Rund 300 Betriebe stellen in Deutschland nach Angaben des Verbands Deutscher Whiskybrenner (Stand Mai 2025) Whisky her – die meisten davon als Nebenprodukt einer Obstbrennerei oder Brauerei. Die folgende Auswahl ist exemplarisch, keine Rangliste und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Aufgenommen wurden nur Marken, zu denen sich Eckdaten belegen ließen; die Jahreszahlen stammen überwiegend von den Brennereien selbst und sind entsprechend gekennzeichnet.
Zwei Brennereien, die ganz auf Whisky setzen
Die Tageskarte (Juni 2025) nennt Slyrs und St. Kilian als die einzigen deutschen Brennereien, die ausschließlich auf Whisky ausgerichtet sind – eine Einordnung, die man als Pressedarstellung lesen sollte, nicht als Zählung.
Slyrs (Schliersee, Oberbayern). Florian Stetter reiste 1994 nach Schottland, 1999 wurde der erste Slyrs destilliert, 2002 kamen die ersten Flaschen in den Verkauf. Die SLYRS KG wurde nach Angaben der Brennerei 2004 gegründet, die Destillerie in Neuhaus entstand 2007. 2015 folgte die erste Abfüllung mit zwölf Jahren Reife. Charakteristisch ist die Reifung überwiegend in frischer amerikanischer Weißeiche; ein neuer Produktionsbau ging im Juni 2025 in Betrieb. Die Verkostung des Slyrs Bavarian Single Malt beschreibt die Aromatik.
St. Kilian (Rüdenau, Unterfranken). Gegründet am 27. September 2012 von Andreas Thümmler; die Produktion begann im März 2016, die erste Abfüllung folgte laut Wikipedia 2019. Das Unternehmen sitzt in der ehemaligen Textilfärberei Meixner im Odenwald und arbeitet mit Kupferbrennblasen der Firma Forsyths im zweistufigen Pot-Still-Verfahren. Gebrannt wird mit ungeräuchertem und mit Buche oder Torf geräuchertem Gerstenmalz. Ein Beispiel ist die Verkostung des St. Kilian Classic.
Familienbetriebe der ersten Stunde
Blaue Maus (Eggolsheim, Franken). Die Brennerei von Robert Fleischmann gibt 1983 als Gründungsjahr an und nennt sich die älteste Single-Malt-Destillerie Deutschlands; laut Connosr kamen die ersten Flaschen 1996 in den Handel. Dem Whisky Magazine zufolge wurde aus nicht getorftem Malz doppelt destilliert und etwa acht Jahre gereift.
Habbel (Sprockhövel, Nordrhein-Westfalen). Michael Habbel habe bereits 1977 Roggen- und Weizenwhisky entwickelt und zwölf Jahre gereift, so die Lebensmittel Praxis (Mai 2025). Tochter Michaela Habbel wurde 2019 als Präsidentin des VDW zitiert.
Schwäbische Alb und Harz
Finch (Schwäbische Alb). Die Whiskydestillerie von Hans-Gerhard Fink, einem Agraringenieur, wird nach Angaben von whisky.com seit 1999 betrieben; bis Ende 2020 saß sie in Nellingen, 2024 eröffnete sie laut whisky.com einen Neubau in Heroldstatt/Breithülen. Verarbeitet wird laut whisky.com und whiskybase Getreide aus eigenem Anbau, darunter Weizen, Dinkel, Gerste und Emmer.
Hammerschmiede (Zorge, Harz). Laut Whiskypedia 1985 als Gaststätte in einer ehemaligen Schmiede gegründet, ergänzte der Betrieb nach whisky.com und Whiskypedia 2002 Whisky im Sortiment. Der Whisky erscheint unter den Namen Glen Els und Elsburn; whisky.com nennt Malz, das über Buche und Erle geräuchert wird, sowie Reifung in Sherry-, Madeira-, Marsala- und Rotweinfässern.
Wie man die Angaben liest
Gleich zwei Häuser beanspruchen eine Pionierrolle: Slyrs gilt in der Presse als Anbieter der ersten deutschen Single Malts am Markt (2002), die Blaue Maus nennt sich selbst die älteste Single-Malt-Destillerie des Landes, und Habbel verweist auf Roggen- und Weizenwhisky ab 1977. Die Aussagen schließen sich nicht aus, weil jeweils etwas anderes gemeint ist: Gründung, erste Destillation, erster Verkauf oder erste Single-Malt-Abfüllung. Auch geografisch verteilt sich die Szene: Whisky Magazine nennt Schwaben als Region mit der höchsten Dichte an Whisky brennenden Schnapsbrennereien, während die Tageskarte (Juni 2025) fragt, ob Oberbayern zum deutschen Whisky-Zentrum werden könnte. Ob "Single Malt" auf einem Etikett zu Recht steht, hängt nur an Gerstenmalz und einer einzigen Brennerei, nicht an Region oder Alter.
Überblick in der Tabelle
| Brennerei | Ort | Besonderheit (nach Quelle) |
|---|---|---|
| Slyrs | Schliersee, Bayern | Erste Destillation 1999, erste Flaschen 2002; überwiegend frische amerikanische Weißeiche |
| St. Kilian | Rüdenau, Bayern | Gegründet 2012; Pot Stills von Forsyths; Produktionsstart 2016 |
| Blaue Maus | Eggolsheim, Bayern | Eigenangabe: ältester Single Malt Deutschlands, Gründung 1983 |
| Habbel | Sprockhövel, NRW | Roggen- und Weizenwhisky laut Presse seit 1977 |
| Finch | Schwäbische Alb, Baden-Württemberg | Gründung 1999; Getreide aus eigenem Anbau, auch Emmer |
| Hammerschmiede | Zorge, Niedersachsen | Whisky seit 2002; Rauchmalz über Buche und Erle statt Torf |
| Waldhornbrennerei (Glen Buchenbach) | Berglen, Baden-Württemberg | Schwäbischer Single Malt, bekannt durch Rechtsstreit um den Namen "Glen" |
| Spreewood Distillers (Stork Club) | Schlepzig, Brandenburg | Roggenwhiskey als Schwerpunkt; Betrieb seit 2016 unter den heutigen Inhabern |
Zur Waldhornbrennerei ist nur der Namensstreit belegt: Das Landgericht Hamburg untersagte 2019 die Bezeichnung "Glen Buchenbach", das Oberlandesgericht Hamburg bestätigte dies am 20. Januar 2022. Die Hintergründe stehen im Artikel Was ist "deutscher Whisky"? Rechtsrahmen und Etikett.
Im brandenburgischen Schlepzig im Spreewald stellt Spreewood Distillers die Marke Stork Club her. Nach unserem Verkostungsartikel entstand der Betrieb aus einer Obstbrennerei, wurde 2016 von den heutigen Inhabern übernommen und setzt auf Roggen; neben dem Roggenwhiskey gibt es einen Single Malt aus Bourbon-, Sherry- und Weißweinfässern, den wir im Stork Club Single Malt vorstellen.
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Wie sich diese Betriebe entwickelten, steht in Deutscher Whisky: Geschichte und Pioniere; zu Getreide und Fässern informiert Dinkel, Roggen, Gerste: Getreide und Fässer im deutschen Whisky. Wer die Szene mit dem Original vergleichen möchte, findet die großen Kategorien in den Whisky-Sorten im Überblick.
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