Whisky

Deutscher Whisky: Geschichte und Pioniere

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Eine Kupferbrennblase verbindet links Obstblüten und Birne mit rechts Gerste, Eiche und einem amberfarbenen Destillatband.

Deutschland ist ein Land der Brenner, aber lange keines der Whisky-Brenner: Wer Getreide destillierte, verkaufte das Ergebnis als Korn oder Doppelkorn, wer Obst verarbeitete, als Obstbrand. Whisky im heutigen Sinn ist hier eine junge Kategorie, deren Anfänge je nach Quelle in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren liegen und die erst um die Jahrtausendwende sichtbar wurde. Die Geschichte ist zudem von Selbstauskünften geprägt – wer "der Erste" war, hängt davon ab, wie man "Whisky" und "erster" definiert.

Aus Korn und Obstbrand wird Whisky

Dass Deutschland ein Whisky-Land werden würde, lag nicht nahe. Branchenberichten zufolge assoziierten Verbraucher mit Spirituosen aus der Heimat vor allem Obstbrand und Korn; Getreidedestillate gab es durchaus, nur eben unter anderen Bezeichnungen. Der Weg zum Whisky führte deshalb über vorhandenes Handwerk: Das Fachmagazin Whisky Magazine beschreibt die Wiege der deutschsprachigen Whisky-Szene im Kernland der Obstbrände, mit der höchsten Dichte an Whisky brennenden Schnapsbrennereien in Schwaben. Verwendet wurden dort häufig die sogenannten Holstein-Brennblasen, kleine Kessel mit aufgesetzter Kolonne – ursprünglich für Obstbrände gebaut und für aromatische Destillate gut geeignet. Mehr zu Rohstoffen und Brennblasen steht im Artikel Dinkel, Roggen, Gerste: Getreide und Fässer im deutschen Whisky.

Eine wirtschaftliche Hürde ist belegt: Whisky muss nach EU-Recht mindestens drei Jahre im Holzfass reifen, in dieser Zeit ist Kapital gebunden. Ein Brennereichef sagte 2025 gegenüber der Fachpresse, das in Lagerbeständen gebundene Kapital übersteige die erzielten Umsätze (Lebensmittel Praxis, 11. Mai 2025).

Branntweinmonopol: Was belegt ist und was nicht

Das deutsche Branntweinmonopol, über das landwirtschaftliche und kleine Brennereien ihren Alkohol traditionell abliefern konnten, lief zum 31. Dezember 2017 aus; die zuständige Bundesmonopolverwaltung wurde zum 31. Dezember 2018 aufgelöst. Seit dem 1. Januar 2018 gilt für die Besteuerung der Brennereien das Alkoholsteuergesetz. Ob das Monopol die Entstehung deutschen Whiskys tatsächlich gebremst hat, ist nicht belegt – die ersten Whisky-Brennereien starteten schon Jahrzehnte vorher. Belegt ist nur, dass manche Betriebe danach ihr Sortiment ausbauten: Ein Hof bei Münster etwa brennt laut topagrar seit dem Ende des Monopols rund 30 verschiedene Spirituosen, darunter Destillate aus eigenem Dinkel und Emmer. Rechtliches zur Bezeichnung "Whisky" erklärt der Artikel Was ist "deutscher Whisky"? Rechtsrahmen und Etikett.

Die Pioniere: Selbstauskünfte und Datierungen

Die folgenden Angaben stammen größtenteils von den Brennereien oder aus der Fachpresse und sind nach "gängiger Darstellung" wiedergegeben:

