Vodka

Vodka richtig trinken: eiskalt, pur oder gemixt?

VodkaVodka Wissen
Ein klares Vodkaglas ist auf einer Seite vereist und auf der anderen klar; eine einzelne perlende Mixerspur umkreist den Fuß.

Vodka gilt als die unkomplizierteste Spirituose: Er soll möglichst neutral schmecken, lässt sich mit fast allem mischen und wird in Osteuropa traditionell eiskalt zum Essen serviert. Genau diese Neutralität macht die Frage nach dem „richtigen" Trinken aber spannender, als sie zunächst klingt – denn Temperatur, Glas und Mixer entscheiden darüber, ob eine Flasche nur Alkohol liefert oder ihren Charakter zeigt. Die Quellenlage ist dabei weniger einheitlich, als viele Faustregeln vermuten lassen.

Wie kalt darf Vodka sein?

In den Ländern des sogenannten „Vodka-Gürtels" – Russland, Polen, Ukraine und Skandinavien – wird Vodka häufig gefrierfachkalt getrunken. Der Alkohol selbst friert dabei nicht ein: Ein Vodka mit 40 % vol. bleibt bei Haushaltstiefkühlung flüssig, gefrieren würde er je nach Quelle erst bei etwa minus 24 bis minus 27 Grad. Die Kälte macht die Flüssigkeit dickflüssiger und dämpft Schärfe und Geruch; das kann bei sehr neutralen oder einfachen Destillaten angenehm sein, weil der Alkoholbiss weniger auffällt.

Bei hochwertigem Vodka geht damit aber Aroma verloren. VinePair rät bei Premium-Flaschen davon ab, sie ins Gefrierfach zu legen, und empfiehlt stattdessen, sie mit Eis zu rühren und abzuseihen. Auch Grey Goose rät als Hersteller zu einer Temperatur knapp über dem Gefrierpunkt, etwa 0 bis 5 Grad, bei der sich das volle Geschmacksspektrum zeige. Wie bei Spirituosen allgemein gilt: Bei Zimmertemperatur liefert ein Destillat mehr Information, bei Kälte wirkt es runder, aber auch stiller. Selbst russische Quellen widersprechen sich: Manche nennen Kühlschrank oder Gefrierfach, andere halten gefrierfachkalten Vodka für zu aggressiv für den Hals.

Glas und Trinkkultur in Osteuropa

Traditionell kommt Vodka in kleinen Gläsern auf den Tisch. Im Deutschen heißt das stiellose Schnapsglas Stamper, die Angaben zur Füllmenge reichen in Berichten über russische Tafelkultur je nach Quelle von etwa 25 bis 70 ml. Für das reine Verkosten bietet sich ein kleines Nosing-Glas an, weil sich die Aromen darin bündeln; ein Tumbler eignet sich für Eis und Highballs.

Dazu gehören Zakuski, kalte Vorspeisen und Snacks, die laut Wikipedia „auf jeden Schluck Vodka folgen" sollen: Eingelegtes Gemüse, gebeizter Fisch, Aufschnitt, Brot und Kaviar. Zudem wird nach mehreren Berichten nicht ohne Trinkspruch getrunken; das Anstoßen mit Blickkontakt und der Toast gehören zum Ritual. Wie streng diese Regeln im Alltag gelten, ist regional und von Familie zu Familie verschieden, hier handelt es sich eher um überlieferte Gepflogenheiten als um feste Vorschriften.

Pur genießen: wann Premium-Vodka den Unterschied macht

Wer Vodka pur probiert, achtet vor allem auf Textur und Nachhall. Der Rohstoff spielt dabei eine Rolle: Weizen-Vodka gilt als weicher, Roggen als würziger, Kartoffel als cremiger. Die Hintergründe stehen im Beitrag Wie wird Vodka hergestellt?, die Unterschiede der Stile in Vodka-Sorten im Überblick. Ein Beispiel für die cremige Seite ist der Chopin Potato Vodka. Gerade bei solchen Flaschen lohnt eine mäßige Kühlung statt des Tiefkühlers.

