Herstellung des Salcombe Gin:
Salcombe Distilling Co. wurde von Howard Davies und Angus Lugsdin gegründet, die sich Jahre zuvor beim gemeinsamen Segelunterricht an der Küste Devons kennengelernt hatten. Ihre Destillerie richteten sie in einer ehemaligen Bootswerkstatt direkt am Wasser der Salcombe-Mündung ein – eine Lage, die die Destillerie zu einer der wenigen weltweit macht, die unmittelbar mit dem Boot angefahren werden kann. Gebrannt wird auf zwei portugiesischen Kupferbrennblasen, die auf die Namen Hoshi und Provident getauft sind; für die Verdünnung auf Trinkstärke wird Wasser aus dem nahegelegenen Dartmoor-Nationalpark verwendet.
Konzeptionell orientiert sich die Marke bewusst an der maritimen Handelsgeschichte des Küstenortes: Die sogenannten „Salcombe Fruiter" waren im 19. Jahrhundert in Salcombe gebaute, kupferbeschlagene Handelsschiffe, die auf ihren Routen exotische Früchte und Gewürze aus fernen Häfen zurück nach England brachten. An diese Handelsrouten lehnt sich die Botanical-Auswahl des Flaggschiff-Gins Start Point an, der mit 44 % vol. abgefüllt wird und dreizehn Botanicals vereint, in denen frische Zitrusschalen von Zitrone, Limette und roter Grapefruit eine zentrale Rolle spielen. Neben mazedonischem Wacholder und englischem Koriandersamen fließen unter anderem Süßholz, Kardamom, Cubebenpfeffer und Angelikawurzel in die Rezeptur ein, ergänzt um mehrere von der Destillerie nicht offengelegte weitere Zutaten. Die Kombination aus maritimem Standort, historischer Handelsroute als Erzählrahmen und einer betont zitruslastigen Botanical-Auswahl hat Salcombe seit der Gründung mehrere internationale Auszeichnungen eingebracht, darunter eine Doppel-Gold-Medaille bei den San Francisco World Spirits Awards 2017 sowie Gold und den Titel „Gin Master" bei den Spirits Business Gin Masters 2022.
Verkostung des Salcombe Gin:
In der Nase zeigt sich der Start Point Gin hell und frisch, mit lebendiger Zitrusschale und floralen Nuancen über einer dezenten Kiefern-Wacholder-Note im Hintergrund. Am Gaumen setzt sich dieser zitrus-florale Charakter fort und wird von erdigem Koriander und Wacholder sowie einem pfeffrigen Biss von Cubebenpfeffer und Angelikawurzel ergänzt, ohne dass der Wacholder dabei die dominierende Rolle übernimmt, die man von einem klassischen London Dry Gin erwarten würde. Stattdessen tritt die Frische der drei Zitrusschalen – Zitrone, Limette und rote Grapefruit – deutlich in den Vordergrund und prägt den Gesamteindruck maßgeblich. Der Abgang ist knackig und klar, mit einer leicht salzig-würzigen Note, die noch länger nachklingt als die übrigen Aromen. Diese klare Zitrus-Ausrichtung bei gleichzeitig zurückhaltenderem Wacholderanteil positioniert den Salcombe Start Point eher im Bereich moderner, botanicals-vielfältiger Gins als bei den traditionellen, wacholderdominierten London-Dry-Stilen.
Steckbrief Salcombe Gin:
Alkoholgehalt: 44 % vol.
Verwendete Botanicals: Mazedonischer Wacholder, Zitronenschale, Limettenschale, rote Grapefruitschale, englischer Koriandersamen, Süßholz, Kardamom, Cubebenpfeffer, Angelikawurzel (u. a., insgesamt 13 Botanicals)
Hersteller: Salcombe Distilling Co., Salcombe, Devon
Die Salcombe Fruiter: Warum Zitrus die Rezeptur bestimmt
Namensgebend und konzeptionell prägend für den Start Point Gin sind die historischen Salcombe Fruiter, kupferbeschlagene Handelsschiffe, die vom Küstenort aus über weite Handelsrouten Früchte wie Orangen und Zitronen sowie exotische Gewürze nach England importierten. Howard Davies und Angus Lugsdin griffen diese Handelsgeschichte bei der Entwicklung ihrer Rezeptur bewusst auf und wählten Botanicals, die entlang ähnlicher historischer Routen gehandelt wurden – daher die zentrale Rolle von drei unterschiedlichen Zitrusschalen neben Gewürzen wie Kardamom und Cubebenpfeffer, die traditionell über den Fernhandel nach Europa gelangten. Diese erzählerische Verbindung zwischen Standort, Schifffahrtsgeschichte und Botanical-Auswahl ist bei Salcombe ungewöhnlich konsequent umgesetzt und erklärt, warum der Gin geschmacklich deutlich stärker auf Frische und Zitrus setzt, als es der Name „Dry Gin" auf dem Etikett zunächst vermuten lässt.
Verwendung des Salcombe Gin
- Gin & Tonic: Die ausgeprägte Zitrusfrische harmoniert hervorragend mit einem klassischen, nicht zu süßen Tonic wie Fever-Tree Premium Indian Tonic Water; wer die Grapefruit-Note zusätzlich betonen möchte, kann alternativ zu East Imperial Grapefruit Tonic Water greifen. Eine Grapefruitzeste als Garnitur rundet den Drink stimmig ab.
- White Lady: Die klare Zitrusstruktur des Gins eignet sich auch gut für Cocktails mit Zitrussaft und Orangenlikör, in denen die florale Frische des Start Point Gins nicht von zu viel Wacholderwürze überdeckt wird.
Salcombe Gin richtet sich an alle, die einen betont frischen, zitrusgeprägten Gin abseits der klassischen, stark wacholderdominierten London-Dry-Schule suchen. Im Vergleich zum ebenfalls in Devon beheimateten Silent Pool Gin zeigt sich Salcombe deutlich zitrischer und heller, während Silent Pool mit Honig und Kamille eine sanftere, floralere Richtung verfolgt. Wer die maritime Handelsgeschichte Südenglands mit einem entsprechend hellen, zitrusreichen Geschmacksprofil verbinden möchte, findet im Salcombe Start Point Gin einen der konsequentesten Vertreter dieses Stils. Der Premium-Preis spiegelt dabei auch die mehrfachen internationalen Auszeichnungen und die handwerkliche Destillation in der kleinen Devon-Manufaktur wider.
Einordnung & Alternativen
- Darnley's View Gin – ebenfalls zitrusbetont, aber mit floraler Holunderblüte statt Grapefruit und meist etwas günstiger positioniert.
- Lind & Lime Gin – stellt mit frischer Limettenschale eine noch schärfer auf eine einzelne Zitrusfrucht zugeschnittene Alternative dar.
- Isle of Harris Gin – bringt mit Zuckertang eine maritim-salzige statt fruchtig-helle Note ins Spiel, bei vergleichbarem Premium-Preisniveau.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
Ähnliche Gins

