Herstellung des Sipsmith London Dry Gin:
Sipsmith wurde 2009 von den Jugendfreunden Sam Galsworthy und Fairfax Hall gegründet, die sich für den Weg in die eigene Destillerie entschieden, nachdem sie 2007 ihre Jobs gekündigt und eine Brennlizenz beantragt hatten. Erst nach fast zwei Jahren zäher Verhandlungen mit den Behörden – veraltete Vorschriften untersagten Brennblasen in der Nähe von Ausschankbetrieben – erhielten sie im Dezember 2008 die Genehmigung; am 14. Mai 2009 lief die erste Charge aus der neuen Brennblase, womit Sipsmith zur ersten neuen Kupferbrennblasen-Destillerie Londons seit fast 200 Jahren wurde. Kurz darauf stieß Jared Brown als Master Distiller dazu, der zuvor Erfahrung in einer Brennerei in Idaho gesammelt hatte. Herzstück der Destillerie ist die handgefertigte Kupferbrennblase „Prudence" – benannt in Anspielung auf den damaligen britischen Premierminister Gordon Brown und dessen Beteuerungen wirtschaftlicher „Prudence" (Umsicht) während der Finanzkrise –, die eigens von der deutschen Traditionsfirma Christian Carl gebaut wurde und Pot-Still-, Carter-Head- und Kolonnentechnik in sich vereint. Der Sipsmith London Dry Gin wird im One-Shot-Verfahren hergestellt: Alle zwölf Botanicals werden gemeinsam mit dem Neutralalkohol in den Kessel gegeben und in einem einzigen Destillationsdurchgang gebrannt, was dem Gin seinen dichten, klassischen Charakter verleiht. Heute produziert die Destillerie im Londoner Stadtteil Chiswick auf mittlerweile vier Brennblasen rund 80.000 Flaschen pro Jahr – aus den anfänglichen Moped-Lieferungen an die Bar des Dorchester Hotels ist ein international vertriebenes Aushängeschild des Londoner Craft-Gin-Booms geworden.
Verkostung des Sipsmith London Dry Gin:
In der Nase präsentiert sich der Sipsmith London Dry Gin kräftig wacholderbetont, unterlegt von warmer Zimt- und Cassia-Würze sowie frischer Zitrus- und Orangenschale. Am Gaumen zeigt sich ein dichtes, klassisches London-Dry-Profil mit nussigen Mandelnoten, erdiger Angelikawurzel und einer feinen floralen Komponente durch Orris Wurzel. Der Abgang ist trocken, warm und lang anhaltend würzig, ganz im Stil eines traditionellen, unverfälschten Londoner Gins – eine Machart, die Sipsmith bewusst nicht dem Trend zu immer mehr Botanicals folgen lässt, sondern konsequent auf zwölf sorgfältig ausgewählte Zutaten reduziert.
Steckbrief Sipsmith London Dry Gin:
Alkoholgehalt: 41,6 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Heidekraut, Orangenschale, Zitronenschale, Angelikawurzel, Cassia-Rinde, Orris Wurzel, Süßholz, Zimtstange, Bitter-Mandel, Koriandersamen, Mandel
Hersteller: Sipsmith Distillery, Chiswick, London
Botanicals des Sipsmith London Dry Gin im Detail
Die zwölf Botanicals sind bewusst überschaubar gehalten, folgen aber einem klaren dramaturgischen Aufbau: Wacholder und Koriandersamen bilden das Grundgerüst, Cassia-Rinde und Zimtstange steuern die warme Würze bei, während Orangen- und Zitronenschale für Frische sorgen. Bitter-Mandel und Mandel geben dem Gin seine charakteristische nussige Rundung, Angelika- und Orris-Wurzel liefern die erdig-florale Tiefe, die einen London Dry Gin von einem reinen Wacholderbrand unterscheidet. Weil alle Botanicals im One-Shot-Verfahren gemeinsam destilliert werden, statt einzelne Aromen separat zu gewinnen und später zu verschneiden, verlangt die Rezeptur nach Sipsmiths eigener Aussage besonders viel Fingerspitzengefühl bei der Botanical-Auswahl – jede Zutat muss von Beginn an im richtigen Verhältnis zu den anderen stehen.
Verwendung des Sipsmith London Dry Gin
- Gin & Tonic: Der Sipsmith London Dry Gin verträgt ein kräftiges Indian Tonic Water wie Fever-Tree Premium Indian Tonic Water sehr gut, da seine intensive Wacholder- und Gewürzwürze auch neben der Tonic-Bitterkeit bestehen bleibt; eine Orangenzeste betont die zitrischen Noten zusätzlich.
- Dry Martini: Als klassischer London Dry Gin mit dichtem, würzigem Profil eignet sich der Sipsmith hervorragend für einen traditionellen Dry Martini.
Der Sipsmith London Dry Gin richtet sich an alle, die einen geradlinigen, unverfälschten Londoner Gin ohne modische Extravaganzen suchen – ein Gin, der mit der gleichen Handwerklichkeit gebrannt wird wie zu den Anfängen der Destillerie 2009. Wer den kompromisslosen Wacholdercharakter noch weiter zuspitzen möchte, findet in der eigenen Produktfamilie mit dem Sipsmith V.J.O.P. Navy Strength Gin eine deutlich kräftigere Variante mit dreifacher Wacholdermenge und Fassstärke. Im Vergleich zu anderen Londoner Traditionsmarken wie dem Tanqueray London Dry Gin zeigt sich Sipsmith etwas nussiger und würziger, während Tanqueray auf eine schlankere, reduzierte Botanical-Auswahl setzt.
Bemerkenswert an der Geschichte von Sipsmith ist zudem, wie eng sie mit der Wiederbelebung des Londoner Gin-Handwerks überhaupt verknüpft ist: Vor der Gründung 2009 hatte es in der Stadt seit rund zwei Jahrhunderten keine neue Kupferbrennblasen-Destillerie mehr gegeben, weil restriktive Lizenzauflagen kleinere Neugründungen praktisch unmöglich machten. Erst der zähe, fast zweijährige Genehmigungsprozess von Galsworthy und Hall öffnete den Weg für eine ganze Welle nachfolgender Londoner Craft-Destillerien. Diese Pionierrolle erklärt auch, warum Sipsmith bis heute bei vielen Bartendern und Gin-Kennern als Referenzmarke für den modernen, aber traditionell gebrannten London Dry Gin gilt – unabhängig davon, wie stark der Craft-Gin-Markt in den vergangenen Jahren gewachsen ist. Der Premium-Preis lässt sich dabei mit der kleinbatchigen Produktion in Chiswick und der traditionellen One-Shot-Destillation begründen. Wer den klassischen Gin-Stil insgesamt kennenlernen möchte, findet im Überblick Klassische Gins die Grundlagen.
Einordnung & Alternativen
- Beefeater London Dry Gin – günstigerer klassischer London Dry Gin, geschmacklich etwas schlanker und weniger nussig als Sipsmith.
- Portobello Road No171 London Dry Gin – ähnlich premium-positionierter Londoner Craft-Gin mit etwas mehr Pfeffrigkeit im Profil.
- City of London Gin – ein weiterer urbaner Londoner Craft-Gin, botanisch jedoch anders aufgestellt als Sipsmiths zwölf klassische Zutaten.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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Warme Cassia- und Zimtwürze trifft auf Kaffee und Karamell — ein überraschend stimmiges Gegengewicht zum sonst dominanten Wacholder.

