in dieser Form einzigartig geblieben ist und Hendrick's zu einem der meistkopierten, aber nie vollständig replizierten Gin-Stile weltweit gemacht hat. Wie die einzelnen Botanicals den Charakter eines Gins prägen, erklärt unser Überblick Gin-Botanicals im Detail. Zur Einordnung des Stils lohnt ein Blick auf unseren Artikel New Western Dry Gin erklärt.
Einordnung & Alternativen
- Monkey 47 – komplexer und würziger durch die 47 Botanicals, dafür auch im oberen Premium-Segment angesiedelt; Hendrick's bleibt preislich zugänglicher.
- Nordes Atlantic Galician Gin – ähnlich floral-mild, aber mit Albariño-Trauben statt Rose/Gurke und meist etwas günstiger.
- Gin Mare – komplett anderer, mediterran-herzhafter Charakter (Oliven, Rosmarin, Thymian) für alle, denen Hendrick's zu blumig ist.
Preislich positioniert sich Hendrick's im mittleren Segment der Premium-Gins: spürbar teurer als mengenorientierte London-Dry-Marken, aber günstiger als ausgesprochene Luxus-Abfüllungen wie Monkey 47 – für den stilprägenden, bis heute kaum kopierten Rosen-Gurken-Charakter ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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