Herstellung des Martin Miller's Dry Gin:
Martin Miller's Gin entstand 1998/1999, nachdem der britische Antiquitätenhändler und Verleger Martin Miller mit Freunden nach einem enttäuschenden Gin & Tonic in einer Bar im Londoner Stadtteil Notting Hill beschloss, es besser zu machen. Gemeinsam mit dem Master Distiller Dr. Jonathan Clark und dem Isländer Vali Petursson entwickelte er eine eigene Rezeptur. Die eigentliche Destillation findet bis heute in der Langley Distillery in den englischen Midlands statt, wo die Botanicals in zwei getrennten Verfahren behandelt werden: Ein Teil, darunter Wacholder und die Wurzelaromen, wird über Nacht in heißem Wasser eingeweicht, während zitrusbetonte Botanicals separat in Alkohol mazeriert werden. Beide Ansätze werden anschließend gemeinsam destilliert, was eine bessere Balance zwischen der erdigen Wacholder-Wurzel-Basis und der spritzigen Zitrusnote erlauben soll. Die Besonderheit des Martin Miller's liegt jedoch am Ende des Prozesses: Da rund 60 Prozent des fertigen Gins aus Wasser bestehen, suchte Miller gezielt nach der reinsten verfügbaren Quelle und fand sie in Island – der Gin wird mit Gletscherwasser aus der Selyri-Quelle bei Borgarnes verdünnt, das auf über 800 Jahre altem Schnee basiert und durch vulkanisches Gestein natürlich gefiltert wird. Weil diese Verdünnung außerhalb Englands erfolgt, darf der Gin formal nicht als "London Dry Gin" gelten, obwohl er stilistisch genau in diese Kategorie passt. Seit 2018 hält die spanische Zamora Company die Mehrheit an der Marke, ohne dass sich an Rezeptur oder Produktionsstandort etwas geändert hätte.
Verkostung des Martin Miller's Dry Gin:
In der Nase zeigt sich der Martin Miller's Dry Gin auffällig weich, mit würzig-erdigem Wacholder, der von Zitrusnoten und bitterer Orangenschale eingerahmt wird. Am Gaumen entfaltet sich ein komplexes, rundes Profil: Wacholder und Bitterorange führen, während Süßholz, Limette und Zitrone im Hintergrund für zusätzliche Frische sorgen und eine feine Gurkennote für zusätzliche Kühle sorgt. Dank des isländischen Wassers wirkt der Antrunk auffallend seidig und weich für einen klassisch gebauten Gin – ein Effekt, den Kenner:innen der Marke gezielt auf die besonders weiche Wasserqualität zurückführen. Im Abgang dominiert erneut der erdige Wacholder, der vergleichsweise zügig, aber sauber ausklingt.
Steckbrief Martin Miller's Dry Gin:
Alkoholgehalt: 40 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Koriander, Süßholz, Kassiarinde, Orangenschale, Angelikawurzel, Iriswurzel, Zitronenschale, Gurke, Kubebenpfeffer
Hersteller: The Reformed Spirits Company Ltd (Zamora Company), destilliert bei Langley Distillery, England; verdünnt mit isländischem Quellwasser
Botanicals des Martin Miller's Dry Gin im Detail
Die getrennte Destillation ist der eigentliche Schlüssel zum Charakter des Martin Miller's: Wacholder, Angelikawurzel und Iriswurzel werden zusammen mit Kubebenpfeffer – einer in vielen klassischen Gins selten verwendeten, leicht pfeffrig-holzigen Beere – über Nacht eingeweicht und geben so ihre erdigeren, schwereren Aromen vollständig an den Alkohol ab. Zitronen- und Orangenschale hingegen werden separat und deutlich kürzer mazeriert, damit ihre flüchtigen, spritzigen Zitrusöle nicht durch eine zu lange gemeinsame Destillation verloren gehen. Gurke ergänzt das Profil um eine kühle, grüne Frische, die in Kombination mit dem weichen isländischen Verdünnungswasser für die für die Marke typische, seidige Textur sorgt. Dieses zweistufige Verfahren erlaubt eine feinere Kontrolle über das Verhältnis von Wacholder-Wurzel-Tiefe und Zitrusfrische, als es eine klassische Ein-Topf-Destillation ermöglichen würde.
Verwendung des Martin Miller's Dry Gin
- Gin & Tonic: Der Martin Miller's Dry Gin entfaltet sich am besten mit einem klassischen Indian Tonic wie Fever-Tree Premium Indian Tonic Water, dessen Bitterkeit die erdigen Wacholder- und Zitrusnoten des Gins schön trägt. Eine Zeste Orange statt der üblichen Zitronenscheibe bringt die Bitterorangenaromen zusätzlich zur Geltung.
- Dry Martini: Durch seine weiche, abgerundete Textur eignet sich der Martin Miller's Dry Gin hervorragend für einen klassischen Dry Martini, in dem Wacholder und Zitrus klar hervortreten, ohne aufdringlich zu wirken.
Martin Miller's Dry Gin richtet sich an Genießer:innen, die einen klassisch gebauten, aber ungewöhnlich weichen und zugänglichen Gin suchen – ideal auch für Einsteiger:innen, die von schärferen, hochprozentigeren Gins abgeschreckt werden. Innerhalb des eigenen Portfolios bildet der Martin Miller's Westbourne Strength Gin die kräftigere Schwesterabfüllung, die auf denselben Grundprinzipien basiert, aber für mehr Struktur in Rührcocktails auf eine höhere Trinkstärke eingestellt wurde. Wer die Marke im direkten Vergleich probiert, erkennt gut, wie stark allein die Trinkstärke und die Verdünnung Wahrnehmung und Textur eines ansonsten identisch aufgebauten Gins verändern können. Auch die Verpackung unterstreicht die Markenidentität: Die charakteristische, dunkelbraune Apothekerflasche mit dem Union-Jack-Etikett verweist bewusst auf die britische Herkunft der Rezeptur, während der Verweis auf isländisches Wasser auf dem Etikett auf den ersten Blick fast wie ein Widerspruch wirkt – tatsächlich ist genau diese Kombination aus englischem Handwerk und isländischer Reinheit das zentrale Verkaufsargument der Marke seit ihrer Gründung. Preislich siedelt sich der Martin Miller's Dry Gin im soliden Mittelfeld seiner Kategorie an und bietet dafür eine ungewöhnlich weiche, zugängliche Textur, die man sonst eher in höheren Preisklassen findet.
Einordnung & Alternativen
- Hendrick's Gin – setzt noch konsequenter auf Gurke und Rose statt auf die erdig-weiche Wacholder-Zitrus-Basis von Martin Miller's.
- Bombay Sapphire London Dry Gin – günstigerer, neutralerer Klassiker ohne die aufwendige isländische Verdünnung und damit spürbar schärfer in der Textur.
- Sipsmith London Dry Gin – wacholderbetonter und kräftiger gebaut, mit weniger Fokus auf Weichheit als auf klassische London-Dry-Struktur.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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