Sipsmith London Dry Gin & Fentimans Naturally Light Tonic Water (4/5)
Die reduzierte Süße lässt Zimt, Cassia und Mandel des dichten Zwölf-Botanicals-Gins klar hervortreten, während Kaffernlimette die Zitrusschale des Gins aufgreift.

Sipsmith London Dry Gin & Fever-Tree Naturally Light Tonic Water (4/5)
Zwei trockene Charaktere treffen aufeinander: Zimt und Cassia bleiben klar konturiert, auch wenn die ausgleichende Süße spürbar fehlt.

Sipsmith London Dry Gin & Franklin & Sons Sicilian Lemon Tonic Water (4/5)
Kräftiger Wacholder und warme Zimt-Cassia-Würze treffen auf klare sizilianische Zitronensäure – ein klassischer, geradliniger Gegenpol zu den reinen Zitrus-Verdopplungen dieses Tonics.

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Dem sonst kompromisslos trockenen Wacholderprofil fehlt hier ein bitteres Gegenüber – spürbar weicher und konturloser als gewohnt.

Sipsmith London Dry Gin & Thomas Henry Tonic Water (5/5)
Kaum Süße, kaum Frucht – konsequente Trockenheit macht diese Variante zur kompromisslosesten unter den drei Sipsmith-Kombinationen.

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