Scotch Whisky

Tamdhu 15 Jahre

4/5 Redaktionsbewertung
46 % vol.PremiumAusschließlich Ex-Oloroso-Sherryfässer (amerikanische und europäische Eiche)Knockando, Speyside, Schottland
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Tamdhu 15 Jahre – Der fruchtige Mittelweg im Sherry-Sortiment

Der Tamdhu 15 Jahre liegt zwischen dem zugänglichen Zwölfjährigen und dem gewichtigen Achtzehnjährigen und zeigt die Sherry-Prägung des Hauses von ihrer fruchtigsten Seite. Er reift nach Herstellerangaben ausschließlich in Fässern, die zuvor Oloroso-Sherry enthielten, aus amerikanischer und europäischer Eiche, und wird mit 46 % vol. abgefüllt – nicht kühlgefiltert und mit natürlicher Farbe. Zusammengestellt wurde die Mischung vom Distillery Manager Sandy McIntyre.

Geschichte: Ein Blender-Projekt am Spey

Tamdhu ist ein Kind des Speyside-Booms Ende des 19. Jahrhunderts. Ein Konsortium von Blendern, geführt von William Grant, einem Direktor von Highland Distillers, ließ die Brennerei 1896/97 bei Knockando am River Spey bauen. Entworfen hatte sie Charles Doig, der in dieser Zeit viele schottische Brennereien plante. Der Name stammt aus dem Gälischen und bedeutet etwa „kleiner dunkler Hügel“. Die Anlage galt als fortschrittlich: Die Brennerei selbst erwähnt ein Wasserrad unter dem Boden, Darren mit geringeren Wärmeverlusten und eine archimedische Schraube, die Abfälle direkt zum eigenen Bahnhof beförderte. Der Chronist Alfred Barnard lobte sie 1898 als eine der effizientesten und am besten entworfenen Brennereien ihrer Zeit. Kurz darauf, je nach Quelle 1898 oder 1899, übernahm Highland Distillers das Haus vollständig.

Für das Verständnis des Fünfzehnjährigen ist eine Entwicklung wichtig: Über ein Jahrhundert diente Tamdhu überwiegend dem Blend, unter anderem für The Famous Grouse, Cutty Sark und J&B. Als Single Malt trat die Brennerei kaum auf. Das änderte erst Ian Macleod Distillers nach dem Kauf 2011. Mehr zum Hausstil steht im Porträt Tamdhu Distillery – Speyside.

Der Tamdhu 15 Jahre im Speziellen

Der Tamdhu 15 erschien im März 2019 und wurde nach Angaben der Fachpresse zunächst als limitierte Jahresabfüllung von weltweit rund 24.000 Flaschen vorgestellt; damals löste der 2018 eingeführte Zwölfjährige gerade den Zehnjährigen als Kernabfüllung ab. Inzwischen wird der Fünfzehnjährige in Rezensionen als Teil der Kernreihe geführt. Er reift in einer Mischung aus Oloroso-Fässern aus amerikanischer und europäischer Eiche, die Brennerei spricht von „außergewöhnlich seltenen“ Fässern. Die 46 % vol. liegen drei Prozentpunkte über dem Zwölfjährigen, was ihm mehr Körper und Aromenintensität verleiht, ohne dass der Alkohol dominiert. Preislich gehört er in die Premium-Klasse.

Im Sortiment hat der Fünfzehnjährige eine klare Aufgabe: Er ist der Mittelweg zwischen der Zimt-und-Orangeat-Frische des Tamdhu 12 Jahre und der dunklen, gewürzten Tiefe des Tamdhu 18 Jahre. Wer die Reihe von der anderen Seite kennenlernen möchte, kann ihn mit dem fassstarken Tamdhu Batch Strength vergleichen.

