Brandy

Tariquet Folle Blanche 12 Jahre

4,4/5 Redaktionsbewertung
48,2 % vol.Premium100 % Folle Blanche, mindestens 12 Jahre in Eichenfässern, FassstärkeBas-Armagnac, Eauze, Gascogne, Frankreich
BrandyArmagnac
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Herstellung des Tariquet Folle Blanche 12 Jahre:

Das Domaine du Tariquet bei Eauze im Gers befindet sich in der Hand der Familie Grassa; die Hausgeschichte erzählt der Artikel zum Tariquet VSOP. Bei dieser Abfüllung steht nicht das Haus im Vordergrund, sondern eine Rebsorte. Der Armagnac besteht zu 100 % aus Folle Blanche. Die Sorte gilt als eine der ältesten der Appellation, belegt nach Angaben des Hauses heute aber nur noch etwa 5 % der Rebfläche. Nach der Reblauskrise im 19. Jahrhundert wurde sie wegen ihrer Empfindlichkeit häufig nicht neu gepflanzt, an ihre Stelle traten robustere Sorten, in der Cognac-Region etwa Ugni Blanc. Die Grassas brachten sie in den 1980er-Jahren zurück. Mit rund 25 Hektar bewirtschaftet das Gut nach Difford's Guide die größte Folle-Blanche-Fläche im Armagnac.

Gelesen wird im September und frühen Oktober, vergoren wird mit wenig oder ohne Schwefel. Die Destillation findet im Spätherbst in einer holzbefeuerten Kolonne statt, jede Sorte getrennt und mit niedrigem Ablauf von rund 53 bis 56 % vol. Laut Hersteller wird die Folle Blanche zügig auf der feinen Hefe gebrannt, damit der junge Wein möglichst wenig oxidiert. Danach reift der Brand in Eichenfässern von 228 oder 400 Litern; für diese Abfüllung kommen nur Fässer mit mindestens zwölf Jahren Reife in die Assemblage. Abgefüllt wird ohne Zugabe von Wasser mit 48,2 % vol.

Verkostung des Tariquet Folle Blanche 12 Jahre:

Im Glas zeigt der Armagnac ein warmes Gold bis Bernstein. Die Nase ist ungewöhnlich frisch für ein zwölf Jahre gereiftes Destillat: Orange, Zitrone und Apfel treffen auf Blüten, dazu kommen Zeder, Politur und ein Hauch Gewürz. Am Gaumen mischen sich kandierte Ananas, Muskatnuss, weißer Pfeffer und Zitrusschale mit Toffee und Nuss. Dank der höheren Stärke ist die Textur dicht, ohne zu brennen; der Alkohol trägt die Aromen eher, als dass er sie überdeckt. Im langen Abgang melden sich Lakritz, Walnuss und etwas Tabak, die das Haus als Rancio beschreibt, während Zitrus und Blüte noch nachklingen. Gegenüber dem weicheren, backwürzigen VSOP des Hauses wirkt dieser Armagnac präziser und aromatischer, die Holznote bleibt im Hintergrund. Insgesamt eine Mischung aus Lebendigkeit und Reife; mit 48,2 % vol. wirkt der Armagnac präzise und würzig, aber nie schwer.

Steckbrief Tariquet Folle Blanche 12 Jahre:

Alkoholgehalt: 48,2 % vol. (Fassstärke)
Klassifikation: Pure Folle Blanche, mindestens 12 Jahre
Fassreifung: Eichenfässer (228 und 400 Liter), erst neues Holz mit leichter Toastung, dann ältere Fässer
Hersteller: Domaine du Tariquet (Familie Grassa), Eauze, Bas-Armagnac, Frankreich

Herstellung im Detail: Warum Folle Blanche eine Sonderrolle spielt

Folle Blanche gilt als aromatische Sorte, die sich im Brand deutlich anders präsentiert als Ugni Blanc oder Baco: mit Zitrus und Blüten statt Backwürze. Das Haus beschreibt es so, dass der Armagnac nach zwölf Jahren die Lebendigkeit eines achtjährigen und die Reife eines fünfzehnjährigen verbinden soll. Der Reifeverlauf ist auch ein Grund für die Fassstärke: Folle Blanche verliert beim Altern an Alkohol, und das Haus verzichtet darauf, die Stärke durch Verdünnen weiter zu senken, weil der Brand bei etwa 48 % am besten schmeckt.

Wer Armagnac bisher als rustikal und schwer kannte, bekommt hier ein anderes Bild: hell, würzig und mit klarer Struktur. Der Ausbau beginnt in neuen 400-Liter-Fässern mit blonder Toastung und wechselt später in gebrauchte Fässer, sodass die Holznote nicht dominiert. Das Gut lagert nach Herstellerangabe etwa 5.000 Fässer in sechs Kellern. Wer den Unterschied zu den klassischen Mischungen nachvollziehen möchte, kann diese Abfüllung mit dem Verschnitt aus Ugni Blanc und Baco im Tariquet VSOP vergleichen. Eine Einführung in die Unterschiede zwischen den Brennverfahren bietet Cognac vs. Armagnac.

Genuss-Empfehlung

Der Tariquet Folle Blanche 12 Jahre gehört ins Tulpenglas und wird bei Zimmertemperatur eingeschenkt. Wegen der Fassstärke lohnt es sich, zuerst vorsichtig zu probieren und dann bei Bedarf einen einzelnen Tropfen stilles Wasser zuzugeben; Eis bremst die Aromatik. Der Hersteller empfiehlt ihn zu Fruchtdesserts oder Baiser-Gebäck. Zitronentarte, Ananas-Carpaccio oder Mandelgebäck passen genauso, und zu reifem Bergkäse macht die Würze des Brandes ebenfalls Sinn.

Einordnung & Alternativen

  • Tariquet VSOP – derselbe Erzeuger in jünger und aus Ugni Blanc und Baco, deutlich zugänglicher und holzwürziger.
  • Château de Laubade XO – Bas-Armagnac mit 15 bis 25 Jahren Fass, weicher und dunkler im Profil.
  • GrapeDiggaz Armagnac XO – ebenfalls hochprozentig und naturbelassen, aber ein Verschnitt aus Baco, Ugni Blanc und Colombard.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Fruchtigkeit4/5
Süße3/5
Eiche/Vanille3/5
Blumig/Würzig4/5

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