Sipsmith London Dry Gin & Gents Swiss Roots Tonic Water (4/5)

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Sipsmith London Dry Gin & Gents Swiss Roots Tonic Water (4/5)

4/5 Redaktionsbewertung
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Die Kombination im Überblick

Sipsmith London Dry Gin aus Chiswick und das Gents Swiss Roots Tonic Water aus Zürich stellen zwei denkbar unterschiedliche Traditionen gegenüber: den seit 2009 nach klassischem One-Shot-Verfahren gebrannten Londoner Gin mit gerade einmal zwölf sorgfältig ausgewählten Botanicals und das junge, 2012 gegründete Schweizer Tonic, das mit seiner ungewöhnlichen Enzianwurzel-Note bewusst gegen den internationalen Chinin-Mainstream positioniert ist. Wo der Caorunn oder der Ferdinand's mit ihren zarten, floralen Profilen an der ausgeprägten alpinen Bitterkeit des Gents zu kämpfen haben, tritt hier ein Gin an, der von Haus aus für seine kräftige Wacholder- und Gewürzstruktur bekannt ist – ein Test, ob ein traditioneller, dichter London Dry Gin der Enzian-Herbe standhält, statt von ihr überlagert zu werden.

Bemerkenswert ist dabei auch der Kontrast in der Unternehmensgeschichte: Sipsmith war 2009 die erste neue Kupferbrennblasen-Destillerie Londons seit fast 200 Jahren und musste sich ihren Weg durch ein zähes, fast zweijähriges Genehmigungsverfahren erst erkämpfen; Gents wurde erst drei Jahre später in Zürich gegründet und positioniert sich von Beginn an als bewusst junge, alternative Schweizer Marke. Zwei sehr unterschiedliche Gründungsgeschichten treffen hier also aufeinander – die eine steht für die Wiederbelebung eines jahrhundertealten Londoner Handwerks, die andere für einen bewussten Neuanfang abseits etablierter Tonic-Rezepturen.

Warum diese Kombination funktioniert

Der Sipsmith bringt mit seinem kräftigen Wacholder und der warmen Zimt-Cassia-Würze genug Substanz mit, um der Enzian-Bitterkeit des Gents auf Augenhöhe zu begegnen. Anders als bei den zarteren Gins dieser Reihe verschwindet hier keine Aromenlinie in der alpinen Herbe – im Gegenteil, die erdigen Angelika- und Orriswurzel-Noten des Sipsmith finden in der ebenfalls erdig-wurzeligen Enzian-Note des Tonics eine Art Echo, das die Bitterkeit weniger fremd und stattdessen wie eine natürliche Fortsetzung der eigenen Botanical-Struktur wirken lässt. Die nussige Mandelnote und die warme Zimt-Cassia-Würze bleiben trotz der kräftigen Bitterkeit klar wahrnehmbar, weil sie selbst intensiv genug sind, um nicht verdeckt zu werden. Das Ergebnis ist ein robustes, klassisch-würziges Zusammenspiel, das weniger auf Harmonie im Sinne gegenseitiger Verstärkung setzt als auf zwei gleich starke Partner, die sich gegenseitig Raum lassen. Auch die floralen Heidekraut- und Orris-Wurzel-Anklänge des Sipsmith, die im One-Shot-Verfahren gemeinsam mit den übrigen elf Botanicals destilliert werden, bleiben trotz der kräftigen Bitterkeit noch herauszuschmecken, weil sie Teil eines insgesamt dichten, gut durchstrukturierten Gesamtprofils sind statt einer isolierten, leicht überdeckbaren Einzelnote.

Verkostung der Kombination

In der Nase treffen kräftiger Wacholder und warme Zimt-Cassia-Würze auf die erdig-bittere Enzianwurzel, mit einer feinen Zitrusnote im Hintergrund. Am Gaumen bleibt die dichte, klassische London-Dry-Struktur des Sipsmith klar erkennbar: Wacholder und Gewürz bilden das Rückgrat, während die Bitterkeit des Tonics für zusätzliche Tiefe und einen trockenen Grundton sorgt, ohne die nussige Mandelnote zu verdrängen. Süße spielt insgesamt eine untergeordnete Rolle, was der Kombination einen erwachsenen, würzig-herben Charakter verleiht. Der Abgang ist lang, warm und würzig, mit einem bitter-erdigen Nachklang, der die alpine Herkunft des Tonics noch einmal unterstreicht.

Serviervorschlag

Ein klassisches Ballonglas oder schlichtes Longdrinkglas mit reichlich Eis eignet sich am besten, im Verhältnis von etwa 1:3, damit sich die kräftigen Aromen beider Partner nicht gegenseitig überfordern. Als Garnitur passt eine dünne Zitronenzeste, die die im Sipsmith ohnehin vorhandene Zitrusschale betont und einen leichten frischen Kontrapunkt zur Bitterkeit setzt. Von süßen oder fruchtigen Garnituren sollte eher abgesehen werden, da sie dem trockenen, würzigen Charakter der Kombination entgegenwirken würden.

Einordnung & Vergleich

Im Vergleich zur bereits vorgestellten Kombination mit dem sehr neutralen 1724 Tonic Water zeigt sich, wie sehr der Sipsmith von einem Tonic mit eigenem Charakter profitiert: Wo das zurückhaltende 1724 dem Gin praktisch keine Reibungsfläche bietet und die Kombination dadurch etwas eindimensional wirkt, gibt die ausgeprägte Enzian-Bitterkeit des Gents Swiss Roots dem robusten Sipsmith ein echtes Gegenüber. Innerhalb dieser Gents-Vergleichsreihe markiert der Sipsmith damit das Gegenstück zum deutlich zarteren Caorunn Gin: Beide Gins treffen auf dieselbe kräftige Bitterkeit, doch nur der strukturell dichtere Sipsmith verfügt über genug eigene Substanz, um ihr souverän zu begegnen.

Fazit

4/5 Punkte. Eine robuste, klassisch-würzige Kombination, die zeigt, dass die ausgeprägte Bitterkeit des Gents Swiss Roots keineswegs grundsätzlich ein Problem ist, sondern vor allem einen entsprechend kräftig gebauten Gin braucht. Wer den Sipsmith wegen seiner dichten, traditionellen London-Dry-Struktur schätzt, findet in dieser Paarung eine überzeugende, herbstlich-würzige Variante seines Standard-Gin-&-Tonics. Für einen leichteren, spritzigeren Sommerdrink lohnt sich dagegen eher ein Blick auf eine der milderen Tonic-Optionen aus dem Sipsmith-Sortiment.

Geschmacks-Matrix der Kombination

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Balance4/5
Komplexität4/5
Säure/Frische3/5
Süße3/5