Herstellung: Saladin-Boxen, Holz und lange Gärung

Tamdhu ist berühmt für die Mälzerei: 1950 wurden bei einem Neubau die klassischen Mälzböden durch mechanische Saladin-Boxen ersetzt, nach Whiskypedia zehn Stück mit je 22 Tonnen Fassungsvermögen – damit galt Tamdhu als letzte schottische Brennerei, die diese Technik nutzte, und als eine der wenigen, die ihren gesamten Malzbedarf selbst deckte. Auf eine Pagode über der Darre verzichtet die Anlage. Ob die Gerste heute noch vollständig vor Ort gemälzt wird, führen die Quellen widersprüchlich; Whiskypedia verzeichnet inzwischen auch Zukaufmalz mit einer Spezifikation von 1 bis 2 ppm Phenolen, also praktisch ungetorft.

Das Malz wird in einem Semi-Lauter-Maischebottich eingemaischt und in neun hölzernen Gärbottichen vergoren, die jeweils rund 53.500 Liter fassen. Die Gärzeit schwankt nach Whiskypedia zwischen 59 und 107 Stunden; lange Gärungen gelten allgemein als förderlich für fruchtige Ester. Gebrannt wird in sechs Kupferbrennblasen. Der fruchtige Charakter, den Rezensenten beim Fünfzehnjährigen hervorheben – Apfel, Aprikose, Orange –, dürfte also nicht allein vom Sherryholz stammen. Diese Produktionsdetails stammen aus einem Nachschlagewerk; die Brennerei selbst veröffentlicht dazu nur wenig.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Tiefes goldenes Bernstein, ohne Zusatzfarbstoff.
  • Nase: Apfelgebäck und gewürzte Korinthen mit kandierter Orangenschale, dazu Rosinen, Sultaninen, Toffee, Karamell und erdige Eichengewürze; Ananas und Fenchel treten im Hintergrund auf.
  • Gaumen: Aprikose und Himbeere, ein Zitronentörtchen und cremige Mandeln; später Toffee, Haselnuss und geröstete Mandeln, Zimt, Piment, Nelke und Lakritz. Etwas leichter im Körper, als die Nase vermuten lässt.
  • Abgang: Lang und reichhaltig, mit Trockenfrüchten, Malzbiskuit und Cream Sherry; Röstmalz, Zartbitterschokolade und kandierte Orangenschale begleiten die erdige Eichenwürze.

Genuss-Empfehlung

Der Tamdhu 15 schmeckt am besten pur im Nosing-Glas bei Zimmertemperatur; wegen seiner Zartheit am Gaumen genügt ein einziger Tropfen stilles Wasser, wenn überhaupt. Eis wäre schade, denn es nimmt dem Malt seine feine Frucht. Als Begleiter eignen sich Apfelstrudel, Mandelgebäck oder Marzipan, die die Gebäcknoten der Nase spiegeln, ebenso Zartbitterschokolade mit Orange. Zu herzhaften Speisen passt gereifter Cheddar oder ein Manchego, deren Salz die Sherrysüße ausbalanciert. Als ruhiger Digestif nach einem Menü ist er für den Feierabend genauso geeignet.

Fazit

Der Tamdhu 15 Jahre ist ein stimmiger, fruchtbetonter Sherry-Speysider für Trinker, die Oloroso-Prägung mögen, aber keine schwere Sherrybombe suchen. Seine Stärken liegen in der Balance von Frucht, Gebäck und Eichengewürz und in der konsequent unverfälschten Abfüllung. Preislich liegt er klar über dem Zwölfjährigen. Wer es kräftiger will, greift zum Tamdhu Batch Strength; wer mehr Tiefe sucht, zum Tamdhu 18 Jahre. Für den Einstieg in die Reihe bleibt der Tamdhu 12 Jahre die günstigere Alternative. Ein unabhängiger Tester vergab dem Fünfzehnjährigen 88 Punkte – ein sehr gutes, aber kein überragendes Urteil.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße4/5
Rauch/Torf1/5
Fruchtigkeit4/5
Würze/Eiche3/5

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