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Slyrs Destillerie – Bayern

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Die Slyrs Destillerie in Neuhaus am Schliersee in Oberbayern gehört zu den Pionieren des deutschen Single Malts. Hinter dem Namen, der an die alte Bezeichnung des Schliersees anknüpft, steht die Brennerfamilie Stetter: Florian Stetter destillierte 1999 den ersten Whisky noch in der väterlichen Brennerei Lantenhammer, heute entsteht er in einer eigenen Anlage. Das Profil prägen neue amerikanische Weißeichenfässer, ein Malt aus Bayern und das Voralpenklima. Dieses Porträt ordnet Geschichte, Herstellung und Sortiment ein.


Überblick

  • Name: Slyrs Destillerie (Slyrs Bavarian Whisky Distillery)
  • Ort: Neuhaus am Schliersee, Oberbayern
  • Gegründet: 1999 (erste Destillation), Slyrs KG seit 2004, eigene Destillerie seit 2006/2007
  • Land: Deutschland (Bayern)
  • Besitzer: Slyrs Destillerie GmbH & Co. KG, gegründet von den Brüdern Florian und Anton Stetter; die aktuelle Gesellschafterstruktur ist öffentlich nicht vollständig belegt
  • Typ: Single Malt Whisky, überwiegend unabgeraucht, Reifung in neuer amerikanischer Weißeiche

Historische Entwicklung

Jahr Ereignis
1994 Florian Stetter reist nach Schottland und wettet mit Kollegen, dass sich auch in Oberbayern guter Single Malt brennen lässt
1999 Der erste Slyrs wird in der Familienbrennerei Lantenhammer destilliert
2002 Erste Flaschen kommen in den Verkauf, rund 1.600 Stück, nach Herstellerangaben binnen weniger Tage vergriffen
2004 Florian und Anton Stetter gründen die Slyrs KG
2006/2007 Die eigene Destillerie in Neuhaus entsteht (je nach Quelle Bau 2006, Produktionsstart 2007); Hans Kemenater übernimmt die Produktionsleitung
2010 Erste Finishes in Pedro-Ximénez- und Oloroso-Fässern
2014 Hochlager auf dem Stümpfling in 1.501 Metern Höhe; erste größere internationale Auszeichnung
2015 Erster zwölfjähriger Slyrs wird verkauft
2020–2025 Erster bayerischer Rye (2020), erster getorfter Slyrs (2022), erster 18-Jähriger (2023); 2025 geht nach Herstellerangaben eine erweiterte Anlage in Betrieb

Besonderheiten bei der Herstellung

Rohstoff

Am Schliersee wächst in rund 800 Metern Höhe kaum Braugerste, deshalb kauft Slyrs sein Malz zu, nach Berichten aus der Bamberger Gegend. Der Kernwhisky ist unabgeraucht; ein getorfter Slyrs erschien erst 2022 als Sonderlinie. Beim Wasser gehen die Angaben auseinander (regionales Leitungswasser nach Wikipedia, Quellwasser in anderen Beschreibungen), deshalb lassen wir es offen.

Anlage

Gebrannt wird zweifach in kupfernen Pot Stills. Bis zum Ausbau bestand die Anlage laut Wikipedia und Fachseiten aus zwei Wash Stills und einer Spirit Still mit je 1.500 Litern; seitdem nennt eine Datenbank zwei Wash Stills mit je 5.000 Litern und eine Spirit Still mit 6.000 Litern. Eine Besonderheit ist der Glasraum, in dem die Brennblasen aus steuerlichen Gründen stehen.

Fassreifung und Höhenlager

Der Classic reift in neuen, 225 Liter großen Fässern aus amerikanischer Weißeiche, die fertig montiert geliefert werden. Das ist näher an Bourbon als an Scotch und erklärt die süße Vanille- und Karamellprägung. Ältere Abfüllungen wie der 12-Jährige nutzen dagegen Fässer, in denen zuvor Slyrs lag. Für die Mountain Edition lagern Fässer im Hochlager am Stümpfling, wo das Klima deutlich schärfer schwankt als im Tal.


Produkte & Charakter

Produkt Alkoholvolumen Charakteristik
Slyrs Classic (Bavarian Single Malt) 43 % Vanille, Karamell und Trockenfrucht, süß und rund; Einstieg in die Reihe
Slyrs 12 Jahre 43 % Reifer, mit Karamell, Orange, Gewürz und leichter Rauchnote
Slyrs Pedro Ximénez Edition 46 % (Edition 02) Sherry-Finish mit dunkler Süße; die Editionen wechseln
Slyrs Mountain Edition je Edition verschieden Fässer aus dem Höhenlager auf dem Stümpfling, limitiert

Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Slyrs Bavarian Single Malt.

Wer den Hintergrund einordnen will, findet ihn in unserem Überblick über deutsche Whisky-Brennereien und im Beitrag zu Geschichte und Pionieren des deutschen Whiskys.


Stil & Wiedererkennungswert

Slyrs steht für einen süßen, vanillebetonten Malt ohne Rauch. Weil das Fass neu ist, gibt das Holz früh viel Vanillin und Röstaromen ab, und die Spreizung zwischen Sommer und Winter am Alpenrand dürfte den Austausch zwischen Destillat und Holz zusätzlich beschleunigen. Das Ergebnis ist ein Whisky, der schon als junger Malt zugänglich wirkt.

Dazu kommt der Pioniercharakter. Slyrs gehört zu den ersten deutschen Marken, die Single Malt als Hauptprodukt verstanden und bis zu einem Sortiment mit Altersstufen, Sherry-Editionen, Rye und Höhenreifung ausgebaut haben. Dahinter steht weniger ein einzelner Kniff als eine durchgehende bayerische Handschrift.


Fazit

Slyrs ist ein guter Einstieg in deutschen Single Malt für alle, die weiche, süße Whiskys mit Vanille und Karamell mögen und mit Torf wenig anfangen können. Der Classic ist die naheliegende Einstiegsabfüllung; wer mehr Tiefe sucht, probiert den 12-Jährigen oder eine Sherry-Edition. Wer dagegen trockenen, rauchigen oder stark vom Sherry geprägten Scotch erwartet, bekommt hier einen bewusst anderen Stil.