Herstellung des Martin Miller's Westbourne Strength Gin:
Der Westbourne Strength ist die kräftigere Schwesterabfüllung des Martin Miller's Gin und nach der Westbourne Grove in West-London benannt, wo die Marke Ende der 1990er-Jahre von Martin Miller, Master Distiller Dr. Jonathan Clark und dem Isländer Vali Petursson konzipiert wurde. Wie beim Original erfolgt die eigentliche Destillation bei der Langley Distillery in den englischen Midlands, wobei die nicht-zitrischen Botanicals – Wacholder, Wurzeln und Gewürze – getrennt von den zitrusbetonten Botanicals destilliert werden, was eine intensivere Extraktion der "schwereren" Aromen erlaubt. Beide Destillate werden anschließend zusammengeführt und, ganz im Stil der Marke, mit isländischem Gletscherwasser aus der Selyri-Quelle bei Borgarnes auf Trinkstärke verdünnt und dort auch abgefüllt – demselben über 800 Jahre alten, durch vulkanisches Gestein gefilterten Schmelzwasser, das auch beim 40-Prozent-Original zum Einsatz kommt. Für den Westbourne Strength wurde die Rezeptur gezielt angepasst, um gegenüber dem Original einen längeren, kräftigeren Abgang zu erzielen – ein Wunsch, den Bartender:innen wiederholt an die Marke herangetragen hatten, da die klassische 40-Prozent-Abfüllung in Rührcocktails mit viel Eis schnell an Struktur verlieren kann.
Verkostung des Martin Miller's Westbourne Strength Gin:
In der Nase zeigen sich Grapefruitschale und Orangenmarmelade, dazu erdiger Wacholder und eine würzige Kardamomnote. Am Gaumen wirkt der Wacholder durch die höhere Stärke runder und süßer, begleitet von Menthol, Orangenschale, Pfeffer und einer sauberen Gurkennote, die für zusätzliche Frische sorgt, ohne die kräftigere Textur zu verwässern. Der Abgang ist erfrischend, kräuterbetont und durch die höhere Stärke deutlich länger und intensiver als beim 40-Prozent-Original, mit einem spürbar wärmeren, würzigeren Nachklang.
Steckbrief Martin Miller's Westbourne Strength Gin:
Alkoholgehalt: 45,2 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Angelikawurzel, Cassiarinde, Zimt, Koriander, Gurke, Zitrone, Süßholz, Muskatnuss, Orange, Iriswurzel
Hersteller: The Reformed Spirits Company Ltd (Zamora Company), destilliert bei Langley Distillery, England
Botanicals des Martin Miller's Westbourne Strength Gin im Detail
Die Botanicals-Liste des Westbourne Strength entspricht im Kern der des klassischen Martin Miller's Dry Gin, doch die höhere Trinkstärke von 45,2 % vol. verändert spürbar, wie die einzelnen Aromen im Glas wahrgenommen werden. Wacholder, Angelikawurzel und Iriswurzel treten durch den höheren Alkoholgehalt deutlicher hervor, Cassiarinde, Zimt und Muskatnuss wirken wärmer und intensiver, während Zitrone und Orange für die nötige Frische sorgen, die den Gin trotz seiner Stärke nicht zu schwer werden lässt. Diese Anpassung der Wahrnehmung – nicht zwingend der Rezeptur selbst – ist der eigentliche Sinn der Westbourne-Strength-Idee: ein Gin, der auch bei starker Verdünnung durch Eis, Wermut oder Tonic Water noch genügend Struktur behält, um sich gegen die anderen Zutaten eines Cocktails zu behaupten.
Verwendung des Martin Miller's Westbourne Strength Gin
- Dry Martini: Die höhere Stärke wurde gezielt für Rührcocktails wie den Martini entwickelt, in denen sich der Gin gegen Wermut und Eisschmelze besser behauptet als die Standardabfüllung.
- Gin & Tonic: Auch im Longdrink zeigt der Westbourne Strength mehr Tiefe; ein klassisches Indian Tonic Water wie Fever-Tree Premium Indian Tonic Water und eine Gurkenscheibe passen am besten zu seinem Profil.
- Negroni: Auch in Rührcocktails mit Campari und rotem Wermut behauptet sich der Westbourne Strength dank seiner höheren Trinkstärke deutlich besser als weichere, niedrigprozentigere Gins.
Der Westbourne Strength richtet sich in erster Linie an Bartender:innen und erfahrene Gin-Trinker:innen, die den Martin-Miller's-Stil schätzen, aber mehr Durchsetzungsvermögen in Rührcocktails benötigen. Im direkten Vergleich zum Martin Miller's Dry Gin zeigt sich, wie stark eine reine Erhöhung der Trinkstärke – bei nahezu identischer Botanicals-Basis – die Textur und Aromenwahrnehmung eines Gins verändern kann: Wo das Original vor allem durch Weichheit und Zugänglichkeit besticht, punktet der Westbourne Strength mit Länge, Wärme und Nachdruck. Wer beide Abfüllungen nebeneinander verkostet, erhält damit ein anschauliches Lehrstück darüber, welchen Einfluss allein der Alkoholgehalt auf das Geschmackserlebnis eines ansonsten sehr ähnlich aufgebauten Gins hat.
Der Name "Westbourne" verweist dabei nicht nur auf die Londoner Westbourne Grove, sondern erinnert auch daran, dass Martin Miller's von Beginn an eng mit der britischen Bar-Szene verzahnt war: Die Marke entstand aus dem konkreten Bedürfnis, einen Gin zu schaffen, der professionellen Bartender:innen mehr Kontrolle über das fertige Getränk gibt, statt sich ausschließlich an Konsument:innen zu richten, die den Gin pur oder mit wenig Zusatz trinken. Diese Herkunft aus der Bar-Praxis erklärt auch, warum der Westbourne Strength in Cocktailkarten anspruchsvoller Bars deutlich häufiger auftaucht als in klassischen Gin-und-Tonic-Verkostungen zu Hause: Seine Stärke entfaltet ihren eigentlichen Vorteil erst im Zusammenspiel mit anderen, ebenfalls kräftigen Zutaten wie Wermut, Campari oder Zitrussäften. Preislich bewegt sich der Westbourne Strength im Mittelfeld der Kategorie und bietet für Bar-Zwecke ein spürbares Plus an Struktur gegenüber dem Standard-Original zum nur moderat höheren Preis.
Einordnung & Alternativen
- Plymouth Navy Strength Gin – mit 57 % vol. noch deutlich kräftiger und schärfer in der Trinkstärke als der Westbourne Strength.
- Sipsmith V.J.O.P. Navy Strength Gin – ebenfalls für Rührcocktails konzipiert, aber wacholderbetonter und weniger auf Weichheit ausgelegt.
- Tanqueray No. Ten Gin – ähnlich kräftig abgefüllt, setzt aber stärker auf frische Zitrusfrucht statt auf die erdig-würzige Basis von Martin Miller's.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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