Herstellung des Żubrówka Bison Grass:
Am Anfang steht ein Tier: der Wisent, polnisch żubr, der im Białowieża-Urwald an der polnisch-belarussischen Grenze lebt und dort ein bestimmtes Gras frisst. Mit diesem Gras wird der Vodka aromatisiert, und dem Wisent verdankt er seinen Namen. Wie alt die Tradition ist, lässt sich nicht sauber belegen: Die Marke und viele Händler sprechen von einem Rezept, das bis ins 14. Jahrhundert zurückgehen soll, andere Quellen nennen das 16. oder 17. Jahrhundert. Gesichert ist vor allem die industrielle Seite, denn die Massenproduktion bei Polmos Białystok gilt als seit 1928 etabliert (manche Quellen nennen 1926). Die Brennerei wechselte mehrfach den Besitzer: Auf die Central European Distribution Corporation folgte 2013 Roust, und nach den verfügbaren Angaben übernahm 2022 die polnische Maspex-Gruppe; diese letzte Angabe stützt sich auf eine einzelne Quelle.
Als Basis dient Roggen, der zu einem neutralen Destillat verarbeitet wird. Das namensgebende Bisongras (Hierochloe odorata, auch Duftendes Mariengras) wird laut Angaben von Händlern und Produzenten im Juni von Hand geerntet, wenn sein Aroma am intensivsten ist, und natürlich getrocknet. Die Erntemengen sind wegen des Schutzstatus des Waldgebiets begrenzt. Pro Tausend Liter Vodka werden nach einer Händlerangabe ein bis zwei Kilogramm Gras angesetzt; der Auszug ruht einige Tage und wird gefiltert, bevor er mit dem Vodka verschnitten wird. Die Flasche enthält zusätzlich einen einzelnen Grashalm. Abgefüllt wird die Standardversion in Europa heute mit 37,5 % vol.; ältere Quellen und manche Märkte nennen 40 %.
Verkostung des Żubrówka Bison Grass:
Das Glas zeigt einen blassen, leicht grünlich-gelblichen Schimmer, den das Gras mitbringt. Die Nase erinnert an frisch gemähte Heuwiese mit Frühlingsblumen, dazu Waldmeister, Vanille und eine Spur Kokos, Noten, die man gemeinhin dem Cumarin des Grases zuschreibt; Lavendel und Thymian schweben darüber. Am Gaumen setzt sich diese Mischung weich und leicht süßlich fort, mit Zitronenzeste, Anis und einem Hauch Mandel oder Marzipan, während die Getreidebasis gegenüber den Kräutern fast zurücktritt. Die Textur ist mittelschwer, etwas ölig-rund, die Schärfe moderat und gut eingebunden. Der Abgang ist mittellang, kräuterig-süß und von Tonkabohne und Heu geprägt, mit einem sehr leichten Bitterton, der an kalten Kamillen- oder Jasmintee erinnert. Wer reinen Vodka erwartet, wird überrascht sein; wer Aromatisiertes in Richtung Kräuterlikör ohne Zuckerlast schätzt, ist hier richtig.
Steckbrief Żubrówka Bison Grass:
Alkoholgehalt: 37,5 % vol.
Basis: Roggen, aromatisiert mit Bisongras (Hierochloe odorata)
Destillation/Filterung: Neutraldestillat mit Bisongras-Auszug, anschließend filtriert (keine Angaben des Herstellers zu den Destillationsstufen)
Hersteller: Polmos Białystok, Polen
Herstellung im Detail: Bisongras und die Cumarin-Frage
Der Charakter dieses Vodkas hängt an einem Inhaltsstoff: Cumarin, ein Aromastoff, der nach Vanille, Heu und Tonkabohne riecht und in Bisongras, Waldmeister und Tonkabohnen vorkommt. Gerade deshalb ist der Vodka reguliert. In den USA war der klassische Żubrówka über Jahrzehnte nicht legal importierbar, weil Cumarin dort als Lebensmittelzusatz nicht zugelassen ist; die Angaben zum Beginn des Verbots schwanken zwischen 1954 und 1976. Seit 2010/2011 gibt es für den US-Markt eine cumarinfreie Rezeptur, die den Geschmack nachbilden soll, nach Meinung mancher Kritiker aber weniger vielschichtig ausfällt. In der EU bleibt das natürliche Original erhältlich, wobei Cumarin in Spirituosen begrenzt ist; Difford’s Guide nennt eine Obergrenze von etwa 10 mg je Liter, Händlerangaben beziffern den Gehalt einer Flasche auf eine ähnliche Größenordnung. Für Verbraucher in Deutschland heißt das schlicht: Die Flasche im Handel hält die europäischen Vorgaben ein.
