Blended Whisky

Tullamore D.E.W. 12 Jahre Whiskey

4/5 Redaktionsbewertung
40 % vol.MittelklasseEx-Bourbon-Fässer und Oloroso-Sherry-FässerTullamore, County Offaly, Irland
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Tullamore D.E.W. 12 Jahre – Dreifach destillierter Blend mit Pot-Still-Anteil

Der Tullamore D.E.W. 12 Jahre (Special Reserve) ist die gealterte Stufe der Marke aus der Stadt Tullamore im irischen County Offaly. Es handelt sich um einen dreifach destillierten Blend aus allen drei Typen irischen Whiskeys: Pot Still, Malt und Grain, mit einem hohen Anteil der beiden erstgenannten. Gereift wird in Ex-Bourbon- und Oloroso-Sherry-Fässern, abgefüllt mit 40 % vol. Das Besondere: Der Anteil an Pot Still und Malt gibt dem Blend mehr Textur und eine nussige Sherrynote, als man von einem reinen Grain-Blend erwarten würde.

Geschichte: Eine Brennerei, die zurückkehrte

Die Brennerei in Tullamore wurde 1829 von Michael Molloy gegründet. Nach seinem Tod ging sie an seinen Neffen Bernard Daly, der Daniel E. Williams als Geschäftsführer einsetzte. Die Kürzel D.E.W. stehen für dessen Initialen; unter Williams wurde der Betrieb ausgebaut, und nach seinem Tod 1921 trat die Familie unter dem Markennamen D.E.W. auf. Das Ende kam im Jahr 1954: Sinkende Absätze, hohe Steuern und die Handelskonflikte der Zwischenkriegszeit führten zur Schließung der alten Brennerei. In den 1960er-Jahren wurde die Marke an John Powers & Son verkauft, 1966 ging diese Firma in Irish Distillers auf. Die Produktion wanderte nach Midleton; 1994 verkaufte Irish Distillers die Marke an die C&C Group, und 2010 erwarb William Grant & Sons das Spirituosengeschäft von C&C, darunter Tullamore D.E.W.

Der Neustart ließ nicht lange auf sich warten: Der Bau einer neuen Brennerei am Stadtrand von Tullamore, in Clonminch, begann im Mai 2013, im Herbst 2014 floss das erste Destillat. Damit wurde nach rund sechs Jahrzehnten wieder in Tullamore gebrannt. Die Anlage besitzt nach Berichten sechs Pot Stills, darunter eine Replik der alten Brennblase mit versetztem Hals. Ein eigenes Brennerei-Porträt gibt es bei uns noch nicht; wer wissen will, wo das Destillat der Marke lange herkam, findet im Porträt Midleton Distillery – Irland, die Hintergründe zum Standort, an dem seit den 1970er-Jahren auch die Produktion von Tullamore konzentriert war.

Der Tullamore D.E.W. 12 Jahre im Speziellen

Der Zwölfjährige war nach einer Rezension von 2015 zunächst eine Travel-Retail-Exklusivabfüllung und kam später mit überarbeiteter Aufmachung zurück. Die Reifung dauert nach Produzentenangaben, die Rezensenten wiedergeben, 12 bis 15 Jahre; die Fässer sind eine Mischung aus Bourbon- und Oloroso-Sherry-Fässern. Bourbon liefert Vanille, Honig und Eiche, Sherry Trockenfrucht und Nuss. Die Stärke beträgt 40 % vol.; zur Kühlfiltrierung haben wir keine verlässliche Angabe gefunden. Bei der Herkunft des Destillats gibt die Marke wenig preis; die Brennerei in Clonminch läuft erst seit 2014, ein Teil der Bestände eines Zwölfjährigen dürfte also noch aus früherer Produktion stammen. Das ist eine Einordnung, keine Herstellerangabe. Die Preisklasse ist die gehobene Mittelklasse: mehr als ein einfacher Blend, weniger als ein Pot-Still-Single.

Herstellung: Drei Whiskeytypen, dreifach gebrannt

Das Besondere an der Rezeptur ist die Mischung der Typen: Pot Still aus gemälzter und ungemälzter Gerste liefert Körper, Würze und die ölige Textur, Malt aus reiner Gerste die Aromatik, Grain aus Getreide in Säulenbrennanlagen die Leichtigkeit. Der Blend wird von der Marke insgesamt als dreifach destilliert beschrieben. Anders als bei Single Malts aus Schottland bestimmt also nicht ein einzelner Brennblasensatz den Charakter, sondern die Kunst der Vermählung. Die Anlage in Clonminch bezieht ihr Wasser nach Angaben des Hauses aus den Slieve Bloom Mountains und wurde auf Feuchtland gebaut.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Voller Bernsteinton bis Bernsteingold.
  • Nase: Anfangs zurückhaltend; weiche Frucht aus Birne, Limette und Mango, dazu Honig, Rosinen und florale Noten, in anderen Berichten Rotwein, Nuss und ein Hauch Holz.
  • Gaumen: Süß und ölig-weich mit Apfel, Toffee, Gerstenzucker und Vanille, dazu Zimt und Milchschokolade; im Hintergrund Sherrynoten und etwas Trockenfrucht mit Praliné-Charakter.
  • Abgang: Mittellang, mit Eiche, Haselnuss, Rosine und Milchschokolade, am Ende eine warme Würze.

Unabhängige Rezensenten geben ihm 80 bis 84 von 100 Punkten und loben die Verbindung von Sherry und Pot Still, finden aber, dass die tropische Pot-Still-Frucht scheu bleibt und die Malzsüße überwiegt.

Genuss-Empfehlung

Pur im Nosing-Glas bei Zimmertemperatur, mit ein paar Minuten Geduld, kommt die Nase am besten heraus. Ein Eiswürfel nimmt ihm wenig, weil der Körper ohnehin leicht ist; in einem Highball mit Ginger Ale geht allerdings die Sherrytiefe verloren. Zum Essen passen Schokoladentrüffel, ein Stück Walnusskuchen, milder Hartkäse oder Kaffee-Desserts wie Tiramisu, da Sherry, Toffee und Milchschokolade ihre Gegenstücke finden. Als Digestif nach einem herzhaften Essen mit Geflügel oder Pilzen ist er ein ruhiger Begleiter.

Fazit

Der Tullamore D.E.W. 12 Jahre ist ein weicher, süßer und sauber gemachter Blend für Genießer, die einen irischen Whiskey ohne Torf und ohne Schärfe suchen, aber mehr Reife und Sherryprägung wollen als beim Jameson Irish Whiskey. Wer die Pot-Still-Würze pur erleben möchte, ist beim Redbreast 12 Jahre besser aufgehoben. Der Schwachpunkt sind die begrenzte Länge und der geringe Körper bei 40 % vol. Vier Punkte für einen soliden, harmonischen Sipper.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße4/5
Rauch/Torf1/5
Fruchtigkeit3/5
Würze/Eiche3/5

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