Allerdings sollte man Erwartungen nicht überdehnen: Eine „siebenfache Filtration" ist kein Qualitätsmaßstab, wie Kohlefiltration bei Vodka erklärt zeigt. Eine vom Podcast „Planet Money" durchgeführte Untersuchung fand laut Wikipedia zwischen Marken kaum Geschmacksunterschiede (eine einzelne Quelle) – ein Hinweis darauf, dass Mixer und Erwartung oft mehr zählen als die Marke.

Gemischt: Highballs und Klassiker

Am einfachsten sind Highballs: Vodka mit Tonic, Soda oder Ginger Beer über Eis. Der Moscow Mule mit Ginger Beer und Limette ist das bekannteste Beispiel. Seine Herkunft ist umstritten: Eine Darstellung nennt 1941 und drei Branchenvertreter im New Yorker Chatham Hotel, eine andere einen Barkeeper, der Vorräte an Vodka und Ginger Beer loswerden wollte. Auch für den Kupferbecher kursieren mehrere, teils widersprüchliche Erklärungen; die plausibelste verweist auf die damals üblichen Kupferkrüge englischer Pubs.

Der Bloody Mary wird meist Fernand Petiot zugeschrieben, der ihn um 1921 in Harry's New York Bar in Paris erfunden haben will; die moderne Form mit Gewürzen soll um 1934 im St. Regis in New York entstanden sein. Auch das 21 Club und andere Orte beanspruchen die Idee, und der Name hat gleich mehrere widersprüchliche Erklärungen. Der Screwdriver aus Vodka und Orangensaft ist schon in den 1940er-Jahren in Berichten aus der Türkei belegt, der Ursprung des Namens bleibt offen.

Der Cosmopolitan (Vodka, Triple Sec, Limette, Cranberry) hat mehrere konkurrierende Vaterschaften; eine nennt Cheryl Cook in South Beach Mitte der 1980er-Jahre, eine andere 1989 die Bar The Odeon in New York. Der Espresso Martini wird dem Londoner Barkeeper Dick Bradsell zugeschrieben, der ihn in den 1980er-Jahren erfunden haben soll, ursprünglich als „Vodka Espresso"; welche Bar genau, nennen Quellen unterschiedlich. Zum Vodka Martini und der „Shaken or stirred"-Frage steht alles Wichtige im Beitrag Vodka Martini: Shaken or stirred?.

Mixer-Regeln: neutral oder mit Charakter

Eine Faustregel lautet: Je neutraler der Vodka, desto mehr bestimmt der Mixer das Ergebnis. Ein sauberer, unaromatisierter Vodka verschwindet in Bloody Mary oder Screwdriver, was meist gewollt ist; hier lohnt keine teure Flasche. Anders bei Vodka mit eigenem Profil: Der Żubrówka Bison Grass wird in Polen laut Quellen gern als „Szarlotka" mit Apfelsaft (oft mit Zimt) gemixt, wobei der Grasduft zum Apfel passt; ein kräftiger Tonic oder Ginger Beer würde ihn überdecken. In Drinks, die fast nur aus Vodka bestehen, etwa einem Martini, zahlt sich dagegen ein feiner Vodka aus. Wer einen weichen Weizen-Vodka für den Martini sucht, findet im Porträt des Grey Goose einen Anhaltspunkt.

Zu den Speisen: Neben den Zakuski gelten Kaviar, Räucherlachs und Gebeiztes als klassische Begleiter. Ein Küchenchef erklärt gegenüber Tasting Table, die Cremigkeit von Kaviar harmoniere mit trockenem Vodka, dessen Herbheit den Fettgeschmack ausgleiche. Kartoffel-Vodka wie Chopin wird im Porträt auch zu Räucherlachs und Kaviar genannt.

Fazit

Es gibt nicht die eine richtige Art, Vodka zu trinken, sondern ein paar sinnvolle Faustregeln: einfache Qualitäten eiskalt oder im Mix, feine Flaschen gekühlt statt gefroren, kleine Gläser zu salzigen Speisen. Wer die Herkunft der Klassiker kennt, liest auch Cocktailkarten mit kritischerem Blick, denn viele Entstehungsgeschichten sind Legende. Wie viel Alkohol und Energie ein Glas enthält, steht in Vodka: Kalorien und Alkoholgehalt; wie der Vodka entstand, im Beitrag Geschichte des Vodkas.