Scotch Whisky

The Singleton of Glen Ord 12 Jahre Whisky

3,5/5 Redaktionsbewertung
40 % vol.EinstiegsklasseAmerikanische und europäische Eiche (Bourbon- und Sherryfässer, laut Hersteller- und Händlerangaben)Muir of Ord, Black Isle, Highlands, Schottland
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The Singleton of Glen Ord 12 Jahre – Der Highlander, der zuerst nach Asien reiste

Wer an Diageos Marke The Singleton denkt, hat oft zuerst Speyside im Kopf. Der Glen Ord gehört jedoch nicht dorthin, sondern in die nördlichen Highlands: Die Destillerie liegt bei Muir of Ord auf der Black Isle nördlich von Inverness. Der 12 Jahre alte Kern der Reihe wird mit 40 % vol. abgefüllt und versteht sich als weicher, gewürzter Einstiegsmalt ohne Rauch. Bemerkenswert ist vor allem seine Herkunft als Marktprodukt: Er war die erste Singleton-Variante überhaupt und zunächst nicht für uns in Europa gedacht.

Geschichte: Von der Black Isle in die Welt

Gegründet wurde die Brennerei 1838 von den Lizenzinhabern Robert Johnstone und Donald MacLennan. Die Anfänge verliefen holprig: Beide meldeten bis 1847 Insolvenz an, die Produktion lief zeitweise ohne Lizenz weiter, ehe 1855 eine neue Konzession erteilt wurde. Alexander MacKenzie übernahm 1877 und vermarktete einen Teil des Destillats ab 1880 unter dem Namen „Glen Oran“. 1896 folgte der Verkauf an James Watson & Son, später kam der Betrieb zu Thomas Dewar & Sons und 1923 zur Distillers Company. Über Scottish Malt Distillers sowie die Fusionen von 1985 und 1997 gelangte Glen Ord schließlich zu Diageo.

Die Marke The Singleton startete 2006, und Glen Ord stand dabei am Anfang: Nach übereinstimmenden Quellen war er die erste Variante und zielte auf Asien, mit Taiwan als erstem Markt. Dort blieb er lange eine feste Größe, während Glendullan und Dufftown für andere Regionen gedacht waren. Erst ab 2015 hob Diageo die regionale Aufteilung auf.

Der Singleton of Glen Ord 12 im Speziellen

Der 12-Jährige ist das Basismodell der Glen-Ord-Linie, über der Abfüllungen mit 15 und 18 Jahren sowie wechselnde Sonderfüllungen stehen. Zum Fassmix gibt es keine einheitliche Angabe: Händler sprechen von amerikanischer und europäischer Eiche, andere Quellen von Bourbon- und Oloroso-Sherryfässern, und ein Tester nennt ein Verhältnis von etwa 50:50. Belastbar ist daher nur die Richtung: Beides spielt mit, und entsprechend wirken sowohl Vanille und Toffee als auch Trockenfrüchte. Ein niederländischer Händler weist zudem Zuckercouleur aus, die Abfüllung ist also gefärbt.

Das Urteil der Tester fällt gemischt aus. Einzelne Rezensionen sehen den Whisky als hübschen Einsteiger mit Gewürz und Frucht, andere empfinden ihn als dünn oder auf der Nase grasig-vegetabil. Dass ein Kommentator bei neueren Chargen einen stärkeren Sherryanteil vermutet, passt zur dünnen Dokumentation und zeigt, dass Chargenschwankungen möglich sind.

Herstellung: Große Anlage, eigene Mälzerei

Glen Ord ist ein Großbetrieb. Nach der Modernisierung 2014 liegt die Jahreskapazität je nach Quelle bei rund 11,5 bis 12 Millionen Litern reinem Alkohol, und damit deutlich über dem, was die Speyside-Schwesterbrennereien leisten. Laut Wikipedia arbeiten sieben Wash Stills und sieben Spirit Stills, zusammen vierzehn Brennblasen. Dazu kommt ein Detail, das für die Marke sonst kaum eine Rolle spielt: Neben der Destillerie entstand 1968 eine große mechanische Mälzerei, die mehrere Diageo-Brennereien versorgt. Die älteren Saladin-Boxen waren dort noch bis 1983 im Einsatz.

Ein Großteil der Produktion fließt in Blends, nach Angaben von Wikipedia unter anderem in Johnnie Walker. Nur ein Teil wird als The Singleton abgefüllt. Das erklärt, weshalb der Charakter bewusst auf Zugänglichkeit getrimmt ist: Das Destillat ist eher leicht und grasig, die Fässer geben Gewürz und Süße dazu.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Tiefes Bernstein bis Kupfergold.
  • Nase: Getrocknete Orangenschale, Ingwer, Marmelade und Toffee, dazu Vanille und leicht grasige Anklänge.
  • Gaumen: Gewürzt und leicht wachsig mit Fruchtpunsch, weißem Pfeffer, Malz und einem Hauch Milchschokolade; je nach Tester auch etwas dünn.
  • Abgang: Mittellang bis kurz, mit Eichentanninen, Vanille und weicher, leicht trocknender Gewürznote.

Genuss-Empfehlung

Wegen der 40 % vol. sollte der Glen Ord 12 nicht kalt oder stark verdünnt getrunken werden: Pur oder mit wenigen Tropfen Wasser kommt der Ingwer am besten zur Geltung, ein Tropfen mehr kann die Nase allerdings papierig wirken lassen. Ein Tulpenglas bündelt die Aromen besser als ein breiter Tumbler. Als Highball mit viel Eis und Soda funktioniert er überraschend gut, weil Orangen- und Ingwernoten Frische liefern. Am Tisch passt er zu gebratener Ente mit Orangensauce, Ingwerkeksen oder mildem Hartkäse.

Einordnung & Alternativen

Fazit

Der Singleton of Glen Ord 12 Jahre ist keine Entdeckung, aber ein anständiger, unkomplizierter Highland-Malt mit mehr Gewürz, als der Preis erwarten lässt. Wer sich erst einmal an Single Malts herantasten will, findet in unserem Whisky-für-Einsteiger-Ratgeber weitere Orientierung. Für Kenner fehlen Tiefe, Fassstärke und ein verlässlich dokumentierter Fassmix. Die 3.5 Punkte spiegeln das wider: handwerklich sauber, aber bei 40 % vol. und mit Zuckercouleur eher Allrounder als Charakterkopf. Die Verfügbarkeit in Deutschland ist uneinheitlich, in europäischen Online-Shops taucht er aber regelmäßig auf.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße3/5
Rauch/Torf1/5
Fruchtigkeit3/5
Würze/Eiche2/5

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