Tullamore D.E.W. Original – der Standard-Blend aus drei Whiskeytypen
Der Tullamore D.E.W. Original ist die Basisabfüllung der Marke aus dem irischen County Offaly und mit 40 % Vol. der unkomplizierte Einstieg in ihr Sortiment. Die Marke nennt ihn einen Triple-Blend: Er vereint Pot-Still-, Malt- und Grain-Whiskey, wurde dreifach destilliert und reift in drei verschiedenen Fasstypen. Das Ergebnis ist ein leichter, süßlich-fruchtiger Blend ohne Torfrauch und ohne Schärfe.
Wer ihn mit dem Zwölfjährigen der Marke vergleichen will, findet dort mehr Sherry und Tiefe. Der Original setzt dagegen auf Zugänglichkeit: ein Whiskey, der pur funktioniert und sich ebenso gut mischen lässt.
Geschichte: Eine Marke, die ihre Brennerei überlebte
Auf den Etiketten steht der Name eines Mannes, der die Brennerei im 19. Jahrhundert prägte: D.E.W. sind die Initialen von Daniel E. Williams. Gründung, Schließung 1954 und die wechselnden Eigentümer sind im Porträt ausführlich beschrieben, deshalb hier nur der Kern: Die Marke blieb erhalten, als in Tullamore selbst nicht mehr gebrannt wurde, und gehört seit 2010 zu William Grant & Sons.
Für den Original ist vor allem das 21. Jahrhundert relevant. Nach Angaben von Wikipedia ist Tullamore D.E.W. die zweitgrößte irische Whiskeymarke der Welt, mit über 1,5 Millionen verkauften Kisten bis 2020. Die neue Brennerei nahm 2014 den Betrieb auf; im Oktober 2017 folgte nach einem Bericht von Whisky Advocate eine Grain-Anlage nebenan, die laut diesem Bericht Weizen statt Mais verarbeitet. Im März 2024 bekam die Flasche zudem ein neues Design. Mehr zur Brennerei steht in unserem Porträt der Tullamore Distillery.
Der Original im Speziellen
Der Original trägt keine Altersangabe. Die Marke beschreibt Reifung in Refill-Fässern, Ex-Bourbon-Fässern und Ex-Sherry-Fässern (Butts) und bezeichnet das als dreifache Reifung. Die Rollenverteilung der drei Whiskeytypen fasst sie so zusammen: Grain bringt Süße, Malt Frucht und Pot Still Würze. Genaue Anteile nennt sie nicht. Zur Kühlfiltrierung und zur Färbung haben wir keine verlässliche Angabe gefunden.
Mit 40 % Vol. liegt er auf dem Niveau der meisten Standard-Blends. Im Sortiment steht er unter dem 12 Jahre, der ältere und stärker sherrygeprägte Bestände nutzt.
Herstellung: Wo das Destillat herkommt
Ob der Inhalt der Flasche heute aus Tullamore oder aus Midleton stammt, ist nicht eindeutig belegt. Rezensionen älterer Abfüllungen nennen Midleton als Herkunft. Laut Wikipedia kam das Grain-Destillat dort her, bis die Tullamore-Brennerei ihre eigene Grain-Produktion hatte. Die Marke verrät nicht, wie hoch der Anteil aus dem eigenen Haus inzwischen ist. Wir ordnen den Original daher als Blend aus irischen Destillaten ein, ohne eine Herkunftsquote zu behaupten.
Wie sich die Typen unterscheiden, erklärt der Beitrag zu Pot Still und Dreifachdestillation. Zum leichten Grain-Anteil lohnt der Artikel über Grain-Whisky und Blended-Herstellung, zu den Fassarten der Überblick zur Fassreifung.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Helles bis antikes Gold.
- Nase: Getreide und Malz, dazu Honig, Vanille und reife Frucht wie Apfel und Birne, mit einem Hauch Zitrus. Je nach Rezension schimmert eine leichte Karamellnote durch.
- Gaumen: Leichter bis mittlerer Körper, süß und leicht buttrig, mit gebackenem Apfel, Toffee, Vanille und weicher Gewürzigkeit, etwa Zimt. Im Hintergrund Eiche und Malzgebäck.
- Abgang: Kurz bis mittellang, süß, mit Vanille, etwas Zitrus und einem Hauch Holz.
Rezensenten vergeben für den Original meist 73 bis 83 von 100 Punkten: Lob für die Sauberkeit und die weiche Süße, Kritik an der Länge und an der wenig profilierten Art. Dieser Eindruck deckt sich mit unserem. Der Original ist freundlich, aber kein Whiskey, der lange nachhallt.
Genuss-Empfehlung
Pur im Tulpenglas wirkt er am besten, ein Eiswürfel oder ein paar Tropfen Wasser stören bei 40 % Vol. kaum. Als Mixbasis ist er dankbar: Im Whiskey Mule mit Ginger Beer, im Highball mit Ginger Ale und Zitrone oder im Irish Coffee tritt die Süße zurück, und die Würze bleibt. Zum Essen passen Sodabrot mit Butter, mildes Gebäck, Apfelkuchen oder ein Stück mittelreifer Cheddar.
Einordnung & Alternativen
- Tullamore D.E.W. 12 Jahre: Der ältere Bruder mit mehr Sherry und Tiefe, wenn der Original zu leicht wirkt.
- Jameson Irish Whiskey: Der naheliegende Konkurrent im gleichen Segment, ebenfalls dreifach destilliert und mit Pot-Still-Anteil.
- Bushmills Original: Ein nordirischer Blend, bei dem Malt und Honig stärker im Vordergrund stehen.
Wer den Pot-Still-Charakter pur erleben will, greift zum Powers John's Lane Release, der deutlich kräftiger und würziger ausfällt.
Fazit
Der Tullamore D.E.W. Original ist ein sauberer, weicher Blend für Einsteiger und für alle, die einen vielseitigen irischen Whiskey für Longdrinks und gelegentliche Gläser suchen. Er überzeugt durch Süße, Frucht und Milde, lässt aber Tiefe und Länge vermissen. Wie ein Blend funktioniert und wie er sich von Single Malts abgrenzt, erklärt der Artikel zu Single Malt und Blended Whisky. Für die verlässliche Verarbeitung und die faire Alltagstauglichkeit vergeben wir deshalb 3,6 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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