Ebenso wichtig ist die Abgrenzung zur zweiten Linie der Marke: Żubrówka Biała ist ein klarer, ohne Bisongras gemachter Vodka, nach Herstellerangaben sechsfach destilliert, mit 40 % vol., eingeführt 2012. Sie ist die neutrale Schwester im selben Haus, während der Bison-Grass-Vodka die aromatische Spezialität bleibt. Manche Quellen stufen letzteren wegen Farbe und Aroma eher als Kräuterauszug denn als klassischen Vodka ein; eine kurze Einführung in die Spielarten bietet Vodka-Sorten im Überblick.
Verwendung des Żubrówka Bison Grass
- Szarlotka (Tatanka, Apple Żu): Der Klassiker: ein Teil Żubrówka auf zwei bis drei Teile naturtrüben Apfelsaft, auf Eis, nach Wunsch mit Zimt, Zitronensaft oder einer Apfelscheibe. Der Name bedeutet auf Polnisch Apfelkuchen, und die Kombination schmeckt tatsächlich so.
- Mit Tonic oder Ginger Ale: Verlängert und mit einem Limettenschnitz zeigt sich das Heu-Vanille-Aroma frisch und trocken, ohne süßen Saft.
- Moscow Mule oder Gimlet: Ingwer und Limette setzen die Kräuternote in Szene; wer es herber mag, nimmt den Gimlet.
- Pur gut gekühlt: In kleinen Gläsern, nicht zu kalt, damit Vanille und Heu hörbar bleiben. Als herzhafte Begleitung werden saure Gurken und geräucherter Speck oder Schmalz genannt.
Bison-Grass-Vodka ist ein Ausnahmefall in der Kategorie – wie sich Polen im Vergleich zu Russland, Skandinavien und Frankreich positioniert, zeigt der Beitrag zu den Vodka-Herkunftsländern: Er bringt ein Aroma mit, das ein Barkeeper sonst nur mit Likören oder Sirup erreicht, bleibt aber trocken genug für Longdrinks. Das macht die Flasche vielseitiger als ihren Ruf als Exot, solange man ihn nicht als neutralen Mixer-Vodka erwartet. Wegen des Cumarins gilt wie bei jeder Spirituose: in Maßen genießen.
Einordnung & Alternativen
- Chopin Potato Vodka – ebenfalls aus Polen, aber reiner Kartoffel-Vodka ohne Aromatisierung, cremig-ölig und erdig-herzhaft statt kräuterig-grasig.
- Wyborowa Vodka – wie Żubrówka roggenbasiert, jedoch unaromatisiert, würzig-erdig mit pfeffrigem Abgang; die schlichte Variante, wenn das Gras nicht gefragt ist.
- Belvedere Vodka – polnischer Roggen-Vodka der Super-Premium-Klasse, würzig-erdig mit seidiger Textur und trockenem Pfefferabgang, aber ohne Vanille-Heu-Note; die Wahl für Martini statt Szarlotka.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
Ähnliche Vodka-Verkostungen

Absolut Vodka
Geradliniger Weizen-Vodka mit dezenter Getreide- und Anisnote, moderater Süße und spürbarer Schärfe — schlanker als weichere Premium-Konkurrenten.

Belvedere Vodka
Würzig-erdiger Roggen-Vodka mit seidiger Textur und trockenem, leicht pfeffrigem Abgang — kantiger als weichere, weizenbasierte Premium-Vodkas.

Chopin Potato Vodka
Außergewöhnlich cremig und ölig durch die reine Kartoffelbasis — erdig-herzhaft statt getreidig, mit kaum spürbarer Schärfe.

Cîroc Vodka
Weinig-fruchtig aus reiner Traubenbasis statt Getreide — schlank, seidig und mit spürbarer floraler Frische statt erdiger Schwere.