  • Habbel (Sprockhövel, NRW): Michael Habbel habe nach Darstellung der Lebensmittel Praxis bereits 1977 Roggen- und Weizenwhisky entwickelt und zwölf Jahre reifen lassen – das wäre der früheste hier belegte Datenpunkt.
  • Blaue Maus (Eggolsheim, Franken): Nach Angaben der Brennerei 1983 gegründet; Robert Fleischmann begann in den frühen 1980er-Jahren mit Whisky-Versuchen. Erste Flaschen kamen laut Connosr 1996 in den Verkauf. Die Brennerei bezeichnet sich selbst als älteste Single-Malt-Destillerie Deutschlands.
  • Slyrs (Schliersee, Oberbayern): Florian Stetter reiste 1994 nach Schottland; 1999 wurde der erste Slyrs destilliert, 2002 kamen die ersten Flaschen auf den Markt (nach Angaben der Brennerei 1.600 Stück, die Zahl wird in anderen Quellen abweichend genannt). Die SLYRS KG entstand 2004, die eigene Destillerie in Neuhaus nach Brennereiangaben 2007. Mehr dazu in der Verkostung des Slyrs Bavarian Single Malt.
  • Hammerschmiede (Zorge, Harz): Laut whisky.com und Whiskypedia kam der Whisky 2002 zum Sortiment einer Spirituosenmanufaktur, die selbst auf eine Gaststätte in einer ehemaligen Schmiede (1985) zurückgeht.
  • Finch (Schwäbische Alb): Nach Angaben von whisky.com 1999 von Hans-Gerhard Fink gegründet, einem Agraringenieur.

Die Spannweite dieser Daten zeigt: Es gab nicht den einen Startschuss, sondern mehrere kleine, voneinander weitgehend unabhängige Anfänge – Familienbetriebe mit Obstbrand-Erfahrung ebenso wie Quereinsteiger mit Schottland-Faible.

Gründerwelle und Interessenvertretung

Ab 2012 kam eine zweite Welle: Am 27. September 2012 wurde die St. Kilian Distillers GmbH im unterfränkischen Rüdenau von Andreas Thümmler gegründet; die Whisky-Produktion begann am St. Patrick's Day im März 2016, die ersten Abfüllungen folgten laut Wikipedia 2019. Die Anlage folgt nach Angaben des Hauses dem schottischen Vorbild, mit Kupferbrennblasen der Firma Forsyths. Wie sich das im Glas zeigt, steht in der Verkostung des St. Kilian Classic.

Ebenfalls 2012 wurde der Verband Deutscher Whiskybrenner (VDW) gegründet; er rief 2017 den "Tag des Deutschen Whiskys" ins Leben, der seither am letzten Samstag im Juni gefeiert wird. Beim Slyrs ging im Juni 2025 nach Medienberichten ein neuer Produktionsbau in Betrieb, dessen Kapazität nach Angaben von whisky.com bei bis zu 400.000 Litern pro Jahr liegt.

Wie viele Brennereien gibt es?

Eine belastbare Zahl gibt es nicht, weil unterschiedlich gezählt wird – ob nur Betriebe, die hauptsächlich Whisky machen, oder alle, die irgendwann ein Fass Getreidebrand reifen lassen. Aufschlussreich sind die datierten Angaben:

  • Januar 2019: Rund 200 Brennereien in Deutschland stellen Whisky her, so die damalige VDW-Präsidentin Michaela Habbel (yumda.com), gegenüber rund 130 in Schottland. Viele seien kleine Obstbrennereien mit kaum einem Fass pro Jahr.
  • Mai 2025: Der VDW beziffert die Zahl auf "rund 300" (Lebensmittel Praxis).
  • Juni 2025: Die Tageskarte schreibt, die meisten dieser rund 300 Betriebe seien Brauereien oder Brennereien, bei denen Whisky ein Nebenprodukt ist; nur Slyrs und St. Kilian seien ausschließlich auf Whisky ausgerichtet.

Zur Einordnung des Marktes: Nach einer Verbandsangabe machen die VDW-Mitglieder nur rund drei Prozent des deutschen Whiskymarkts aus (Schätzung bezogen auf 2017). Wie sich das mit dem schottischen Vorbild vergleichen lässt, erklärt die Geschichte des Whiskys, und welche Kategorien es weltweit gibt, steht in den Whisky-Sorten im Überblick. Einen exemplarischen Überblick über Marken liefert der Artikel Deutsche Whisky-Brennereien im Überblick.