Herstellung des No. 209 Gin:
Der Name No. 209 geht auf eine historische Brennlizenz zurück: 1882 erhielt eine kleine Destillerie im kalifornischen Napa Valley von der US-Bundesregierung die 209. offizielle Brennlizenz des Landes. Über ein Jahrhundert später, 1999, entdeckte der Unternehmer Leslie Rudd bei der Übernahme seines Weinguts Edge Hill in St. Helena das ursprüngliche, längst stillgelegte Brennereigebäude mit der Aufschrift "Registered Distillery No. 209" und beschloss, die Marke wiederzubeleben. 2005 nahm die neu gegründete Distillery No. 209 auf Pier 50 in San Francisco Bay den Betrieb auf – direkt über dem Wasser gelegen und damit eine der wenigen Brennereien der Stadt mit einem derart exponierten Standort. Master Distiller Arne Hillesland entwickelte das Rezept methodisch: Botanicals wurden einzeln und in Kleingruppen vorbereitet und in einer Mini-Testbrennblase probedestilliert, bevor die endgültige Rezeptur feststand.
Als Basis dient ein viermal kolonnedestillierter Getreidespirit aus Mais des amerikanischen Mittleren Westens. Die Botanicals ziehen über Nacht im Neutralalkohol, bevor sie gemeinsam in einer knapp 1.000-Gallonen-Kupferblase der schottischen Brennblasenbauer Forsyths destilliert werden – nach Angaben der Brennerei insgesamt der fünfte Destillationsschritt inklusive der Basis-Spirit-Herstellung. Der gesamte Brennvorgang dauert rund elf Stunden und wird von der Brennerei selbst als "Studie in Zurückhaltung und Präzision" beschrieben. Verdünnt wird auf 46 % vol. Neben dem hier vorgestellten Grundgin führt Distillery No. 209 mit der Barrel-Reserve-Serie zusätzlich in Weinfässern – etwa gebrauchten Chardonnay- oder Sauvignon-Blanc-Fässern – nachgereifte, limitierte Editionen, die dem Gin zusätzliche Frucht- und Holznoten verleihen.
Verkostung des No. 209 Gin:
In der Nase zeigt sich der No. 209 auffällig zitruslastig: Bergamotte und Bitterorange dominieren, begleitet von einer dezenten, warmen Würze durch Kardamom und Cassia. Wacholder ist zwar deutlich spürbar, tritt gegenüber klassischen London-Dry-Gins aber merklich zurück und bildet eher das strukturelle Rückgrat als die dominante Aromanote. Am Gaumen wirkt der Gin bemerkenswert reichhaltig und samtig, fast schon üppig in der Textur, mit Kardamom und Bergamotte, die sich mit Korianderschale und einem Hauch Mandel verbinden. Zum Abgang treten Noten von rosa Grapefruit hervor, die in einem trockenen, cremig wirkenden Finish auslaufen. Diese Kombination aus Zitrusfülle und zurückhaltendem Wacholder macht den No. 209 zu einem zugänglichen, gut mischbaren Gin, der sich sowohl an Gin-Einsteiger als auch an erfahrene Genießer richtet.
Steckbrief No. 209 Gin:
Alkoholgehalt: 46 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Bergamotte, Kardamom, Cassia, Koriander, Zitrone, Angelikawurzel, Schwertlilienwurzel (Orris)
Hersteller: Distillery No. 209, San Francisco, Kalifornien, USA
Botanicals des No. 209 Gin im Detail
Mit acht Botanicals arbeitet der No. 209 vergleichsweise sparsam, setzt dafür aber auf eine ungewöhnlich sorgfältige Vorbereitung: Statt alle Zutaten gemeinsam in den Kessel zu geben, testete Master Distiller Arne Hillesland bei der Rezeptentwicklung systematisch unterschiedliche Mazerations- und Destillationsvarianten für einzelne Botanicals, bevor die finale, gemeinsame Destillation in der großen Forsyths-Kupferblase feststand. Im fertigen Gin zeigt sich das Ergebnis dieser Arbeit vor allem in der Zitruskomponente: Bergamotte und Zitronenschale erhalten deutlich mehr Raum als in einem traditionellen London Dry Gin, während Wacholder bewusst als tragende, aber nicht dominierende Note eingesetzt wird. Kardamom und Cassia sorgen für eine warme, leicht süßliche Würze im Hintergrund, Angelika- und Schwertlilienwurzel liefern die erdige, bindende Basis, die dem Destillat seine samtige, fast ölige Textur verleiht. Diese Betonung von Frucht und Textur gegenüber reiner Wacholderschärfe gilt als stilprägend für den American-Dry-Stil, zu dessen bekannteren Vertretern der No. 209 zählt.
Verwendung des No. 209 Gin
- Gin & Tonic: Die ausgeprägte Bergamotte- und Zitrusnote des No. 209 harmoniert gut mit einem klassischen, nicht zu bitteren Indian Tonic wie Fever-Tree Premium Indian Tonic Water, das die fruchtige Fülle des Gins unterstützt, ohne sie zu überdecken. Wer zusätzlich eine blumige Komponente sucht, kombiniert den No. 209 mit Fever-Tree Elderflower Tonic Water, dessen Holunderblütennote gut zur samtigen Textur des Gins passt.
- Dry Martini: Dank seiner reichhaltigen, öligen Textur und der zurückhaltenden Wacholdernote eignet sich der No. 209 auch für einen modernen, weniger herben Martini, in dem die Zitrus- und Gewürznoten deutlich hervortreten.
- Ramos Gin Fizz: Die Brennerei selbst empfiehlt den No. 209 ausdrücklich für klassische Frühstückscocktails wie den Ramos Gin Fizz, in dem die cremige Textur des Gins gut zur Geltung kommt.
Der No. 209 Gin richtet sich an alle, die einen amerikanischen Gin mit ausgeprägter Zitrusfülle statt purer Wacholderschärfe suchen – zugänglich genug für Einsteiger, aber mit genug Tiefe für erfahrene Genießer. Im Vergleich zu anderen zitrusbetonten US-Gins wie dem Bluecoat American Dry Gin aus Philadelphia setzt der No. 209 weniger auf reine Zitrusschale als auf die komplexere Bergamotte-Kardamom-Kombination und wirkt dadurch insgesamt runder und gehaltvoller. Wer die San-Francisco-Brennerei näher kennenlernen möchte, findet in den limitierten Barrel-Reserve-Editionen eine interessante Weiterentwicklung desselben Grundrezepts mit zusätzlicher Fassnote.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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