Schwarzer Walfisch Gin
Jodig-salziger Zuckertang trifft herb-süßen Sanddorn — eine ungewöhnliche Kombination aus Meeresnote und Fruchtwärme.

Siegfried Rheinland Dry Gin
Kraftvoller Wacholder trifft auf blumig-honigartige Lindenblüte — floral-frisch statt seifig im Abgang.

Silent Pool Gin
Blumig-elegant mit Lavendel, Kamille und Honigsüße, getragen von Holunderblüte und Zitrusfrische — kein dominanter Wacholder.

Skagerrak Nordic Dry Gin
Blumig-fruchtige Holunderblüte, dazu herb-säuerliche Sanddorn- und Hagebuttennote — unverkennbar skandinavisches Profil.
Dazu passendes Tonic Water

Fentimans Pink Grapefruit Tonic Water
Saftig-süße Grapefruit mit einem Hauch Orange auf der fermentiert-komplexen Botanicals-Basis der Marke.

Fentimans Tonic Water
Kräftig-erdige Bitterkeit aus mehrtägiger Fermentation — komplexer und weniger neutral als die meisten industriellen Tonics.

Fentimans Valencian Orange Tonic Water
Sonnig-süße Valencia-Orange über fermentierter Botanicals-Tiefe — die mildeste, zugänglichste Fruchtvariante der Marke.
Passende Gin & Tonic Kombinationen

New Western Dry Gin erklärt
Wacholder als einer unter vielen gleichberechtigten Botanicals statt Hauptdarsteller – die 2006 von Ryan Magarian geprägte 'botanische Demokratie'.

Gin-Botanicals im Detail: Die wichtigsten Aromageber von Wacholder bis Iriswurzel
Von der einzigen Pflichtzutat Wacholder bis zur jahrelang getrockneten Iriswurzel — jedes Botanical bringt eine eigene Geschichte und Aromatik mit.

Mediterrane Gins
Basilikum, Rosmarin und Oliven verdrängen den Wacholder in den Hintergrund — mediterrane Gins schmecken herzhaft-kräuterig statt klassisch trocken.
