Die Kombination im Überblick
Salcombe Gin aus der englischen Grafschaft Devon und das 1724 Tonic Water verbindet vor allem eine gemeinsame Zitrusachse. Der Start Point Gin von Salcombe Distilling Co. wird in einer ehemaligen Bootswerkstatt direkt an der Salcombe-Mündung destilliert und orientiert sich konzeptionell an den historischen "Salcombe Fruiter", jenen kupferbeschlagenen Handelsschiffen, die im 19. Jahrhundert Zitrusfrüchte und Gewürze aus fernen Häfen nach England brachten. Entsprechend zentral ist die Rolle von drei unterschiedlichen Zitrusschalen – Zitrone, Limette und rote Grapefruit – in der Rezeptur, während Wacholder bewusst zurückhaltender dosiert wird als bei den meisten klassischen London-Dry-Gins. Das 1724 bringt mit seiner eigenen, feinen Mandarinennote eine vierte Zitrusebene ins Spiel, die sich in dieses bereits zitrusreiche Bild einfügen muss, statt es zu stören. Gegründet wurde Salcombe Distilling Co. von Howard Davies und Angus Lugsdin, die sich beim gemeinsamen Segelunterricht an der Küste Devons kennenlernten – ein maritimer Hintergrund, der sich auch in der Wahl zweier auf die Namen Hoshi und Provident getaufter portugiesischer Kupferbrennblasen sowie in der Verwendung von Wasser aus dem Dartmoor-Nationalpark widerspiegelt.
Warum diese Kombination funktioniert
Anders als bei vielen anderen 1724-Paarungen, bei denen das Tonic in erster Linie als leise, neutrale Bühne für kräuterige oder gewürzige Botanicals dient, entsteht bei Salcombe ein anderer Effekt: Die milde Mandarinennote des 1724 trifft auf die ohnehin schon helle, lebendige Zitrusfülle aus Zitronen-, Limetten- und Grapefruitschale und verstärkt diese Achse, statt eine neue aufzumachen – ein Prinzip, das im Katalog bereits von der Kombination aus Gin Mare und Fever-Tree Mediterranean Tonic bekannt ist, dort allerdings auf Kräuternoten statt auf Zitrus bezogen. Weil das 1724 spürbar weniger süß ist als viele Massenmarken-Tonics, bleibt die Zitrusfrische von Salcombe zudem trocken und klar konturiert, statt in Richtung einer limonadenartigen Süße abzudriften. Der zurückhaltende Wacholderanteil des Gins sorgt dafür, dass die Zitrusfülle das Geschmacksbild dominieren kann, ohne von einer kräftigeren Nadelholznote konkurrenziert zu werden – und die pfeffrige Würze aus Cubebenpfeffer und Angelikawurzel verleiht der insgesamt hellen Kombination genügend Tiefe, um nicht eindimensional zu wirken. Insgesamt fließen dreizehn Botanicals in die Rezeptur ein, von denen mehrere von der Destillerie nicht offengelegt werden – ein Hinweis darauf, dass die Zitruslastigkeit des Gins zwar dominant, aber keineswegs das einzige Element seiner Komplexität ist.
Verkostung der Kombination
In der Nase zeigt sich der Drink hell und lebendig, mit einer Vielzahl an Zitrusnoten – Zitrone, Limette, Grapefruit und die milde Mandarine des Tonics –, die sich gegenseitig verstärken, statt sich zu überlagern. Am Gaumen bleibt diese Zitrusfülle im Zentrum, unterstützt von erdigem Koriander und einer pfeffrigen Würze aus Cubebenpfeffer, während der Wacholder eher den Rahmen als das Zentrum bildet. Die Säure ist für eine 1724-Kombination ungewöhnlich präsent, was dem Drink eine für dieses Tonic seltene Frische verleiht, während die Süße insgesamt zurückhaltend bleibt. Der Abgang ist knackig und klar, mit einer leicht salzig-würzigen Note, die noch länger nachklingt als die übrigen Aromen – ein für das eher leise 1724 überraschend lebendiges Ergebnis.
Serviervorschlag
Serviert wird die Kombination im großen Ballonglas mit reichlich Eis, im Verhältnis von etwa 1:3 Gin zu Tonic. Als Garnitur passt eine Grapefruitzeste am besten, da sie die dritte, im Gin enthaltene Zitrusnote gezielt aufgreift und der Kombination eine zusätzliche, leicht bittere Facette verleiht, die die insgesamt helle Zitrusachse gut abrundet. Von süßen oder kräuterigen Garnituren sollte eher abgesehen werden, da sie die klare, trockene Zitrusstruktur der Kombination unnötig verwässern würden.
Einordnung & Vergleich
Im Vergleich zum ebenfalls citrusgeprägten Old Raj Dry Gin, der mit dem 1724 auf 4/5 kommt, zeigt sich ein Unterschied im Ansatz: Old Raj setzt neben Zitrus stark auf Safran und eine gelbliche Färbung, wodurch das Tonic dort eher als neutrale Ergänzung fungiert. Bei Salcombe dagegen verstärkt die Mandarinennote des 1724 die ohnehin dominante Dreifach-Zitrusachse des Gins direkt, was der Kombination eine zusätzliche, seltene Lebendigkeit verleiht und die etwas höhere Bewertung erklärt. Innerhalb des Katalogs ist dies damit eine der wenigen 1724-Kombinationen, bei denen das Tonic nicht nur als stille Bühne, sondern als aktiver Verstärker einer bereits vorhandenen Aromenachse wirkt – ein Mechanismus, der sonst eher von kräuterbetonten Gins wie Gin Mare bekannt ist, hier aber genauso gut mit Zitrus funktioniert.
Fazit
5/5 Punkte. Eine der lebendigsten Kombinationen mit diesem eigentlich sehr zurückhaltenden Tonic, weil sich Salcombes Dreifach-Zitrusachse und die milde Mandarinennote des 1724 gegenseitig verstärken, statt nur nebeneinanderzustehen. Empfehlenswert für alle, die einen hellen, zitrusbetonten Gin & Tonic ohne viel Süße suchen und die maritime Handelsgeschichte Devons zu schätzen wissen. Wer dagegen einen wacholderbetonten, klassischeren Charakter bevorzugt, sollte eher zu einem der kräuterigeren Gins im 1724-Programm greifen.
Geschmacks-Matrix der Kombination
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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