Die Tullamore Distillery steht in der Stadt Tullamore im County Offaly im irischen Binnenland und gehört seit 2010 zu William Grant & Sons. Die Geschichte ist zweigeteilt: Die alte Brennerei wurde 1829 gegründet und stellte 1954 die Produktion ein, die Marke Tullamore D.E.W. lebte aber weiter, zunächst in den Händen anderer Eigentümer und mit Destillat aus Midleton. 2014 eröffnete Grant's am Stadtrand eine neue Brennerei, die nach rund sechs Jahrzehnten wieder Whiskey in Tullamore brennt. Das Ergebnis ist ein weicher, dreifach destillierter Blend mit Pot-Still-Anteil.
Überblick
- Name: Tullamore Distillery (Marke: Tullamore D.E.W.)
- Ort: Tullamore, County Offaly, Irland
- Gegründet: 1829 (alte Brennerei), neue Brennerei 2014
- Land: Irland
- Besitzer: William Grant & Sons (seit 2010)
- Typ: Irischer Blended Whiskey und Single Malt, dreifach destilliert
Historische Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1829 | Michael Molloy gründet die Brennerei an der Bridge Street, am Platz einer früheren Brennerei |
| 1840er | Nach Molloys Tod geht der Betrieb über die Familie an seinen Neffen Bernard Daly |
| 1870er/80er | Daniel E. Williams tritt als Geschäftsführer ein und baut den Betrieb aus (je nach Quelle 1870er oder frühe 1880er) |
| 1890er | Die Marke Tullamore D.E.W. entsteht und trägt die Initialen von Williams |
| 1954 | Die alte Brennerei stellt die Produktion ein, die Marke bleibt bestehen |
| 1960er | Die Marke geht an John Powers & Son, später Teil von Irish Distillers; die Herstellung wandert nach Midleton |
| 1993/94 | Die C&C Group erwirbt die Marke (Quellen nennen 1993 oder 1994) |
| 2010 | William Grant & Sons kauft die Marke von C&C |
| 2014 | Die neue Brennerei in Tullamore wird im September eröffnet |
Besonderheiten bei der Herstellung
Der Name D.E.W.
Die drei Buchstaben stehen für Daniel Edmund Williams, den langjährigen Geschäftsführer und späteren Eigentümer der alten Brennerei. Aus den Initialen wurde ein Markenname, der später mit dem Slogan "Give every man his Dew" verbunden wurde. Die Brennerei selbst heißt schlicht Tullamore; D.E.W. bezeichnet die Whiskeymarke, die auch während der Zeit ohne eigene Brennerei weiter verkauft wurde.
Neue Anlage
Die neue Brennerei liegt am Stadtrand und wurde nach Medienangaben am 17. September 2014 eröffnet. Sie arbeitet mit kupfernen Pot Stills, laut Wikipedia zunächst vier, mit Platz für weitere; spätere Berichte nennen sechs. 2017 kam eine Grain-Anlage samt Abfüllung hinzu, sodass Malt, Pot Still und Grain im Prinzip vor Ort entstehen können. Das Wasser stammt aus den Slieve Bloom Mountains.
Dreifachdestillation und Blend
Die Marke arbeitet mit dem klassischen irischen Dreiklang aus Pot Still, Malt und Grain; wie das System funktioniert, erklärt der Beitrag Irish Whiskey erklärt. Ein Teil des Destillats stammte lange aus Midleton, wo die Produktion seit den 1970er-Jahren konzentriert war.
Produkte & Charakter
| Produkt | Alkoholvolumen | Charakteristik |
|---|---|---|
| Tullamore D.E.W. Original | 40 % | Leichter, weicher Blend, mild und süßlich, der Standard der Marke |
| Tullamore D.E.W. 12 Jahre Special Reserve | 40 % | Birne, Honig und Sherrynote aus Bourbon- und Oloroso-Fässern |
| Tullamore D.E.W. 14 Jahre Single Malt | 41,3 % | Älterer Malt mit mehr Holz und Frucht |
| Tullamore D.E.W. Cider Cask Finish | 40 % | Blend mit Finish in Cider-Fässern, fruchtig |
| Tullamore D.E.W. XO Caribbean Rum Cask Finish | 43 % | Blend mit Rum-Fass-Finish, süß und weich |
Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Tullamore D.E.W. 12 Jahre.
Stil & Wiedererkennungswert
Tullamore D.E.W. steht für den weichen, süßlich-fruchtigen Blend-Stil, der in Irland und international weit verbreitet ist. Pot-Still-Anteile geben dem Whiskey Körper, Grain sorgt für Leichtigkeit. Torfrauch fehlt, die Abfüllungen sind auf Zugänglichkeit angelegt. Auffällig sind die Finishes in Cider- und Rumfässern, die den Blend ein Stück in Richtung Frucht und Süße verschieben.
Besonders ist die Geschichte: Eine Marke überdauert die Schließung ihrer Brennerei, wandert durch mehrere Eigentümer und kehrt schließlich in die Stadt zurück, die ihr den Namen gab. Dabei ist die Verbindung zwischen alter und neuer Anlage vor allem symbolisch; die heutige Brennerei ist ein Neubau eines internationalen Whiskykonzerns, kein Weiterbetrieb der Molloy-Brennerei.
Fazit
Tullamore D.E.W. ist ein sinnvoller Einstieg für alle, die milden irischen Whiskey mögen und nicht gleich zu Pot-Still-Klassikern greifen wollen. Der Original eignet sich auch für Mixgetränke, der 12-Jährige bringt mehr Tiefe durch Sherry- und Bourbonfässer. Wer Charakter und Würze sucht, wird bei anderen irischen Häusern eher fündig; für einen unkomplizierten Dram mit gut erzählter Geschichte ist Tullamore eine solide Wahl.

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