Scapa Skiren – Sanfte Orkney-Malz auf ungewöhnlicher Brennblase
Der Scapa Skiren stammt von einer der nördlichsten Destillerien Schottlands und zeigt, dass Orkney-Whisky nicht zwangsläufig rauchig-maritim sein muss. Die Destillerie liegt am Ufer des Scapa Flow nahe Kirkwall auf dem Festland der Orkney-Inseln, nur wenige hundert Meter von der bekannteren Nachbarin Highland Park entfernt, und zählt zu den drei nördlichsten Whiskybrennereien Schottlands überhaupt. Der Skiren reift ausschließlich in First-Fill-Ex-Bourbonfässern amerikanischer Eiche, was ihm eine helle, honigbetonte Süße verleiht, die sich deutlich vom rauchigeren Stil vieler anderer Inselwhiskys abhebt.
Geschichte: Feuer, Stillstand und eine ungewöhnliche Brennblase
Scapa wurde 1885 von dem Glasgower Blend-Hersteller Macfarlane & Townsend gegründet. 1919 wäre die Destillerie beinahe komplett niedergebrannt, konnte aber nur durch den beherzten Einsatz von Matrosen der britischen Grand Fleet gerettet werden, die in einer improvisierten Eimerkette Wasser aus dem Hafen heranschafften. Über die folgenden Jahrzehnte wechselten die Eigentümer mehrfach: 1954 übernahm Hiram Walker & Sons, 1987 ging die Destillerie mit der Übernahme durch Allied Distillers an einen neuen Konzern, und seit 2005 gehört Scapa zu Chivas Brothers, der Scotch-Sparte von Pernod Ricard. Dazwischen lag eine schwierige Phase: 1994 wurde die Produktion eingestellt, ab 1997 lief sie nur eingeschränkt weiter, bis 2004 eine umfassende Restaurierung im Wert von rund 2,1 Millionen Pfund die Anlage modernisierte. Seit Oktober 2005 läuft die Produktion wieder im Vollbetrieb. Eine technische Besonderheit blieb dabei erhalten: Die Wash Still der Destillerie war ursprünglich eine sogenannte Lomond Still mit charakteristischen Kondensationsplatten im Hals der Brennblase. Diese Platten wurden inzwischen entfernt, sodass die Blase heute funktional wie eine klassische Brennblase arbeitet – ihre zylindrische Lomond-Form aber, die einzige noch aktive dieser Art in Schottland, blieb baulich erhalten und prägt bis heute den vergleichsweise leichten, weichen Spirit-Charakter der Destillerie.
Der Scapa Skiren im Speziellen
Der Skiren wurde 2015 eingeführt und ersetzte die zuvor altersdeklarierte 16-Jahre-Abfüllung als neue Standard-Expression der Destillerie – benannt nach dem altnordischen Wort für "leuchtend" oder "strahlend hell", eine Anspielung auf die klaren Sommerabende auf Orkney. Anders als sein Vorgänger trägt der Skiren keine Altersangabe mehr und reift ausschließlich in First-Fill-Ex-Bourbonfässern amerikanischer Eiche, ohne zusätzliches Sherry- oder Rotweinfinish. Abgefüllt wird er mit 40 % Vol.; zur Kühlfilterung liegen keine öffentlichen Herstellerangaben vor, bei dieser Trinkstärke ist sie in der Kategorie aber die Regel. Der Skiren markiert den Einstieg in das kleine Scapa-Sortiment, das ansonsten vor allem aus limitierten, deutlich teureren Sonderabfüllungen besteht.
Herstellung: Die letzte aktive Lomond-Brennblase Schottlands
Scapa bezieht sein Brauwasser aus dem Lingro Burn, der in den Scapa Flow mündet, und nutzt für die erste Destillation die bereits erwähnte, baulich einzigartige Lomond-Wash-Still. Ursprünglich sollten die inzwischen entfernten Kondensationsplatten im Blasenhals für zusätzlichen Rückfluss und damit einen leichteren, reineren Spirit sorgen – ein Ziel, das die charakteristische, breite Form der Blase bis heute unterstützt, auch ohne die Platten selbst. In Kombination mit der geschützten Lage am Scapa Flow, fernab der offenen See, entsteht ein Spirit, der spürbar weicher und weniger salzig-maritim ist als der der unmittelbar benachbarten Highland-Park-Destillerie – ein interessanter Kontrast zweier Nachbarn auf derselben kleinen Insel.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Helles Strohgold.
- Nase: Cremiger Honig und frische Sahne, ergänzt durch Apfel, einen Hauch Anis und zerstoßene Nüsse.
- Gaumen: Anhaltende Honigwärme, saftige Birne und Zitronenschale, im weiteren Verlauf ergänzt durch feine Eichenwürze, die für Balance sorgt.
- Abgang: Mittellang und leicht süß, mit nachklingender Eiche.
Genuss-Empfehlung
Der Skiren entfaltet sich am besten pur in einem Nosing-Glas bei Zimmertemperatur, wobei ein Tropfen Wasser die Honig- und Birnennoten zusätzlich öffnen kann, ohne die insgesamt zarte Struktur zu überfordern. Auf Eis verliert er schnell an Kontur, weshalb dieser Genussform eher abzuraten ist. Kulinarisch passt er gut zu leichtem Fisch, weißem Käse oder Fruchtdesserts mit Birne oder Apfel – Gerichte, die seine cremige Süße unterstreichen, ohne sie zu erschlagen. Auch als sanfter Aperitif oder als Einstiegs-Malt für alle, die Orkney kennenlernen möchten, ohne gleich auf Torfrauch zu treffen, ist er eine gute Wahl.
Fazit
Der Scapa Skiren zeigt eine Seite Orkneys, die im Schatten des viel bekannteren, torfigeren Highland Park 12 Jahre oft übersehen wird: sanft, honigsüß und ganz ohne Rauch. Wer einen unkomplizierten, aber keineswegs eindimensionalen Insel-Malt sucht und lieber auf cremige Fruchtsüße als auf Torf setzt, findet im Skiren eine überzeugende und fair bepreiste Alternative zu den bekannteren Orkney-Namen.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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